Wie man SCHIRI wird

Hamburg. "Wenn ihr einen Strafstoß pfeift, werdet ihr ziemlichen Alarm haben", sagt Ralf Trobojevic und guckt warnend in die Runde. 30 Augenpaare hängen an seinen Lippen. Keiner der Anwesenden bezweifelt den Wahrheitsgehalt dieser Ankündigung. Trobojevic, den seine Schüler "Turbo" nennen dürfen, ist Obmann des Bezirks-Schiedsrichterausschusses Alster. Zweimal jährlich wird in jedem der acht Hamburger Ausschüsse ein Lehrgang durchgeführt, bei dem die überwiegend jugendlichen Anwärter ein Wochenende lang geprüft werden.

Über mangelnden Zulauf kann sich der Hamburger Fußballverband - den jüngsten Ereignissen um Skandalschiedsrichter Hoyzer zum Trotz - nicht beklagen. Ein Trend, der auch bundesweit zu verfolgen ist: Jährlich gehen zwar 9000 Schiris in "Rente", aber es kommen auch jedes Jahr 10 000 hinzu. Und das, obwohl sie häufig als Schuldige für Niederlagen ausgemacht werden und sich von Spielern anhören müssen, sie hätten Tomaten auf den Augen. Oder sie sehen sich Anfeindungen des Publikums ausgesetzt. Warum will man sich so etwas freiwillig antun?

"Ich habe mich immer sehr über Schiedsrichter aufgeregt und mich jetzt dazu entschlossen, es besser zu machen", sagt Holger Bremer (14). Sein Vereinskollege Enis Mejahdi (13) von Germania Schnelsen meint, er habe schon immer davon geträumt, Schiri zu sein. "Es macht Spaß, und man verdient noch ein bißchen Geld", findet der kleine Tunesier. Angst vor Pöbeleien hat er nicht. "Wenn die mich anmotzen, ignoriere ich die einfach und mache weiter mein Ding." Am liebsten würde Enis später in der Bundesliga pfeifen. Das ist allerdings ein weiter Weg. Und bevor er überhaupt an die Pfeife darf, muß Enis erst einmal die Prüfung bestehen: 15 Fragen zu 17 Fußballregeln sollen beantwortet werden. Wer weniger als 21 von 26 möglichen Punkten holt, fällt durch.

Tanja Krause hat ihre Prüfung hinter sich. Die 18jährige ist seit fünf Jahren Schiedsrichterin, pfeift mittlerweile in der Herren-Bezirksliga. "Ich habe die Männer im Griff", sagt sie und lacht. "Viele reißen sich mehr zusammen, wenn eine Frau auf dem Platz steht." Dann wird es ernst. Erst die Klausur, banges Warten, dann das Ergebnis: Alle haben bestanden. "Ich habe es geschafft, ich bin Schiedsrichter", jubelt Enis und reckt die Siegerfaust gen Himmel. Das Abenteuer Schiedsrichter kann losgehen.

(Andreas Binroth)

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