Doping-Affäre: Stevens-Manager von Hacht in Manipulation verwickelt?

HAMBURG. In der Doping-Affäre um den Stevens-Radstall und dessen ehemaligen Teamarzt Til Steinmeier - gegen den die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt - fällt nun auch ein breiter Schatten auf Team-Manager Werner von Hacht. Wie das Abendblatt erfuhr, soll er derjenige gewesen sein, der - ohne Befugnis - bei den nationalen Cross-Meisterschaften Anfang Januar in Harburg die Auswechslung des Doping-Kontrolleurs veranlasst hat. Dafür gibt es mindestens zwei Zeugen. Von Hacht war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der ursprünglich vom Radsport-Verband Hamburg (HRV) eingesetzte Allgemeinmediziner Peter Härtwig war nach dem ersten Renntag überraschend durch Steinmeier ersetzt worden. Der Stevens-Teamarzt nahm dann beim Eliterennen der Männer am Sonntag die Tests vor. Die Probe des deutschen Meisters Johannes Sickmüller vom Stevens-Team war negativ, steht aber im Verdacht, manipuliert worden zu sein. "Unter normalen Umständen kann das keine Sickmüller-Urinprobe gewesen sein, dafür gibt es schwerwiegende Indizien", erklärte Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Der Abgleich des Steroidprofils mit anderen Proben des Fahrers habe extreme Abweichungen offenbart.

Nach Auskunft von BDR-Vize Dieter Kühnle wurde das gesammelte Material jetzt dem Bundessportgericht, der höchsten Rechtsinstanz des Verbandes, übermittelt. "Ich gehe davon aus, dass Ende kommender Woche ein entsprechendes Sportrechtsverfahren eingeleitet wird", sagte Kühnle dem Abendblatt. Die Beweislast sei erdrückend. Überdies bedürfe es gemäß den neuen Regelungen der Weltantidopingagentur Wada ohnehin keiner positiven Dopingprobe mehr, um Verfahren zu eröffnen. Verantworten müssen sich wegen Dopingverdachts neben Sickmüller auch seine ehemaligen Teamkollegen Jens Schwedler, Fabian Brzezinski und Malte Urban. Bei Sickmüller kommt erschwerend der Manipulationsverdacht bei seiner Dopingprobe vom 8. Januar 2006 noch hinzu.

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