THW Kiel hat die Kraft zum Champions-League-Triumph

Deutscher Handballmeister besiegt Ciudad Real und Barcelona

Köln. Die Kieler Handball-Heroen tanzten im Konfettiregen, Matchwinner Thierry Omeyer, der Torhüter, schlug sich fassungslos vor Freude die Hände vors Gesicht: Als der THW Kiel nach einem Triumphzug in Köln den europäischen Handballthron bestieg, brachen alle Dämme. Der deutsche Meister gewann mit einem 36:34 (17:20) im Finale gegen Rekordsieger FC Barcelona zum zweiten Mal nach 2007 die Champions League. Drei Jahre nach dem WM-Sieg der Nationalmannschaft an selber Stelle schrieb der THW als erster Sieger eines Final-Four-Turniers in der Königsklasse Handballgeschichte - und feierte mit 19 374 Zuschauern eine gigantische Party.

Vor der Europacup-Rekordkulisse in der ausverkauften Lanxess-Arena setzte das Team von Trainer Alfred Gislason in einem faszinierenden Kraftakt den Schlusspunkt unter ein Traumwochenende mit dem Triumph über die spanische Handball-Armada. Schon am Sonnabend hatte der THW mit dem 29:27 (12:15) gegen BM Ciudad Real ein Glanzlicht gesetzt. Dem Titelverteidiger, der das Spiel um Platz drei 36:28 gegen Medwedi Tschechow gewann, waren die Kieler in den vergangenen beiden Jahren im Finale - damals in Hin- und Rückspiel - noch unterlegen.

"Wir haben in der zweiten Halbzeit einfach geil gespielt", sagte Filip Jicha, der elf Tore erzielte. "Wir haben einen unglaublichen Charakter gezeigt. Wir sahen in der 45. Minute wie der Verlierer aus, haben uns wieder reingekämpft und verdient gewonnen", resümierte Trainer Gislason: "Wir haben zweimal tolle letzte 15 Minuten gespielt. Das war grandios. Ich muss das in den nächsten Tagen erst mal begreifen."

Im Endspiel lag Barcelona schnell in Führung, wie tags zuvor zeigte Kiel Kampfgeist. Mit seinen ersten guten Paraden verhinderte Omeyer einen größeren Rückstand als das 11:16 in der 23. Minute. Und auch der Tscheche Jicha hielt die Kieler, die zunächst viele leichte Gegentreffer zuließen, mit acht Toren vor der Pause im Spiel. Danach unterliefen den Kielern vor allem in der Offensive unnötige Fehler, beim Stand von 18:23 (38.) gab nur Omeyer mit weiteren Paraden Anlass zur Hoffnung. Doch nach drei schnellen Toren in Folge zum 22:25 stand die Arena wieder kopf - nach dem 29:29 durch Christian Zeitz (52.) und dem 30:29 von Henrik Lundström (53.) steigerte sich die Stimmung zum Orkan. Matchwinner neben Omeyer war Jicha, 13 Treffer von Juanin Garcia reichten den am Ende überforderten Spaniern nicht. "Barcelona konnte das Niveau nicht halten. Omeyer macht das Tor zu, und das Blatt wendet sich. Das war sein Verdienst", meinte Bundestrainer Heiner Brand.

Das neue Forum Club Handball, Zusammenschluss von 50 europäischen Vereinen, und der Europaverband EHF haben ein "Memorandum of Understanding" unterzeichnet, das den Klubs ein weitgehendes Mitspracherecht bei der Termingestaltung zugesteht und sie künftig stärker an Einnahmen beteiligt. Im Gegenzug wurde eine Wettbewerbsklage in Brüssel zurückgezogen. "Das ist ein Riesenschritt nach vorn", sagte HSV-Vizepräsident Dierk Schmäschke, der dem Forumspräsidium angehört.