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Familienrecht Erbrecht

Volljährigenadoption

Die Kanzlei Schneider, Stein und Partner wurde1955 durch den Rechtsanwalt Johannes Schneider gegründet. Heute sind insgesamt 18 Anwälte, darunter dreizehn Fachanwältinnen und Fachanwälte für Familienrecht in den Rechtsgebieten des Familienrechts und zwei Fachanwälte für Erbrecht in den Rechtsgebieten des Erbrechts tätig. Britta Schönborn ist seit Oktober 1997 als Rechtsanwältin und seit 2019 als Partnerin in der Kanzlei Schneider Stein & Partner ausschließlich im Familien- und Erbrecht sowie als Mediatorin beschäftigt. Wir haben mit ihr über das wenig bekannte Thema der Adoption im Erwachsenalter, der Volljährigenadoption, gesprochen.

Hamburger Abendblatt: Guten Tag, Frau Schönborn. Neben der Adoption von Kindern und Jugendlichen besteht auch die Möglichkeit einer Erwachsenenadoption und damit einer Wahlverwandtschaft. Bei der Adoption Minderjähriger steht das Kindeswohl im Mittelpunkt. Wie ist das bei der Volljährigkeitsadoption?

Britta Schönborn: Guten Tag. Abweichend von der Adoption Minderjähriger ist hier nicht das Kindeswohl, sondern die sittliche Rechtfertigung die zentrale Voraussetzung. Allerdings besteht auch in der Rechtsprechung keine Einigkeit wann eine solche vorliegt. Entscheidend ist immer der Einzelfall. Fest steht, dass das zentrale Element der sittlichen Rechtfertigung das Vorliegen oder zumindest die ernsthafte Anbahnung eines Eltern-Kind-Verhältnisses ist. Beispielsweise kann es sein, dass ein Erwachsener zu seinen leiblichen Eltern keinen oder kaum Kontakt hat, gleichzeitig aber zu einer anderen Person oder zu Eheleuten ein Eltern-Kind-Verhältnis pflegt. Auch aus einer langjährigen Freundschaft kann sich eine Eltern-Kind-ähnliche Beziehung ergeben.

Hamburger Abendblatt: Und in welchen Fällen kommt es dann nach Ihrer Erfahrung zum Adoptionswunsch?

Britta Schönborn: Dafür gibt es unterschiedlichste Motive. Beispielsweise den Wunsch nach der Fortsetzung eines Lebenswerkes, wie die Übernahme eines Hofes, Betriebes oder einer Praxis oder auch nach einer verstärkten persönlichen Betreuung, die über eine bloße Dienstleistung hinausgeht, wenn gleichzeitig auch eine emotionale Verbundenheit zwischen den Beteiligten besteht. Zum Schutz vor Missbrauch gilt aber eine Freundschaft als nicht ausreichend, auch wenn sie eng und intim ist. Auch vorrangig wirtschaftliche Zwecke, beispielsweise partielle Vorteile, wie Hoffnung auf Pflege und Versorgung im Alter, Verminderung von Erbschaftssteuern oder auch die Fortführung eines Adelsnamens, genügen nicht.

Hamburger Abendblatt: Außer den direkt Beteiligten – wer muss noch seine Einwilligung geben?

Britta Schönborn: Nur die Ehegatten des Adoptiv“kindes“. Es ist weder die Einwilligung der leiblichen Kinder der Adoptiveltern noch der des zu Adoptierenden erforderlich. Allerdings erfordert die Volljährigenadoption einen angemessenen Altersabstand zwischen den Adoptiveltern und dem Adoptiv“kind“. Wie bei der Annahme von Minderjährigen ist sie im Zweifel nicht gerechtfertigt, wenn eine Generation übersprungen werden soll.

Hamburger Abendblatt: Und welche Schritte muss ich einleiten, wenn ich diesen Weg beschreiten will?

Britta Schönborn: In formeller Hinsicht ist ein Adoptionsantrag zu stellen. Dieser ist mit weiteren erforderlichen Unterlagen als notariell beglaubigte Erklärungen beim zuständigen Familiengericht einzureichen.

Hamburger Abendblatt: Welche weiteren Punkte spielen bei der Entscheidung des Gerichtes noch eine Rolle?

Britta Schönborn: Im Rahmen der Bearbeitung des Adoptionsantrags durch das Familiengericht sind insbesondere die Kinder der künftigen Adoptiveltern anzuhören. So können diese ihre Interessen vertreten und mögliche Bedenken äußern. Das Gericht überprüft letztlich, ob gewichtige und erhebliche Interessen einer Adoption entgegenstehen. Hierbei sind grundsätzlich sämtliche materiellen Interessen zu berücksichtigen. Immaterielle Interessen hingegen spielen aufgrund des Alters der Betroffenen regelmäßig keine Rolle.

Hamburger Abendblatt: Und was passiert im günstigsten Fall, wenn also die sittliche Rechtfertigung bejaht wird und keine entgegenstehenden Interessen vorliegen?

Britta Schönborn: Dann erfolgt ein Adoptionsbeschluss, infolgedessen ein Verwandtschaftsverhältnis zu den Adoptiveltern begründet und deren Nachnamen angenommen wird. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es nicht zulässig ist, den bisherigen oder früheren Geburtsnamen beizubehalten. Übrigens bleiben auch die leiblichen Eltern des Adoptivkindes weiterhin Eltern, sodass letztlich zwei Eltern und damit vier Elternteile existieren. Gegenüber allen ist das Adoptivkind erbberechtigt, sodass ihm jeweils zumindest ein Pflichtteil des Erbes zusteht. Gleichzeitig entstehen und bleiben auch sämtliche unterhaltsrechtliche Beziehungen sowohl zu den Adoptiveltern als auch zu den leiblichen Eltern weiterhin bestehen.

Hamburger Abendblatt: Klingt nach einem interessanten, aber auch nicht ganz einfachen Verfahren.

Britta Schönborn: Ich würde eine gründliche anwaltliche Beratung und Vorbereitung eines Adoptionsantrags empfehlen, gerade weil es sich um richterliche Einzelfallentscheidungen handelt. Interessenten können sich gerne an uns wenden.

Hamburger Abendblatt: Vielen Dank für das Gespräch.

Britta Schönborn: Ich danke Ihnen.

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