Bundesliga: Heute kommt es zum Duell mit Landsmann Renato Augusto

Alex Silva: Der etwas andere Brasilianer

Der HSV-Profi will fünf Jahre in Hamburg bleiben und sich für die Fürsorge des Klubs mit einem Titel pro Saison bedanken.

Hamburg. Würde er nicht selbst seine Samba-Leidenschaft erwähnen, kaum jemand würde Alex Silva als typischen Brasilianer einstufen. Das liegt einerseits an seiner wenig schnörkelhaften Art Fußball zu spielen. Andererseits hängt es auch mit seiner eher bodenständigen denn emotionalen Art zusammen. "Brasilianer sind an sich heißblütiger", sagt Silva vor dem Spiel bei Bayer Leverkusen (So., 17 Uhr, LTU-Arena), "was meiner Meinung nach nicht vernünftig ist. Die Mischung zeichnet am Ende die Guten aus."

Und davon gibt es einige. Auch beim nächsten HSV-Gegner, Bayer Leverkusen, wo Renato Augusto seit Saisonbeginn aktiv ist. Der 21-jährige Offensivallrounder trotzt Silva höchsten Respekt ab. "Ein genialer Fußballer", so der Defensivspieler, der seinerseits beim HSV restlos überzeugt. "Alex bringt trotz seiner jungen Jahre eine enorme Reife mit", sagt Sportchef Dietmar Beiersdorfer, der sich von Silva Unterstützung bei der Integration des inzwischen wieder verkauften Thiago Neves erhofft hatte. Vergeblich. "Die Integration in Deutschland hat viel mit der Persönlichkeit zu tun", sagt Silva. Der Umstand, in Deutschland das Vierfache des brasilianischen Gehaltes verdienen zu können, verführe sehr schnell. Silva weiter: "Das passt leider nicht immer. Manchmal scheitern die Spieler wie eben Carlos Alberto bei Bremen oder auch Thiago bei uns. Vielleicht nur, weil sie sich nicht wirklich auf die neue Umgebung eingestellt haben. Denn es gibt auch viele Brasilianer, die sich hier sehr schnell eingelebt und die Bundesliga bereichert haben."

Die meisten davon fanden über Bayer Leverkusen ihr Glück (siehe Infokasten unten). "Leverkusen hat in Brasilien schon lange einen großen Namen", weiß auch Silva. Brasilianische Bayer-Profis hätten im Rahmen der Länderspiele immer vom Werksklub geschwärmt. "So etwas spricht sich rum", sagt Silva, der die Bundesliga für brasilianische Profis als "immer attraktiver" werdend bezeichnet. Gleiche Wertsteigerung gelte übrigens für den HSV: "Über Hamburg und dessen Umfeld wird unter den Brasilianern heutzutage sehr gut gesprochen."

Ein Grund dafür ist die Rundum-Fürsorge des HSV - ein Zustand der bei Leverkusen seit Jahrzehnten normal ist. "Es gibt keinen Bereich, in dem man sich allein gelassen fühlt", sagt Silva, dem bei der Wohnungssuche, Amtsgängen, dem Autokauf und allen anderen organisatorischen Dingen geholfen und sogar ein persönlicher Dolmetscher für sieben Tage die Woche vom Verein zur Seite gestellt wurde. "Ich bin hier sehr glücklich und hoffe, meinen Fünfjahresvertrag erfüllen zu können und zu dürfen. Am besten mit einem Titel pro Jahr. So will ich mich für alles bedanken."

Losgehen soll es damit jetzt. Sein erster Treffer für den HSV im Uefa-Cup in Nijmegen hat Silva Auftrieb gegeben. Und obwohl der 23-Jährige aus dem Mittelfeld für den angeschlagenen Michael Gravgaard in die Innenverteidigung zurückgezogen werden könnte, geht er verbal in die Offensive: "Leverkusen ist sehr stark, ein direkter Konkurrent. Genau der Gegner, den wir schlagen müssen, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen."

Rücksicht auf Bekannte wie seinen Landsmann Renato Augusto bei Bayer werde er dabei auf keinen Fall nehmen. "Wir tauschen sicher Telefonnummern aus, wie es bei den Brasilianern in der Bundesliga üblich ist", sagt Silva, ausnahmsweise mal emotionsgesteuert, "aber ganz sicher erst nach unserem Sieg bei Bayer."