Oss! Wege des Respekts

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U 18 Story: Wie der Verein "SpielTiger" Gewaltprävention betreibt

Wie alle anderen Kinder tritt auch Kaan mit einer tiefen Verbeugung in den Raum. "Oss", ruft der Achtjährige zur Begrüßung. "Oss", antwortet ihm Ghasem Spili und verbeugt sich seinerseits.

Der diplomierte Sportwissen-schaftler mit Trainer-Lizenz und schwarzem Gürtel in Judo, Ju-Jutsu, Karate Sotokan SKI und Kung-Fu erklärt das japanische Begrüßungsritual: "Oss bedeutet Respekt, und Respekt ist unverzichtbar." Spili arbeitet als Budo-Trainer in dem von der Bürgerstiftung Hamburg geförderten Verein "SpielTiger" mit sechs- bis 14jährigen Kindern. Die meisten von ihnen kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen oder kulturellen Randgruppen, sind verhaltensauffällig, überaktiv oder - ganz im Gegenteil - in sich gekehrt. "Ich möchte die Kinder gezielt fördern, das Selbstbewußtsein stärken, aber auch soziale Kompetenzen entwickeln", beschreibt der 42jährige die Zielsetzung seines Trainings zur Gewaltprävention.

Zwölf Kinder sind an diesem Nachmittag in der kleinen Turnhalle der Elternschule Altona in der Thedestraße 101a zusammengekommen. Gemeinsam mit seiner Trainerkollegin Tanja Roth (28) und Hospitant Matthias Freund (28) versucht Spili die wie aufgedreht wirkenden Kinder zu beruhigen. Keine einfache Aufgabe. Joey und Edgar haben scheinbar gerade keine Lust, Mike hält sich verschnupft das schmerzende Knie und Peter will Emre und Engin zum Kämpfen animieren. Aber Spili läßt sich nicht aus der Ruhe bringen: "Mokuso" - "Konzentration", ruft er mit lauter Stimme. Und tatsächlich: Die Kinder knien sich auf die große Matte und hören zu.

"Man muß auf die Kinder ein-gehen, ihnen zuhören, aber auch Grenzen aufzeigen", sagt der gebürtige Iraner, der selbst einen zehnjährigen Sohn hat. Konfliktbewältigung, Fairness und Achtung vor den Mitmenschen sind zentrale Aspekte in Spilis Trainingsprogramm. So läßt er jeweils zwei Kinder über eine imaginäre "Brücke der Entscheidung" gehen. Die Kinder treffen sich in der Mitte dieser Brücke, die zu schmal ist, um aneinander vorbei zu gehen. Also ist Verstand und Kompromißbereitschaft ge-fragt. Nach einigen mißlungenen Versuchen kommen Emre und Mike auf die Lösung: Mike geht rückwärts zurück, läßt Emre passieren und überquert dann seinerseits die Brücke. Die Kinder sind beeindruckt.

Zum Schluß der Einheit kön-nen die Kinder dann auch im Judo gegeneinander antreten. Nicht alles, was sich Spili und seine Kollegen vorgenommen haben, klappt. Immer wieder muß das Training unterbrochen, Störenfriede ermahnt und ein Streit geschlichtet werden. Aber die Kinder haben ihren Spaß. "Wichtig ist, daß alle freiwillig hier sind, sonst hat es keinen Sinn", sagt Spili. Kaan jedenfalls will auch nächste Woche wiederkommen und verbeugt sich mit einem "Oss!"

( (Kai Schiller) )

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