Traumstart für deutsche Skijägerinnen

Biathlon-WM: zweites Edelmetall für Wilhelm

Einen Tag nach dem deutschen Doppelsieg über 7,5 Kilometer durch Kati Wilhelm und Simone Hauswald sicherte Wilhelm dem DSV-Team mit Silber im Verfolgungsrennen die zweite Medaille.

Pyeongchang. Bei Kati Wilhelm und Simone Hauswald flossen Freudentränen nach Gold und Silber, bei Andrea Henkel Tränen der Enttäuschung nach einer "Roten Karte": Nach dem Doppelerfolg am Samstag zum Auftakt der Biathlon-Weltmeisterschaften in Pyeongchang weinten Sprint-Gewinnerin Kati Wilhelm und Simone Hauswald auf dem Siegerpodest. Einen Tag danach war Titelverteidigerin Henkel schon vor dem Start zum Verfolgungsrennen zum Heulen zumute. Weil sie beim Trockentraining für das Schießen aus Versehen ein geladenes Magazin verwendet hatte, wurde sie disqualifiziert.

Ganz anders war die Gefühlslage bei Kati Wihelm 24 Stunden zuvor. "Endlich der langersehnte zweite Einzeltitel. Ich bin einfach nur glücklich", sagte die 32 Jahre alte Thüringerin nach ihrem Sprint- Sieg vor Simone Hauswald. Am Sonntag sie über die zehn Kilometer lange Verfolgung als Zweite hinter der Schwedin Helena Jonsson zum nächsten Edelmetall. "Ich kann mich nicht beklagen, noch eine Medaille", sagte das "Rotkäppchen" und hatte bei der Siegerehrung erneut feuchte Augen.

Auch Simone Hauswald, deren Mutter aus Korea stammt, war nach ihrem größten Einzelerfolg zu Tränen gerührt. "Es ist ein ganz besonderes Gefühl, eine ganz besondere WM", sagte die Vize- Weltmeisterin am Samstag und schwenkte bei der Siegerehrung die deutsche und südkoreanische Flagge. Anschließend musste sie den Medien aus Südkorea Rede und Antwort stehen.

Mit ihren rot-gefärbten Haaren zählt Wilhelm auch äußerlich zu den auffälligsten Persönlichkeiten der Biathlon-Szene. Doch wird auch ihre Meinung gehört. In der Affäre um die russischen Doping-Sündern schlug sie deutliche Töne an: "So etwas macht unseren Sport kaputt."

Für Kati Wilhelm schloss sich mit ihrem WM-Sieg ein Kreis. 2001 hatte sie bei ihrer WM-Premiere im Biathlon gleich ihren ersten Titel im Sprint geholt. Nun folgte bei der vermutlich letzten WM der zweite Einzel-Triumph. "Darauf habe ich acht Jahre gewartet und hingearbeitet", sagte die als "Rotkäppchen" bekannt gewordene Wilhelm, die ihre Karriere als Langläuferin begonnen hatte. "Viele hatten mich zwischenzeitlich schon abgeschrieben. Deswegen sind auch ein paar Tränen gekullert, weil es eine große Anspannung war, die von mir abgefallen ist." Jetzt könne sie wieder ein Ziel abhaken. "Ich habe was erreicht, was ich noch wollte, kann nach Vancouver zufriedener aufhören", erklärte die dreimalige Olympiasiegerin.

Gold für Kati Wilhelm wäre auch am Sonntag drin gewesen, genauso wie für Magdalena Neuner. Als Führende kam die 22-Jährige zum vierten Schießen. Nach vier Fahrkarten war ihr Traum vom siebten WM-Titel geplatzt. Irgendwie war es symbolisch, dass die junge Bayerin dann auch noch auf der Abfahrt stürzte, sich überschlug, aber mit leichten Prellungen glimpflich davon kam. "Heute Abend muss ich wohl meinen Hintern behandeln lassen", stellte sie fest.

Gar nichts ging dagegen für Andrea Henkel, die kurz vor dem dem Start des Jagdrennens von der Wettkampf-Jury disqualifiziert worden war. Beim Trockentraining löste sich ein Schuss. Das Geschoss durchschlug eine Trennwand im Stadion-Gebäude. Verletzt wurde zum Glück niemand. "So etwas ist mir noch nie passiert. Das ist sehr ärgerlich, weil ich eine hervorragende Ausgangsposition hatte", sagte Henkel, die vor einem Jahr bei der WM in Östersund den dritten deutschen Sprint- und Verfolgungs-Doppelsieg nach Uschi Disl (2005), Magdalena Neuner (2007) gefeiert hatte.

Kati Wilhelm vergab das vierte deutsche Doppel, das zweite Gold und den dritten WM-Einzeltitel ihrer Karriere wie Neuner am Schießstand. Während die als Fünfte gestartete spätere Weltmeisterin Jonsson nur zweimal daneben schoss, produzierte die in Ruhpolding lebende Thüringerin beim dritten Schießen vor spärlicher Zuschauerkulisse und böigem Wind drei Fehler. "Da habe ich es vergeigt", sagte sie. "Völlig unkonzentriert", sei sie gewesen. "Da ist mir alles mögliche durch den Kopf gegangen. Ich hatte kalte Finger und kein Gefühl mehr. Offensichtlich taugt mir es nicht, wenn ich alleine am Schießstand stehe."