Nach Blamage in Wolfsburg

Freezers-Kapitän: "Viele Spieler wollten nicht gewinnen"

Die Hamburg Freezers sind schwer angeschlagen, sportlich wie gesundheitlich. Am Tag nach der 1:7-Pleite in Wolfsburg verzichteten...

Hamburg. Die Hamburg Freezers sind schwer angeschlagen, sportlich wie gesundheitlich. Am Tag nach der 1:7-Pleite in Wolfsburg verzichteten mit Jere Karalahti, Sean Blanchard, Paul Manning und Richard Mueller gleich vier Spieler grippekrank auf das angesetzte freiwillige Training. Auch Trainer Paul Gardner fühlte sich nicht, drehte nur einige Runden zum Ausschwitzen auf dem Eis. Mehr als seine Krankheitssymptome machten dem Kanadier jedoch die Gedanken an den Offenbarungseid zu schaffen, den seine Profis am Freitagabend geleistet hatten.

"Man kann einiges erklären, aber diese Leistung nicht", sagte Gardner. Die Freezers, die nun mehr denn je um den Einzug in die Hoffnungsrunde der Deutschen Eishockey-Liga bangen müssen, hatten sich ab dem zweiten Drittel desolat präsentiert. "Ich hatte den Eindruck, dass viele Spieler gar nicht gewinnen wollten", sagte Kapitän Clark Wilm, in Wolfsburg einziger Torschütze der Hamburger. Harte Worte, denen eigentlich Konsequenzen folgen müssten. Während die mitgereisten Fans in Wolfsburg den Rauswurf von Geschäftsführer Boris Capla forderten und kurzzeitig den Mannschaftsbus blockierten, beschränkten sich die Freezers-Verantwortlichen am Sonnabend darauf, Einzelgespräche mit den verbliebenen fitten Profis zu führen. Ergebnislos.

Wie schon in der Vergangenheit konnten oder wollten die Spieler nicht erklären, wie es zu einem solch desaströsen Auftritt kommen konnte. Auf Suspendierungen einzelner soll trotz der Vorwürfe Wilms verzichtet werden. "Wir werden kurzfristig keine Spieler aussortieren" sagte Sportdirektor Bob Leslie. "Das können wir uns im Moment einfach nicht leisten. Wir brauchen die Breite im Kader."

Am Sonntag beim Heimspiel gegen Mannheim (14.30 Uhr, Color-Line-Arena) soll immerhin Verteidiger Stephan Retzer nach seiner Oberschenkelprellung ins Team zurückkehren, auch ein Einsatz der erkrankten Akteure scheint möglich. "Weil die Spieler eine Reaktion zeigen werden, freue ich mich auf die Partie", erklärte Leslie. Damit dürfte er jedoch ziemlich alleine dastehen. (bj/dst)