Kolumne: Szenen aus dem Amateurfußball

Warum der VfL 93 wegen eines fehlenden Buchstabens zittern musste

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Florian Heil und Tobias Stegemann

Nicht frei von Kuriositäten war die Auslosung zu den Hamburger Hallenmeisterschaften, bei denen im Januar erstmals neun Teams um den Titel spielen. Die Meldung des VfL 93 ging nicht beim Hamburger Fußballverband (HFV) ein, obwohl der VfL sie rechtzeitig per E-Mail abgeschickt hatte, was der Verein auch belegen konnte.

Der Fehler lag in der Adresszeile, wo schlichtweg ein Buchstabe vergessen worden war. Mit diesem Problem erst am Abend konfrontiert, entschlossen sich Reinhard Kuhne und Joachim Dipner vom HFV kurzerhand dazu, das erste Qualifikationsturnier mit neun Mannschaften auszutragen. "Ich denke, das ist die fairste Lösung", erklärte Kuhne im Anschluss. Überraschenderweise erschien auch der Name des SC Concordia auf dem Tableau, obwohl Manager Rollo Stein noch vor Wochen vollmundig verkündete, dass der Verein nicht an diesem Turnier teilnehmen werde. Die Unentschlossenheit im Marienthal ist ja nicht neu. Schon bei der Frage der Meldung für die Oberliga in der Vorsaison änderten sich die Verlautbarungen wöchentlich.


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Ein Hauch von Ironie war nicht wegzudiskutieren, dass ausgerechnet HSV-Profi Otto Addo als Glücksfee bei der Auslosung der Gruppen zum Schweinske-Cup 2008 fungierte. Hatte der Bundesliga-Dino seine Teilnahme doch zum wiederholten Male verweigert. Ein gutes Händchen beweies Addo dennoch: In Gruppe A treffen der VfL Wolfsburg, RSC Altach (Österreich), das Team Croatia, der VfB Lübeck und der Hamburger Hallenmeister aufeinander. In der Gruppe B bekommen es der FC St. Pauli, Trelleborg FF (Schweden), Fredrikstad FK (Norwegen), der FC Chrudim (Tschechien) und der Vizemeister der Hamburger Hallenmeisterschaften miteinander zu tun.


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Im Abstiegskampf versucht der Niendorfer TSV wirklich alles, um die Klasse zu erhalten. Das Spiel gegen den SC Concordia wurde erstmals per Videokamera aufgezeichnet, um es anschließend analysieren zu können. "Das hat unser Manager Marcus Scholz organisiert. Eine wirklich tolle Geschichte, die mir hilft den Spielern zu verdeutlichen, was gut war und wo Fehler gemacht wurden", so Trainer Carrel Segner , der sich weitere Forschritte schon am Sonnabend in Curslack-Neuengamme (14 Uhr) verspricht. Beim nächsten Heimspiel gegen den SV Rugenbergen sollen die Kameras übrigens noch einmal laufen.


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Seit zehn Spielen wartet Inter GSK Bergedorf in der Hamburg-Liga auf einen Sieg. In gleichem Maße sehnen sie beim Aufsteiger die Rückkehr von Torjäger Ibrahim Kilic herbei, der sich vor zwei Monaten einen doppelten Armbruch zuzog. "Er könnte sogar schon wieder spielen, aber da er Straßenbauer ist, wollen wir nichts überstürzen und keine erneute Verletzung riskieren", vertröstet Manager Seweryn Malyk<>/b> die Anhänger auf das neue Jahr. Dann soll Kilic sein Team aus dem Keller schießen. "Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft über die Qualität verfügt, die Klasse zu halten", so Malyk optimistisch.


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Die turbulenten Wochen bei Landesligaklub HEBC scheinen vorerst ein Ende gefunden zu haben. Nach dem Wechsel auf der Trainerbank, wo ab sofort Marco Fagin und Erkan Sancak das Sagen haben, wurden auf der Jahreshauptversammlung auch Veränderungen im Vorstand vorgenommen. Michael Bastheim , bisher 2. Vorsitzender des Vereins, übernimmt das Amt des ersten Mannes im Klub von Norbert Kühnel , der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidiert hatte. Neue Stellvertreter sind Klaus Emmerich und Holger Gustmann .
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Palomas Trainer Frank Hüllmann geht mit seinen Spielern in dieser Woche hart ins Gericht: "Ich dachte nicht, dass sich mein Team nochmal so präsentiert wie beim 0:2 gegen den SC Condor am vergangenen Wochenende. Das war eine Frechheit. Die Spieler werden jetzt nach jedem Training merken, dass sie was getan haben." Dabei verlängerte der Coach in der Woche gerade seinen Vertrag um ein weiteres Jahr. "Der Verein hatte mich gefragt, als wir Tabellenletzter waren. Das was eine große Ehre für mich. Ich wollte aber erst dann zusagen, wenn wir uns wieder in gesicherten Gefilden befinden."


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Schock für Oberligaklub Bergedorf 85: Abwehrspieler Angelo Herrendörfer zog sich im Spiel gegen Altona 93 einen Schienbeinbruch zu und fällt vermutlich für den Rest der Saison aus. Dafür sollen die "Elstern" Interesse an Angreifer Ramazan Güler von Nachbar GSK Bergedorf zeigen, der momentan jedoch mit gebrochener Kniescheibe ebenfalls ausfällt.


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Altona 93 gewann am Dienstag ein Testspiel beim Bezirksligaklub GW Eimsbüütel mit 4:0, Stefan Richter traf doppelt. Der Oberligaklub setzte zwei Testspieler ein. Der Abwehrspieler aus Polen (2. Liga) wird nicht verpflichtet, ein 23-jähriger Linksfuß (ehemals Bayreuth) wird sich bei einem weiteren Probetraining empfehlen können. Unterdessen planen die 93er, dem einen oder anderen Akteur mehr Spielpraxis zu verschaffen. Durch den guten Kontakt zwischen Manager Jörg Franke und Grün-Weiss Harburgs Trainer Rainer Beth (beide Polizisten) ist es vorstellbar, dass Spieler wie Cadir Kandir, Jendrik Bauer oder Cihat Karakas im Winter zum Hamburg-Liga-Klub wechseln.


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Am Mittwochabend wurde die Hamburg-Liga-Begegnung zwischen Eintracht Norderstedt und dem VfL 93 nachgeholt. Norderstedt pochte nach dem 0:3 gegen Meiendorf vom vergangenen Wochenende auf Wiedergutmachung und die gelang: Mit 2:0 setzte sich die Krausz-Elf am Borgweg durch. In einem hitzigen Spiel sah VfL-Verteidiger Junior Ngole bereits nach zwei Minuten die Rote Karte wegen einer Notbremse. Doch erst nach 78 Minuten gelang den Gästen durch einen Foulelfmeter von Andreas Krohn die Führung. Der VfL dezimierte sich weiter und verlor auch noch Davide Pedroso-Bussu sowie Philipp Koschnik durch Gelb-Rote Karten, ehe Marcus Heick den Endstand herstellte. "Das war nicht schön, aber bei unseren neun Verletzten zählen momentan ausschließlich die Punkte", sagte Trainer Marco Krausz .


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Spätestens seit der gerade beendeten EM ist Futsal (Hallenfußball mit leicht modifizierten Regeln) in. Der Hamburger Fußball-Verband veranstaltet am 06. Januar 2008 deshalb auch die 2. Hamburger Meisterschaft im Futsal der Herren . Zu diesem Turnier können sich Vereinsmannschaften, Spielgemeinschaften und Freizeitmannschaften bewerben, die nach Reihenfolge der verbindlichen Meldung berücksichtigt werden. Der Sieger nimmt an der Norddeutschen Meisterschaft im Bereich des NFV teil, die am 27. Januar 2008 ebenfalls in Hamburg stattfindet. Eine oder zwei Mannschaften qualifizieren sich für das Endturnier um die Deutsche Futsal-Meisterschaft. Bewerbungsschluss ist der 20. Dezember 2007. Titelverteidiger ist der SC Persia, der sich auch bei den Norddeutschen Meisterschaften für das bundesweite Endturnier qualifizierte. In diesem Jahr werden auch erstmals alle Spiele der Jugend-Hallenmeisterschaften mit dem etwas kleineren Futsal-Ball gespielt, der technisch anspruchsvoller ist.

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