Uni Hamburg bringt Golfer in Schwung

HAMBURG. Klaus-Michael Braumanns erste Begegnung mit Tiger Woods war eher flüchtig. An der Alster kam ihm der Golf-Weltstar plötzlich entgegengejoggt - und war im Nu wieder außer Sichtweite. Braumann war beeindruckt: "Er hatte irrsinniges Tempo drauf", erinnert sich der Hamburger Sportmediziner.

Woods steht stellvertretend für die Beschleunigung des einst so gemächlichen Spiels. An der Spitze der Profitour gilt längst Darwins Evolutionslehre: Die Fittesten überleben. Doch auch Freizeitgolfer, die körperlich unvorbereitet auf die Runde gehen, können das teuer bezahlen - in Form von Verletzungen. "Wer beschwerdefrei spielen will, sollte der Fitness große Bedeutung beimessen", rät Braumann.

Golfer in Schwung zu bringen: Diesem Ziel hat sich ein Projekt verschrieben, das Braumann am Institut für Sport- und Bewegungsmedizin der Universität zusammen mit dem Hamburger Golfverband initiiert hat. An möglichen Kunden herrscht kein Mangel: Jeder zweite Spieler klagt über Rückenschmerzen - nicht selten eine Folge technischer Unzulänglichkeiten. Deshalb ist eine Schwunganalyse Teil der angebotenen Untersuchung. Ein individuelles Golf-Fitnessprogramm, das von der Personal-Trainerin Christine Dinse erarbeitet wurde, soll die Fehler dann abzustellen helfen.

Braumann wähnt sich in einer Marktlücke: "Golf ist wissenschaftlich kaum erforscht, obwohl es ein physiologisch komplexer Sport ist." Mittelfristiges Ziel: eine methodische Lehrreihe für Anfänger. Sogar einen Uni-Golf-Stützpunkt können sich Braumann und Dinse vorstellen. Einen zweiten Tiger Woods wird der vielleicht nicht hervorbringen. "Aber beim Golf", weiß Braumann, "kann man mit richtigem Training auch in hohem Alter noch sehr gut werden."

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