Bramfeld droht der Negativrekord

Amateurfußball Tabellenletzter bleibt sieglos, Wieckhoff schießt weiter Elfer, Inam erahnte Fehlstart, Norderstedt als Derbykiller, HSV-Frauen sichten

Neuer Entertainer. Eine spielerisch fabelhafte Vorstellung konterkarierte Oberligist SV Blankenese im Auswärtsspiel bei Germania Schnelsen durch ungenügendes Abwehrverhalten. Beim rasanten 4:4 im Abstiegskampf warf der Tabellenvorletzte drei Führungen – alle erzielt durch das alles überragende 19-jährige Talent Timo Wieckhoff – durch haarstäubende Abwehrfehler weg. Beim Stand von 4:3 fing sich das Team zwei Minuten vor Schluss sogar einen Konter ein, den Schnelsens Miles Tafese zum Endstand nutzte.

„Ich habe wohl eine gewisse Art von Entertainment hier reingebracht“, sagte Blankeneses Trainer Daniel Lopez. Seit er im Amt ist, steht jede Partie der stark verbessert auftretenden SVB auf des Messers Schneide – und Wieckhoff trifft ständig vom Punkt. Das 3:2 war sein sechster Elfmeter in den letzten vier Spielen. Fünf verwandelte er. „Diese Geschichte ist Wahnsinn. Timo macht das Ding total sicher, obwohl er den letzten Elfmeter verschoss. Leider fehlte uns insgesamt die Reife, das Spiel nach Hause zu bringen“, sagte Lopez.

Wesentlich geknickter als Lopez wirkte Schnelsens Trainer Florian Gossow. „Mit der Moral bin ich zufrieden. Nach dem 3:4 glaubte ich nicht mehr an einen Punkt. Aber im Zeugnis würde stehen: ,Wir haben uns stets bemüht´". Das reicht mir nicht. Es folgt eine knallharte Trainingswoche. Das kennen die Jungs ja schon von mir.“

Konnte man ahnen. Nach einer turbulenten Woche mal wieder gewonnen hat Hansa-Landesligist FC Türkiye. Mit drei Niederlagen war der ewige Aufstiegskandidat in die Rückrunde gestartet. Es folgte der Rücktritt von Trainer Klaus Klock. Klock, auch Manager beim FCT, übernahm das Team am 16. Oktober, nachdem Teodori Fici seinen Abgang als Trainer verkündet hatte. „Zunächst einmal muss das Team das katastrophale taktische Verhalten abstellen“, sagte Klock damals – holte aus neun Partien aber nur zwölf Punkte und kassierte zwanzig Gegentore. Der neue Coach Ercan Demir startete nun mit einem 4:1 gegen den FC Bergedorf 85 – und Klock erhielt eine kritische Beurteilung von Präsident Dogan Inam. „Es war abzusehen, dass wir nicht gut in die Rückrunde starten werden“, sagte Inam. Gerüchten aus Spielerkreisen zufolge war die Mannschaft nach der Winter-Vorbereitung nicht fit genug.

Gerne gegen Zweite. Viel Spaß mit den Zweitvertretungen der beiden großen Hamburger Fußballklubs hat in dieser Saison Eintracht Norderstedt in der Regionalliga Nord. In der Hinrunde gelangen gegen den HSV II (1:0, 791 Zuschauer) und St. Pauli II (2:2, 943 Zuschauer) vier Punkte und zwei Besucherrekorde. Nun siegte Norderstedt nach dem 1:0 beim HSV II mit 3:0 beim FC St. Pauli II. „So um die 70. Minute herum dachte ich ,Na gut, dann spielen wir eben 0:0´“, sagte St. Paulis Trainer Thomas Meggle. Doch ein Eigentor von Tjorben Uphoff (79.) sowie die Treffer von Jan Lüneburg (83.) und Deran Toksöz (85.) entschieden die Partie in der Schlussphase zu Norderstedts Gunsten. „Drei Siege in diesen vier Derbys sind eine starke Bilanz“, sagte Norderstedts Trainer Thomas Seeliger – und erinnerte sich auf der Pressekonferenz an alte Zeiten, als Seeliger und Meggle noch gemeinsam von 1997 – 1999 bei St. Pauli spielten. „Ich hoffe, Du kannst das Ergebnis verkraften“, sagte Seeliger spaßig. Meggle parierte: „Dir gönne ich das.“ Nicht so viel Erfolg hatte ein anderer Ex-St.-Paulianer. Fabio Morena flog beim 0:0 seines HSV II gegen Rehden wegen einer Notbremse vom Platz.

Letzte Chance Blankenese. Sein Saisonziel hat Hardy Brüning, Trainer des Oberligisten Bramfelder SV, längst der Realität angepasst. „Ich will nur nicht Letzter werden“, sagt er. In der Saison 1984/85 stellte die SV Blankenese den bis heute gültigen Negativrekord in der höchsten Hamburger Klasse auf und gewann von 30 Spielen kein einziges (9 Remis, 21 Niederlagen, 28:85 Tore). In dieser Saison ist der BSV jetzt der SVB auf den Fersen, um dieses „Kunststück“ zu wiederholen. Beim 1:3 gegen Tabellenführer Dassendorf blieben Brünings Mannen zum 23. Mal in Folge ohne Dreier. Immerhin gab sich der BSV Mühe, kein Schlachtvieh zu sein.

„Wir hatten alles andere als den Auftrag, hier unser Torverhältnis zu regeln", sagte TuS-Trainer Jan Schönteich unzufrieden. „Hätte man mir vorher angeboten, durch irgendetwas Ungerechtes 1:0 zu gewinnen, hätte ich das gemacht", so Schönteich. Hardy Brüning hat indes den Glauben an seine Elf nicht verloren: „Natürlich ist es nicht schön, nicht gewinnen zu können, aber wir werden das diese Saison noch schaffen.“ Spätestens am letzten Spieltag sollte Bramfeld zuschlagen – im Heimspiel gegen den bisherigen Negativ-Rekordhalter SV Blankenese.

Frauenfußball. Der HSV sucht Verstärkung für seine Frauen- und Mädchenmannschaften und bietet am 4. April von 16-18 Uhr an der Ulzburger Straße 94 in Norderstedt auf den Paul-Hauenschild-Plätzen eine Talentsichtung an. Anmeldeschluss ist der 30. März. Anmeldeformulare gibt es im Internet unter www.hsvfrauen.de