Checkup für die Muskelmänner

Ein Hamburger Mediziner kümmert sich um das Wohlbefinden der Jockeys.

Hamburg. "Viele Jockeys sind fit wie ein Turnschuh", sagt Peter Wind. "Die kommen mit einem Waschbrettbauch einher. Alles Burschen mit einer Menge Muskeln, doch von einer richtigen Ernährung haben die meisten noch nichts gehört." Das hat sich geändert beim diesjährigen Derby-Meeting, dank Rennbahnarzt Peter Wind und Heike Lemberger, einer Wissenschaftlerin vom Institut für Sport- und Bewegungsmedizin in Hamburg. Dessen Ärztlicher Leiter Prof. Klaus-Michael Braumann hat seine Mitarbeiterin für den neuen Gesundheits- und Ernährungs-Check beim Derby abgestellt. Ziel dieser Untersuchung ist es, eventuelle Defizite anhand des Blutbildes festzustellen und eventuell durch eine bedarfsgerechte Sportlerernährung auszugleichen. "Die Resonanz war großartig, schon mehr als 40 Reiter und Reiterinnen haben unseren Check angenommen, darunter auch Spitzenjockeys wie Andrasch Starke und Andreas Suborics", berichtet Peter Wind. Der Allgemeinmediziner, seit Jahren medizinischer Berater des Kölner Galopper-Direktoriums, reist viel und knüpft internationale Verbindungen zum Wohl des deutschen Turfs. "Ich eifere meinen französischen Kollegen nach", sagt Wind. "Was in Ländern wie England und Frankreich gut ist, kann für uns nicht schlecht sein." Ihm ist es in erster Linie zu verdanken, dass die Jockeys auf deutschen Bahnen seit anderthalb Jahren während der Rennen Schutzwesten tragen müssen. Der Checkup beinhaltet eine Blutuntersuchung mit Bestimmung leistungs- und gesundheitsrelevanter Parameter, Körperfettmessung, eine umfassende computergestützte Ernährungsanalyse sowie ein eingehendes individuelles Beratungsgespräch. Aus den Ergebnissen erhalten die Reiter Antworten auf folgende Fragen: Gibt es gesundheitliche Auffälligkeiten? Ist die körperliche Konstitution leistungsgerecht? Wie kann man unter wettkampfspezifischen Aspekten die Ernährungsweise optimal gestalten? Wie erreicht man eine schnelle, aber auch langfristige und gesunde Gewichtsabnahme? Mögliche Folgen eines nicht angepassten Trink- und Essverhaltens sind frühzeitiges Ermüden, Konzentrations- und Koordinationsschwäche sowie Muskelkrämpfe. "Wer immer nur in die Sauna geht und so abnehmen will, muss eines Tages mit schweren Nierenschäden rechnen", sagt Peter Wind.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.