Formel 1: Deutsches Team für 2004 geplant

Neuss. In der Formel 1 bahnt sich offenbar eine sensationelle Entwicklung an. Ab 2004 soll es einen komplett in Deutschland ansässigen neuen Formel-1-Rennstall geben. Die Fäden zieht der Bremer Geschäftsmann Oliver Behring, der im vergangenen Jahr bereits über das marode Arrows-Team in der Formel 1 Fuß fassen wollte. Im Gespräch mit dem Internetportal Sport1 erklärte Behring: "Ja, wir werden definitiv 2004 in Melbourne an den Start gehen." Die Meldung beim Automobilweltverband FIA sei bereits eingereicht, was der Verband auf Anfrage allerdings weder bestätigen noch dementieren wollte. Chassis und Motor des neuen Teams sollen von einem derzeit in der Formel 1 aktiven Lieferanten gekauft und zu einem schlagkräftigen Gesamtpaket zusammengefügt werden. Die Fertigungsanlagen sind auf deutschem Boden geplant, in der Nähe von Bremen soll eine hochmoderne Formel-1-Fabrik entstehen. "Natürlich werden wir mit unserem Chassis-Partner sehr eng zusammenarbeiten. In unserer Fabrik wird es einen eigenen Windkanal geben", sagte Behring, Geschäftsführer von German Grand Prix Racing. Die Finanzierung seines ambitionierten Projekts ist laut Behring schon gesichert: "Wir werden einen festen Hauptsponsor haben, der von verschiedenen Zeitsponsoren ergänzt wird." Hinter dieser Aussage verbirgt sich ein neues Konzept, wonach sich die "Zeitsponsoren" nur bei den Grands Prix engagieren, die ihnen jeweils am werbewirksamsten erscheinen. Auch in puncto Personal hat Behring bereits konkrete Vorstellungen. "Craig Pollock wäre als Teamchef nicht nur denkbar, sondern geradezu ideal. Er spricht Deutsch und hat schon BAR von null auf hundert geführt", sagte Behring. Der scheidende BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger habe eine leitende Funktion beim neuen "Team Germany" dagegen abgelehnt. Als Testfahrer sind die beiden deutschen Nachwuchstalente Sven Barth (Sieger Formel Volkswagen 2002) und Thomas Westarp (Sieger Formel König 2001) im Gespräch. Für den ersten Grand Prix 2004 in Melbourne sagt Behring allerdings eine andere Fahrerpaarung voraus. "Es wird einen Nachwuchsfahrer und einen alten Hasen geben", meint der 37-Jährige. Auch in diesem Punkt will er neue Wege gehen: "Warum soll nicht auch mal eine Frau am Steuer sitzen?" Zudem plant Behring mit 160 bis 170 Ingenieuren und Mechanikern: "Das wird dann aber unser Teamchef entscheiden. Man kann entweder Personal abwerben oder auf ehemalige Prost- oder Arrows-Leute zurückgreifen. Wir müssen die Autos ja nicht selbst bauen, sondern lediglich Detailarbeiten vornehmen." (sid)