"Wir sind eine Großmacht geworden"

HSV-Handball-Trainer Martin Schwalb wehrt sich gegen "typisch deutsche" Kritik

Hamburg. Martin Schwalb war es leid, sich zu rechtfertigen: "Jetzt ist es aber mal gut! Man muss auch mal den Kopf über Wasser halten." Gerade hatten die HSV-Handballer im letzten Heimspiel der Bundesligasaison Hannover-Burgdorf mit 37:27 überrannt und noch einmal die Tabellenführung übernommen. Weil aber auch ein Sieg in Balingen am Sonnabend nur zur Vizemeisterschaft hinter Kiel reichen dürfte, sah sich der Trainer hinterher in die mediale Defensive gedrängt.

Schwalb verteidigte sich nach Kräften. Ob man mit der Saison zufrieden sein könne? "Wir sind dieses Jahr eine Handballgroßmacht geworden und haben mit den ersten Bundesligasiegen bei den Rhein-Neckar Löwen und in Flensburg Geschichte geschrieben." Ob das nicht zu erwarten sei angesichts des größten Etats? "Andere geben viel mehr aus." Ob es angemessen sei, vor dem letzten Spiel drei Tage nach Mallorca zu fahren? "Wir sind eine Gemeinschaft und brauchen einen Abschluss." Ob der HSV ohne Verstärkungen nächstes Jahr gut genug für die Meisterschaft wäre? "Es ging die letzten Jahre doch immer aufwärts. Aber ganz oben machst du kleine Schritte. Das Ding braucht Zeit."

Wenn die Menschen an der Tankstelle bei seinem Anblick ein betroffenes Gesicht machten, "hört es doch auf", sagte Schwalb. Man habe den Pokal gewonnen, die beste Bundesligasaison der Vereinsgeschichte gespielt. Dies nicht zu würdigen sei "typisch deutsch". Überall im Handballland liefen Kinder in HSV-Trikots herum, "das muss man doch auch mal sehen. Die Fans empfinden es anders, als ihr es darstellt."

Tatsächlich hatten 10 119 Zuschauer am Freitagabend in der O2 World noch einmal Stimmung gemacht. Andreas Rudolph zeigte sich davon unbeeindruckt. "Man kann mit der Saison nicht zufrieden sein", sagte der Präsident. Dennoch wolle man an Schwalb zumindest bis Vertragsende 2011 festhalten. Eine Verpflichtung von Nationalspieler Michael Kraus, der Lemgo am Sonnabend mit zwölf Toren gegen Schaffhausen zum Europapokalsieg warf, schloss Rudolph aus: "Wir haben für ihn einfach keinen Platz."