Jockey Gehm für immer gelähmt?

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Hans-Eckart Jaeger

Galopp: Der Hindernis-Champion liegt nach einem Sturz im Koma.

Hamburg. Es passierte kurz nach elf Uhr: Auf der Trainingsbahn in Weilerswist bei Köln hatte Jockey Peter Gehm aus Bergheim die Morgenarbeit fast schon beendet. Jetzt wollte er noch einmal den zweijährigen Hengst Rascacio testen. Plötzlich stürzte Gehm aus dem Sattel und flog gegen einen Begrenzungszaun. Bewußtlos blieb der fünfmalige deutsche Meister der Amateurrennreiter und neunmalige Hindernis-Champion, der insgesamt 540 Siege errang, liegen.

Ein Rettungshubschrauber flog ihn ins Krankenhaus nach Köln-Merheim. Dort wurde Gehm, bei dem die Ärzte eine Stauchung des Rückenmarks am Lendenwirbel, Brustwirbelbrüche und einen Lungenriß diagnostizierten, operiert und in ein künstliches Koma versetzt.

"Für uns alle ist das unfaßbarer, sagte Claudia von der Recke. Die Ehefrau des Kölner Trainers Christian von der Recke, der einige seiner Pferde von Peter Gehm reiten läßt, war eine der ersten am Unglücksort. Sie kennt den Hengst Rascacio. Der gehört dem Hamburger Stall Blankenese, dessen Mitbesitzer Franz-Günther von Gaertner, der ehemalige Präsident des Hamburger Renn-Clubs ist. Sie hat das Pferd schon geritten und sagt: "Bei mir hat er nie Schwierigkeiten gemacht. Ich hoffe nur, daß Peter, der körperlich topfit ist, wieder völlig gesund wird."

Danach sieht es zur Zeit nicht aus. Die Gefahr besteht, daß Peter Gehm, der vom fünften Lendenwirbel abwärts bewegungslos ist, für immer gelähmt bleibt. So wie es vor etlichen Jahren seinem Kollegen Harro Remmert passierte. Der sitzt seit einem Reitunfall im Rollstuhl, gehört aber dennoch heute zu den erfolgreichsten Galopptrainern.

Peter Gehm, der von seiner Ehefrau getrennt lebt, hat zwei Söhne (Pascal, Patrick) und wohnt in Bergheim in der Nähe von Köln. Er ist ein Siegertyp: Dreimal in Folge hat er, zuletzt Anfang Oktober 2003 mit Registana, den "Großen Pardubitzer" in Tschechien gewonnen. Dieses Hindernisrennen gilt als das schwerste der Welt. Passiert ist ihm nie etwas.

Eine Hoffnung bleibt: Der tschechische Meisterjockey Josef Vana, der 2003 in Tschechien hinter Gehm Zweiter wurde, war vor Jahren nach einem Sturz ebenfalls lange gelähmt, kann heute aber wieder Rennen reiten.

Ob das Peter Gehm, er wird heute 35 Jahre alt, auch schaffen wird? Claudia von der Recke ist fest davon überzeugt: "Der Peter wird sich niemals aufgeben."

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