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„Auch die größte Liebe kann eine Depression nicht heilen“

Foto: MediClin Deister Weser Kliniken

Offiziell leiden fünf Millionen Deutsche unter Depressionen. Spätestens im Jahr 2030 werden Depressionen die häufigsten Erkrankungen überhaupt sein, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert hat. Das Hamburger Abendblatt sprach mit Dr. Sigrid R.-M. Krause, Chefärztin der Fachklinik für Psychosomatik und Verhaltensmedizin an den MediClin Deister Weser Kliniken Bad Münder bei Hannover über neue Erkenntnisse zum Krankheitsbild sowie ihr therapeutisches Konzept.

Hamburger Abendblatt: Frau Dr. Krause, Sie sind u.a. Expertin für die Behandlung von Depressionen. Was unterscheidet das Krankheitsbild von einem Burnout, der ja häufig ähnliche Symptome zeigt?

Dr. Sigrid Krause: Ein Burnout ist keine Depression, das wäre eine unzulässige Verharmlosung. Ein Burnout kommt häufig im beruflichen Kontext vor. Es ist eine durch Arbeitsüberlastung und Stress hervorgerufene Erschöpfung, die vor allem extrem leistungsgetriebene Menschen erfasst. Hier hilft oft schon ein Jobwechsel oder Wandel in der Lebensführung, wie zum Beispiel die Erkenntnis, dass es noch andere Selbstwertquellen außer Arbeit gibt, um den Burnout zu überwinden. Eine Depression dagegen ist weit dramatischer in ihrer Tragweite. Sie kann die Menschen überkommen, wie eine unheimliche Macht. Sie werden von tiefster Verzweiflung, Sinn- und Hoffnungslosigkeit erfüllt, aus der sie oft weder allein noch mit Hilfe ihrer nächsten Angehörigen herausfinden.

Auch Liebe hilft nicht?

Leider nein. Das hat sich bei Robert Enke (ehem. deutscher Torwart, der sich am 10 Nov. 2009 das Leben nahm, d. Red.) beispielhaft gezeigt. Trotz des intensiven Beistands und der Fürsorge einer Familie hat er sich für den Suizid entschieden. Seine Frau Teresa berichtete: „Wir dachten, wir schaffen alles, wir dachten halt auch mit Liebe geht das“. Ein Trugschluss, dem leider immer noch viele Angehörige unterliegen. Eine Depression lässt sich weder mit Liebe noch mit vermeintlich positiven Erlebnissen kurieren. Der oder die Betroffene fühlt sie nicht und reagiert teilnahmslos, was Menschen um sie herum oft zur Verzweiflung bringt. Einem psychisch Erkrankten kann nur eine professionelle Therapie helfen. Im Fall der Depression beträgt die Chance auf Heilung unter einer solchen Behandlung immerhin bis zu 70 %.

Wie genau zeigt sich eine Depression?

Betroffene fühlen sich schon über mehrere Wochen hinweg niedergeschlagen, interessen- und antriebslos. Sie sind vermeintlich grundlos traurig oder gereizt, mutlos und ängstlich, empfinden keine Freude mehr, können sich schwer konzentrieren und haben oft lebensmüde Gedanken. Die meisten von ihnen lösen sich während ihrer Erkrankung aus sozialen Beziehungen, oftmals zerbricht sogar die Lebenspartnerschaft. Hinzu kommen oft auch körperliche Beschwerden, etwa Rückenschmerzen, Magen- und Kopfschmerzen sowie Appetitstörungen, Schlafprobleme wegen starkem grübeln oder Herz-Kreislaufstörungen.

Oft ist auch die Rede von einer affektiven Störung. Was ist das genau?

Dieser Fachbegriff bezeichnet krankhafte Stimmungsstörungen. Das sind neben Depressionen auch Manien, die sich als übersteigertes Hochgefühl zeigen. Eine Form der affektiven Störung ist die sogenannte bipolare Störung, bei der sich Phasen von Hochgefühl mit Niedergeschlagenheit abwechseln. Die Betroffenen sind dann ´manisch-depressiv´ und damit einem extremen Auf und Ab ihrer Gefühle ausgesetzt.

Welche Ursachen liegen Depressionen zu Grunde?

Die Ursachen sind vielfältig. Bei Depressiven zeigt sich in der Regel eine Verminderung von Botenstoffen im Gehirn. Diese geht oftmals auf chronischen Stress zurück – entweder durch dauerhaft hohe Arbeitsbelastung oder Mobbing – hier haben wir die Verbindung zum Burnout – aber auch durch psychisch belastende Lebensumstände oder eine chronische Krankheit. Auch eine genetische Vorbelastung kann die Ursache sein, ebenso unbewältigte Kindheitstraumata und Ängste, die ständig mehr oder weniger präsent sind. Da Körper und Seele eine Einheit bilden, zeigen sich seelischen Belastungen dann zunächst auf der körperlichen Ebene mit Beschwerden, so das der erste Weg der Betroffenen nicht zum Psychiater, sondern zum Hausarzt führt.

Wen trifft eine Depression eher: Männer oder Frauen?

Frauen gehen generell offener mit seelischen Nöten um und finden daher eher den Weg in die Sprechstunde. Generell gilt: Männer kommen „fünf vor zwölf“, Frauen „zwanzig vor zwölf“. Doch viele Frauen berichten mir, dass sie mit ihrem Anliegen nicht ernst genommen wurden. Oft schieben es Ärzte auf die Wechseljahre oder die Schilddrüse, ohne eine weitere Abklärung der Beschwerden zu veranlassen.

Welche Behandlungen bieten Sie an?

Bei uns sind Akut- und Rehabilitationsbehandlungen möglich. Im Akutbereich behandeln wir Patienten mit einer Krankenhauseinweisung, die eine sofortige Therapie benötigen, etwa bei einer schweren psychischen Krise. Ziel ist die Heilung der akuten Krankheitsepisode, beziehungsweise eine Stabilisierung des Gesundheitszustands. Im Rehabilitationsbereich unterstützen wir Patienten darin, Erkrankungsfolgen zu verarbeiten um längerfristig einen angemessenen Umgang mit der Krankheit zu ermöglichen und einer erneuten Episode vorzubeugen. Dazu gehört auch wieder ins Berufsleben nach längerer Arbeitsunfähigkeit zurückzukehren und ggfs. Anpassungen am Arbeitsplatz, Belastungserprobungen oder Berufsfindungen über die Rentenversicherung (DRV) auf den Weg zu bringen.

Wie sieht die Diagnostik aus?

Wir erheben im Detail die Kranken- sowie die Lebens- und Lerngeschichte im Rahmen eines Therapeutischen Gespräches. Wir erstellen hieraus eine Verhaltensanalyse, um dem Pat. zu verdeutlichen, was ihn in die aktuelle Situation gebracht hat und wie er wieder hinausfindet. Die Patienten werden zudem körperlich untersucht, EKG und Blutuntersuchengen folgen. Vorbefunde werden ausgewertet. Wir führen zudem psychologische Tests durch (zur Stressverarbeitung, Erfassung der Schwere einer Depression, Persönlichkeitsdiagnostik etc.). All dies dient dazu, sich ein umfassendes Bild von der Erkrankung des Patienten zu machen. Zudem müssen häufige Begleiterkrankungen von Depressionen identifiziert werden, wie Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Suchterkrankungen oder die Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit oder ohne Hyperaktivität im Erwachsenenalter (ADHS), um sie bei der Therapie zu berücksichtigen. Die ADHS Behandlung Erwachsener stellt einen weiteren Schwerpunkt in unserer Klinik dar.

Wie gestaltet sich die Therapie?

Wir arbeiten Beziehungsorientiert, das bedeutet, „Wir behandeln nicht Krankheiten sondern kranke Menschen“. Hierbei wird jede Therapie individuell mit den Patienten abgestimmt. Die Therapie umfasst intensive einzelpsychotherapeutische Gespräche, Gruppensitzungen, Ernährungstherapie, Sporttherapie in der Halle, im Schwimmbad und in der Natur, Yoga, Thai Chi, Genusstherapie, Entspannungstechniken, sowie Ergo-; Musik- und Kreativtherapie. Anwendungen in der Bäderabteilung und Krankengymnastik. Falls nötig erfolgt auch eine medikamentöse Behandlung, nach ärztlicher Absprache. Unsere therapeutische Expertenrunde bespricht im Team mehrmals wöchentlich den Verlauf der Behandlung, denn der Patient steht bei uns im Mittelpunkt.

Gruppenpsychotherapien bilden beinen besonderen Schwerpunkt. Warum?

Sie ermöglichen einen besonders intensiven Austausch und zwischenmenschlichen Kontakt zwischen Therapeut und Patient einerseits sowie der Patienten untereinander andererseits. Das fördert vor allem den Erwerb sozialer Kompetenz und zeigt den Betroffenen, dass sie mit ihrer Situation ich allein dastehen. Wir bieten sie an in verschiedenen Bereichen, etwa für Problemlösetraining, soziales Kompetenztraining, zur beruflichen Konfliktbewältigung oder im Rahmen einer Angstbewältigungsgruppe, der ADHS Gruppe oder Depressionsbewältigungsgruppe. Ferner erfolgen sozialmedizinische Vorträge und Beratungen, damit die Patienten wissen, wie es nach der stationären Behandlung zu Hause weitergeht.

Wer betreut die Patienten während des Aufenthalts?

Neben ärztlichen und psychologischen Therapeuten, Kranken- und Gesundheitspflegern arbeiten bei uns hoch qualifizierte Fachkräfte in allen Bereichen von der Sport-, Ergo-, Ernährungs- oder Kreativtherapie bis zur Physiotherapie oder der Sozialtherapie. Alle arbeiten fachübergreifend zusammen und tauschen sich regelmäßig in Teamsitzungen aus. Gemeinsam begleiten sie jeden Patienten auf dem Weg zurück in ein freudvolles, selbstbestimmtes Leben. Das ist eine schöne, erfüllende und verantwortungsvolle Aufgabe, der sich jeder von uns täglich bewusst ist. „Seit nunmehr 25 Jahren helfen wir unseren Patienten mit Herz und Verstand“, so Frau Dr. Krause.

Wir freuen uns auf Sie unter:

 

 

Kontakt

 

 

MediClin Deister Weser Kliniken

Lug ins Land 5

31848 Bad Münder

Tel: +49 5042 600 0

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www.deister-weser-kliniken.de

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