Szenen aus dem Amateur-Fußball

St. Paulis Zweite will ans Millerntor

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Florian Heil und Tobias Stegemann

Der FC St. Pauli II ist sehr ansprechend in die Oberligasaison gestartet. Nach zwölf Spieltagen liegen die Kiez-Kicker auf Platz drei und damit auf einem Rang der zum Aufstieg in die Regionalliga berechtigt. Doch wo würde der Nachwuchs in Zukunft spielen?

Die eigentliche Heimat an der Sternschanze ist genau wie der derzeitige Platz an der Waidmannstraße nicht regionalligatauglich. "Wir müssten dann alle unsere Heimspiele am Millerntor austragen, da sehe ich überhaupt keine Alternative", sagt Manager Hermann Klauck . "Da auf dem Platz ja nicht trainiert wird, hält er auch diese zusätzliche Belastung aus." Sollte der Aufstieg nicht realisiert werden können, bleibt der Platz an der Waidmannstraße wohl die erste Wahl.


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"Anlass zur Freude habe ich erst, wenn wir durch sind." Oliver Berndt , Trainer von Hamburg-Liga-Klub SV Halstenbek-Rellingen bleibt Zweckpessimist. Die Trendwende nach 14 Punkten aus den letzten sechs Spielen will Berndt aber natürlich auch nicht übersehen. Nun soll der Aufwärtstrend am Sonntag gegen den VfL 93 (14 Uhr) weitergehen. Ob Eike Pannen mit dabei sein wird, entscheidet sich erst am Sonnabend. Der Mittelfeldspieler musste nach seiner Platzwunde vom Wochenende mit fünf Stichen genäht werden. Berndt aber hofft noch: "Wir haben einen Arzt in unserer Senioren-Mannschaft. Der würde ihm die Fäden zur Not auch am Spieltag ziehen", so der Trainer des Tabellenzehnten.


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Keine Hoffnung auf einen Einsatz gibt es bei Meiendorfs Nikhil Erlebach . Seine Platzwunde nach dem Zusammenstoß mit Teamkollege Max Anders im Spiel des Hamburg-Liga-Spitzenreiters gegen Buxtehude wurde mit neun Stichen genäht. "Die komplette Augenbraue war offen", so Trainer Lutz Göttling , der zumindest auf einen Einsatz Anders setzt. "Er hat eine große Beule. Ich denke aber, dass er spielen kann." In Buchholz am Sonntag (14 Uhr) könnte der MSV einen weiteren Schritt Richtung Herbstmeisterschaft machen. "Gibt es diesen Titel eigentlich?", fragt der Trainer, der mit einem Punkt bei der spielstarken Elf von Thomas Titze schon zufrieden wäre.


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Im Verfolgerduell der Hamburg-Liga treffen am Sonntag um 14 Uhr Eintracht Norderstedt und der SC Concordia aufeinander. Bei beiden Mannschaften setzte es zuletzt zwei schmerzhafte Niederlagen. Die Eintracht leistete sich eine 1:3-Heimniederlage gegen Halstenbek-Rellingen. Cordi unterlag gegen den SC Condor. "Das Spiel ist abgehakt", sagt Concordias Trainer Andreas Klobedanz , "im letzten Jahr haben wir in Norderstedt unser bestes Saisonspiel gemacht und nur durch einen strittigen Strafstoß unentschieden gespielt", erinnert sich "Klobe", der auch in diesem Jahr eine interessante und attraktive Partie erwartet. Nicht minder groß ist die Vorfreude seines Pendant Marco Krausz . "Spiele wie gegen Cordi sind immer schön." Das Mittel, um den Gast zu besiegen, liefert Krausz gleich dazu. "Unser Tor machen wir immer. Wichtig wird sein, die Ordnung im Spiel zu halten. Das ist die halbe Miete."


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Die berühmte Rubrik: "Spieler im Gespräch" fördert in fast allen Stadionzeitungen des Hamburger Amateurfußballs immer wieder lustige Anekdoten zu Tage. So entlarvte sich Palomas Stürmer Thiemo Kieckbusch in der letzten Ausgabe der "Paloma aktuell" als heimlicher Fan vom ehemaligen Popsternchen Blümchen alias Jasmin Wagner . "Herz an Herz von Blümchen", lautete seine Antwort auf die Frage nach der peinlichsten CD in seinem Regal. Der gebürtigen Hamburgerin ist diese Platte mittlerweile wohl genauso peinlich.


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Unberührt von den Querelen und Irritationen um die offenbar prekäre finanzielle Situation des Vereins hat der FC Elmshorn in der Bezirksliga West eine perfekte Hinrunde ohne einen Verlustpunkt hingelegt. "Wir haben versucht, diese Geschichte so gut wie möglich von der Mannschaft fernzuhalten", erklärte Trainer Bernd Bressem nach dem 15. Sieg im 15. Spiel gegen den Kummerfelder SV. "Man hat uns versichert, dass es weitergeht", macht sich der Coach allerdings latente Sorgen um die Zukunft, die in der Landesliga liegen dürfte. Der kommissarische Erste Vorsitzende Oliver Hoffmann hat unterdessen Spekulationen zurückgewiesen, die dem FCE einen Schuldenberg von über 58.000 Euro bescheinigten. "Das ist definitiv nicht der Fall", so Hoffmann, der aber weiter erklärte, dass die Ausgaben in der Zukunft zurückgefahren werden müssen.


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Acht Spiele in Folge nicht gewonnen, sechs davon verloren und tatsächlich nur ein einziges Tor in diesem Zeitraum erzielt was ist mit dem so stark gestarteten Aufsteiger GSK Bergedorf los? "Wir spielen gar nicht so schlecht, aber im Angriff hakt es derzeit", erklärt Trainer Ilhan Myumyun . Top-Torjäger Ibrahim Kilic ist seit Wochen verletzt und nun hat es auch noch Sturmpartner Ramazan Güler erwischt. Er brach sich am Wochenende die Kniescheibe und fällt mindestens vier Monate aus.


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In der Bezirksliga Süd wurde das Spiel zwischen Welat Spor und Union 03 II am Sonntag beim Stand von 2:1 abgebrochen, da es einen tätlichen Angriff auf den Schiedsrichter gegeben haben soll. Während Welats Vorstandsmitglied Orhan Erdogan Vorwürfe gegen den Schiedsrichter und seine Entscheidung erhebt, ist die Sachlage für Unions Trainer Peter Hestermann eindeutig: "Ich an seiner Stelle hätte genauso gehandelt. Die gegnerischen Spieler waren derart aufgebracht, da war an ein Weiterspielen nicht zu denken." Der HFV verhandelt den Fall kommenden Mittwoch. Unterdessen wechselte Kotrainer Michael Richter von der Ersten in die Zweite - er war mit der Trainingsbeteiligung nicht einverstanden.


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Süderelbes Trainer Thorsten Cornehl ist mit dem neunten Tabellenplatz in der Landesliga Hammonia vor Beginn der Rückrunde nicht wirklich zufrieden, sieht aber dennoch eine positive Tendenz: "Wir stehen in der Defensive sicher, darauf bauen wir auf, auch wenn der Zug nach oben natürlich abgefahren ist." Mithelfen beim Aufschwung könnte ab sofort Eugen Götz , der in der A-Jugend beim HSV aktiv war, zuletzt aber zwei Jahre mit Fußball ausgesetzt hatte und nun bei den Süderelbern im Training steht. Cornehl hat sich übrigens auf seine Art dem Problem angenommen, wer denn die Tore und Bälle tragen muss: Übber die gesamte Saison läuft im Training ein Wettkampf, der aus verschiedenen Übungen besteht (Sprinten, Torschuss etc.). Jeweils die sechs Letztplatzierten müssen in den sauren Apfel beißen und schleppen - haben aber jede Woche die Möglichkeit, sich zu verbessern.


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Beim Harburger SC läuft derzeit alles rund - Platz eins in der Bezirksliga Süd, Aufstieg in Reichweite. Beim Testspiel gegen den SC Victoria am Mittwoch musste sich die Elf von Trainer Frank Heine jedoch mit 0:4 geschlagen geben. "Das war trotzdem in Ordnung", sagte Manager Andreas Mischke . "Bei dem Umbruch mit 14 neuen Spielern ist das bisherige Abschneiden durchaus ein Grund zur Euphorie." Den Verein verlassen werden aus sportlichen Gründen Sven Sauer und Durali Demirtas , nachgelegt werden soll im Winter jedoch nicht. "Unser Kader ist groß und auch gut genug - und notfalls stehe ich auch noch zur Verfügung", so der Ex-Torjäger weiter.

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