Russin Pylewa gedopt - Silber für Glagow

TURIN. Die Winterspiele von Turin haben ihren ersten Dopingfall. Die Russin Olga Pylewa (30), Biathlon-Olympiazweite über 15 km vom Montag, wurde am Donnerstagnachmittag durch das IOC disqualifiziert, von den Winterspielen ausgeschlossen und zur Rückgabe der Silbermedaille aufgefordert. Im Urin ihrer A-Probe vom 13. Februar war die in Rußland entwickelte "Kosmonauten-Stimulanz" Carphedon nachgewiesen worden. Der Olympiasiegerin von 2002 drohen zwei Jahre Sperre. Über das Strafmaß will die Internationale Biathlon-Union IBU heute mittag entscheiden.

Das IOC forderte die IBU zur Ergebniskorrektur der 15 km auf. Damit dürfte Martina Glagow Silber statt Bronze hinter Siegerin Swetlana Ischmuratowa und vor Albina Achatowa (beide Rußland) erhalten. Die Mittenwalderin zeigte sich darüber keineswegs erfreut: "Silber ist zwar meine Lieblingsfarbe, aber so möchte ich es nicht gewinnen. Lieber würde ich die Bronzemedaille behalten, die habe ich mir ehrlich verdient und seit zwei Tagen immer stolz auf dem Nachttisch angeschaut. Ich habe gefroren, als ich das mit Pylewa gehört habe. Es hätte keiner gedacht, daß bei uns im Biathlon sowas passiert."

Pylewa mußte sofort ihre Akkreditierung abgeben und das Olympische Dorf verlassen. Um 14 Uhr hatte sie vor der IOC-Disziplinarkommission unter dem Schweizer Denis Oswald die Einnahme von Tabletten der russischen Marke Phenotropile mit der verbotenen Substanz Carphedon gestanden, und zwar zwischen dem 23. und 25. Januar und dem 10. und 12. Februar. Diese habe sie von ihrer Privatärztin Nina Winogradowa wegen einer Mitte Januar in Ruhpolding erlittenen Fußverletzung erhalten.

"Das ist schrecklich für unsere Sportart", entfuhr es Uschi Disl in einer ersten Reaktion. "Wenn sie gedopt hat, müßte sie lebenslänglich gesperrt werden", meinte die Deutsche erbost: "Olga war immer viel allein unterwegs und hat kaum mit der Mannschaft trainiert, deshalb kann man nicht das ganze Team beschuldigen." Auch IOC-Vize Thomas Bach, der den Vorsitz der IOC-Kommission abgab, weil er wegen Glagow nicht neutral gewesen wäre, riet von einem "Generalverdacht" gegen das russische Team, dessen Präsident Alexander Tichonow jede Schuld zurückwies und umfassende Aufklärung versprach, ab. Dieser allerdings kommt nicht von ungefähr. Zwei Russinnen hatten auch bei den letzten Winterspielen 2002 für Negativ-Schlagzeilen gesorgt, allerdings im Langlauflager. Olga Danilowa (Gold, Silber) und Larissa Lasutina (zweimal Silber) waren am Schlußtag des Blutdopings überführt worden.

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