Eishockey-Deutschland bangt um das Viertelfinale

Nach unglücklichen Niederlagen gegen Russland und Weißrussland steht der WM-Gastgeber morgen gegen die Slowakei unter Druck

Köln. Bittere Niederlage im Schüsselspiel - die Tür zum WM-Viertelfinale ist für das deutsche Eishockeyteam nur noch einen Spalt breit offen. Nach dem enttäuschenden 1:2 (0:1, 0:0, 1:0) nach Verlängerung gegen Weißrussland gestern Abend in Köln ist nun dringend ein Sieg am Dienstag (16.15 Uhr/Sport1) gegen die Slowakei zum Weiterkommen bei der Heimweltmeisterschaft nötig. Nur 22 Stunden nach dem bärenstarken Auftritt beim 2:3 gegen Titelverteidiger Russland zeigte der kraftlose Gastgeber seine bisher schwächste Turnierleistung - und das ausgerechnet im wohl wichtigsten Zwischenrundenspiel. Marcel Müller rettete das DEB-Team 54 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit zwar in die Verlängerung und sicherte zumindest einen Punkt. Doch Alexej Kaljuschny stoppte 15 Sekunden vor Ende der Verlängerung den WM-Höhenflug des DEB-Teams, das so sehr auf den ersten Viertelfinaleinzug seit 2003 hofft. Nebenbei misslang die Revanche für das 3:5 bei Olympia in Vancouver. Andrej Michaljew (7.) hatte das 0:1 besorgt.

"Wir sind nicht so ins Spiel gekommen. Wir wollten genauso spielen wie gestern", stellte Kapitän Marcel Goc fest. Routinier Sven Felski kritisierte: "Wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gegangen, wie wir es wollten und was uns bisher ausgezeichnet hat." Die bisher punktlosen und zum Siegen verdammten Weißrussen kamen oft einfacher als die Russen ins deutsche Drittel und machten den Hausherren mit der Führung im Rücken das Leben in der Offensive immens schwer.

NHL-Profi Goc hatte bereits nach 45 Sekunden eine Riesenchance gegen den letztjährigen Viertelfinalisten, traf aber nur das Außennetz. Keine Mühe hatte dagegen Michaljew, der einen Schuss von Mitspieler Jaroslaw Tschupris abbekam und sich damit selbst maßgerecht den Puck vorlegte. Freezers-Kapitän Alexander Barta, am Sonnabend neben Christian Ehrhoff Torschütze gegen Russland, schoss eine Minute später nur den lange in Deutschland tätigen Torhüter Andrej Mesin an.

Bundestrainer Uwe Krupp meinte zwar, die Pleite gegen Weißrussland bei Olympia stecke seinen Schützlingen noch in den Knochen, trotz Erholung in Eisbadewannen hatte der große Auftritt gegen die Russen mehr Spuren hinterlassen. "Auch mental - das Problem ist, dass man so gut gespielt hat und dann doch keinen Punkt geholt hat", urteilte Uwe Harnos, der Chef des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB).

Anders als am Sonnabend sprang der Funke auch nicht so von den diesmal mit nur 11 748 Zuschauern besetzten Rängen über. Alexej Ugarow (21.) verpasste zu Beginn des zweiten Drittels aus spitzem Winkel sogar das 0:2. Die DEB-Auswahl bemühte sich nach Kräften, lief aber dem Rückstand hinterher, weil die Weißrussen dicht machten und Klassemann Mesin sich lange nicht überwinden ließ.

Zunächst musste Torhüter Dennis Endras bei seinem dritten Einsatz sogar das zweite Gegentor verhindern (45.) und rettete eine Minute vor Schluss auch gegen Michail Grabowski. Dann belohnte Haie-Profi Müller das Anrennen, doch Kaljuschny schockte die Hausherren mit einem Konter.