Grönlands Kreutzmann will deutsche Ahnen suchen

WETZLAR. Hochgerissene Fäuste, Jubelgesänge, Umarmungen - kurz nach ihrem ersten WM-Auftritt feierten die Spieler Grönlands, als hätten sie gerade den Titel geholt. Dabei hatten die Mannen aus dem eiskalten Norden, die sich als Dritter der Panamerikanischen Spiele hinter Brasilien und Argentinien für die WM 2007 qualifiziert hatten, klar verloren. Doch die 21:35-Niederlage gegen Slowenien störte die Grönländer nicht im Geringsten. Für die krassen Außenseiter war die Ernennung von Angutimmarik Kreutzmann zum Spieler der Partie Anlass genug zur Freude. 25 Zuschauer aus Hessen, die sich mit Original-Trikots, Wikinger-Helmen und Flaggen drapiert hatten, feierten ihren Helden enthusiastisch.

Der erst 18 Jahre alte Rückraumspieler hatte den slowenischen Weltstars die Schau gestohlen. Zehn Treffer konnte Kreutzmann auf seinem Konto verbuchen - eine Zahl, die dem jungen Mann auch weit nach der Begegnung der Gruppe A vor 5000 Zuschauern in Wetzlar noch nicht ganz geheuer war. "Ich kann das gar nicht glauben. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich bei einem WM-Spiel gegen die Weltklasse-Mannschaft aus Slowenien zum Mann des Spiels werde. Das ist der helle Wahnsinn", sagte Kreutzmann. Er spielt in Dänemark bei Silkeborg-Voel und war zuvor in seinen sieben Länderspielen auf insgesamt 25 Treffer gekommen.

Kreutzmann sprang ohne Zögern für seinen deutschstämmigen Mannschaftskapitän Hans-Peter Motzfeldt-Kyed in die Bresche. Der 31 Jahre alte Star der Grönländer, der in seiner Karriere zwischenzeitlich beim deutschen Zweitligaklub TV Gelnhausen unter Vertrag stand, hatte schon früh in der Partie eine Verletzung an der rechten Wade erlitten. Motzfeldt-Kyed fällt wohl noch bis Mitte dieser Woche aus.

"Er hat super gespielt, wie die ganze Mannschaft. Wir haben das Maximum gegeben. Angutimmarik kann, wie alle anderen Spieler auch, sehr stolz sein", meinte Motzfeldt-Kyed zur Leistung Kreutzmanns, dessen Name natürlich unweigerlich die Frage aufwirft, ob auch er deutsche Wurzeln hat. Doch nachdem Kreutzmann während der Begegnung für die Defensive der Slowenen fast immer eine Antwort parat hatte, blieb er in diesem Fall eine definitive Auskunft schuldig.

"Ich weiß gar nicht, ob ich tatsächlich deutsche Vorfahren habe. Kreutzmann ist in Grönland ein relativ weit verbreiteter Name. Vielleicht haben ihn ja deutsche Walfänger mit nach Grönland gebracht", sagte Kreutzmann, der nach der WM Ahnenforschung betreiben will. Vielleicht wäre er bei entsprechendem Stammbaum sogar ein Kandidat für die deutsche Mannschaft.

Beim 20:36 (4:17) gegen den WM-Vierten Tunesien war Kreutzmann am Sonntag jedenfalls wieder einer der Besten. Er durfte diesmal vier Tore bejubeln. "Gegen Slowenien lief es aber besser", meinte er hinterher selbstkritisch.

Bei den anderen "Exoten" hatte sich die Freude über die WM-Teilnahme nach den ersten beiden Spieltagen dagegen ein wenig gelegt. Nach teilweise deftigen Niederlagen hoffen vor allem Australier und Angolaner bei den Spielen um die Plätze 13 bis 24 auf ein Erfolgserlebnis.

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