Doppelfehler am Rothenbaum

Kommentar

Als noch Boris Becker, Michael Stich und Steffi Graf am Rothenbaum den Schläger schwangen, war nicht die Einnahme von Millionen das Problem des Deutschen Tennis Bundes (DTB), sondern eher deren Verteilung. Jetzt ist der DTB klamm - und Boris Becker soll den Verband wieder nähren, diesmal mit seinen weltweiten Kontakten. Der Job gleicht der Quadratur des Tenniscourts: Die frühere Maßlosigkeit des DTB nicht nur in seinen Ausgaben, sondern auch in seinen Forderungen erschwert vielen das Verständnis für die heutigen Nöte. Den einst düpierten öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten zum Beispiel, plötzlich wieder ein begehrter Partner, kann der Verband jetzt kaum jene Solidarität abnötigen, die ihnen umgekehrt verwehrt wurde, als sich Privat-Sender noch an der Grundlinie drängelten. Dass zudem die zeitgemäße Präsentation der Turniere und eine konzeptionelle Nachwuchsarbeit im Netz hängen blieben, ist einer der vielen Doppelfehler, die den Verband inzwischen das gesamte Match zu kosten drohen. Kann Becker wie früher als Tennisprofi ein verloren geglaubtes Spiel herumreißen? Als Geschäftsmann hat Becker noch keine Asse geschlagen. Es ist höchste Zeit, dass er damit anfängt.