Nur ein rostiger Nagel stoppt Adrian Sousa

Amateurfußball: Barmbeks Goalgetter verletzt sich an der Bande, Schönteich erteilt Hüllmann Dorfverbot, Woike sorgt für perfekte Unterhaltung

Der falsche Marcel. Jan Schönteichs kollegialer Hang zum Duzen hätte seinen Spieler Marcel Jeremias beinahe um die Schlussphase der Oberligapartie Dassendorf gegen Niendorf (2:2) gebracht. Als Dassendorfs Trainer in der 80. Minute Joe Warmbier für Sandjar Ahmadi einwechseln wollte und den Assistenten nicht auf sich aufmerksam machen konnte, rief er ein lautstarkes „Marcel“ über den Platz, um Schiedsrichter Marcel Schwarze seine Absicht zu signalisieren. Dassendorfs Marcel Jeremias fühlte sich stattdessen von seinem Trainer angesprochen und verließ flugs das Feld. Warmbier spurtete für ihn auf den Platz. Schwarze wollte die Partie wieder freigeben, als die Dassendorfer ihren Fauxpas bemerkten.

Jeremias rannte schnell zurück, und Sandjar Ahmadi musste runter. „Diesen Fehler nehme ich voll auf meine Kappe. Kurz nach dem Wechselchaos fiel auch das Gegentor zum 1:2, und ausgerechnet Warmbier war daran beteiligt“, sagte Schönteich. Einen Dank hatte er noch für Marcel Schwarze übrig. „Streng genommen hätten wir den Wechsel wohl gar nicht rückgängig machen dürfen, nachdem Marcel Jeremias das Feld bereits verlassen hatte. Wir durften es trotzdem. Hier hat eindeutig die Menschlichkeit gesiegt.“

Hüllmann unerwünscht. Gleich noch einmal im Blickpunkt stand Schönteich nach Spielschluss auf der Pressekonferenz. Niendorfs Trainer Frank Hüllmann beschwerte sich in seinem Statement über „die Unruhe, die hier von der Dassendorfer Bank reingebracht wird“. Neben einem Lob für die sportlichen Leistungen Dassendorfs garnierte er seine Kritik mit den Vokabeln „beknackt“ und „respektlos“ und wies darauf hin, auch andere Oberligatrainer seien ähnlich kritischer Meinung.

Das wiederum brachte Schönteich auf die Palme. Selbst einen Tag nach der Partie griff der extrem genervte Erfolgscoach zu drastischen Formulierungen. „Die Aussagen von Frank Hüllmann sind eine Unverfrorenheit, eine Kollegensauerei. Wir kennen uns seit über 20 Jahren. So etwas sagt man nicht in einer öffentlichen Pressekonferenz. Es stimmt auch einfach so nicht“, erklärte Schönteich angefressen – und erteilte Hüllmann Dorfverbot: „Ab sofort ist Frank Hüllmann in Dassendorf eine unerwünschte Person. Auf unseren Platz braucht er nicht mehr zu kommen.“ Hüllmann, mit den Aussagen konfrontiert, blieb bei seiner Ansicht. „Es ist Blödsinn, so auf meine Kritik zu reagieren. Jan soll sich einfach ein wenig ruhiger verhalten, dann ist alles gut.“

Woike in Topform. Seine Krise gegen Außenseiter legte Oberligist SC Condor im Spiel gegen die SV Blankenese (2:0) ab. In 90 Minuten erspielte sich der SCC ein gutes Dutzend Tormöglichkeiten, siegte durch die Treffer von Mike Theis (17.) und Tevin Tafese (73.) und gestattete den Gästen keinen einzigen Torschuss. Das Ergebnis versetzte Condors Trainer Christian Woike in so gute Laune, dass er die Pressekonferenz zu einer humorigen One-Man-Show umgestaltete. „Oha, der Präsident ist da und viele Journalisten. Werde ich entlassen?“, scherzte er beim Hereinkommen, teilte nach seiner Spielanalyse mit, er hätte „den angeschlagenen Christopher Laban in einem Champions-League-Spiel selbstverständlich eingesetzt“ und beglückwünschte seinen Angreifer Carlos Flores zur Vaterschaft mit den Worten „Er trifft endlich wieder und kann sich bald wieder bei uns austoben.“ Eine Klasse höher werden Woikes Sprüche aber in absehbarer Zeit weiterhin nicht zu hören sein. „Einen Aufstieg in die Regionalliga mit dem SC Condor müsste ich mir schwer überlegen. Ich bin sehr ehrgeizig, aber ich gewinne auch sehr gerne“, sagte Woike.

Tore als Trost. Das „Gleich alle wach sein“ der Buchholzer Spieler war kaum verhallt, da zappelte der Ball im eigenen Netz. Nach 34 Sekunden hatte Adrian Sousa für den Oberligisten HSV Barmbek-Uhlenhorst zur frühen Führung getroffen. In der 53. Minute legte er den zweiten Treffer nach.

Buchholz kam zwar ins Spiel zurück – Keeper Henrik Titze schaffte gar per Foulelfmeter den Ausgleich (72.) –, am Ende siegte jedoch Barmbek mit 3:2. Torjäger Sousa rückt somit immer mehr in den Fokus. Er wird bereits mit höherklassigen Vereinen in Verbindung gebracht. „Es ist alles noch offen, und ich fühle mich hier wohl. Der Rest wird sich zeigen", sagte Sousa, der nach etwa einer Stunde aus einem kuriosen Grund ausgewechselt wurde: Sousa hatte sich an der Bande an einem rostigen Nagel verletzt. Die Wunde musste im Krankenhaus genäht werden. Rechtzeitig zum Schlusspfiff war Sousa zurück, um sich mit den Kollegen über den Sieg zu freuen. Die Verletzung hatte er da schon fast vergessen. „Die zwei Tore trösten mich darüber hinweg", sagte der sympathische 20-Jährige.

Ausgelost. Im Halbfinale des Oddset-Pokals spielt in einem Oberligaduell Altona 93 daheim gegen den SC Condor. Hammonia-Landesligist USC Paloma empfängt Regionalligist SC Victoria. Gespielt werden soll vom 18.4.–21.4. am Osterwochenende.