Grüße aus Mallorca

Fetter Donnerstag bringt Leckereien, dicker Felsblock markiert Zentrum

Liebe Mallorca-Freunde, der November ist einer meiner liebsten Monate auf der Insel. Die von der Sonne verbrannten Wiesen sind wieder grün, die ersten Wandelröschen blühen in Rot und Gelb, die Felder sind bestellt, die letzten Granatäpfel, Feigen und Mandeln werden geerntet, und aus dem Boden sprießen die Artischocken. Es gibt keine Staus, die Strände sind leer, ein paar Kitesurfer trainieren am Es Trenc. In Palma bleiben im Winter viele Stadthotels geöffnet, und in den Dörfern gibt’s in den Bars täglich frische Tapas. November-Blues? Nicht auf Mallorca.

Zum Glück haben wir reserviert. Denn auch im Herbst ist das Viena in Cas Concos jeden Abend ausgebucht. Das Stammlokal der Hamburger Residenten, die rund um das Dorf ihre Fincas haben, gehört zu den beliebtesten Restaurants im Südosten der Insel. Franco hat vor vier Jahren nach dem Tod von Wirt Rainer Fichel das Lokal übernommen. Und natürlich gibt es immer noch das leckere Viena Schnitzel (www.vienamallorca.com, Telefon: 0034/971/842290).

Das größte Ereignis im November ist der Dijous Bo in Inca. Der „fette Donnerstag“ gilt als der schönste Bauernmarkt Mallorcas. Er findet am 13. November statt. Mehr als 100.000 Menschen werden erwartet. Für die Kinder gibt’s Tiere zu sehen wie schwarze Schweine, Schafe und Ziegen. Die Erwachsenen können von mallorquinischen Leckereien kosten. Angeboten werden die Paprikawurst Sobrassada, die Blutwurst Butifarrò, Olivenöl und Honig aus Dörfern der Serra de Tramuntana und Wein aus Binissalem und Porreres. Wer nach Mitbringseln sucht, kann zwischen mundgeblasenem Glas aus Algaida und Lederwaren aus Inca wählen.

Mallorcas Mitte liegt in dem 1200-Einwohner-Dörfchen Lloret de Vistalegre. Das nationale geografische Informationszentrum hat dies ermittelt. Seit ein paar Tagen markiert ein 1,74 Meter hoher und 1200 Kilo schwerer Felsblock das Inselzentrum. Lloret liegt auf einem Hügel, nur wenige Kilometer von Sineu entfernt. Hier ist die Landwirtschaft immer noch die Haupterwerbsquelle der Mallorquiner. Aber auch ein paar deutsche Residenten haben den Ort abseits der großen Touristenzentren entdeckt. Der Prominenteste ist Will Kauffmann. Ein Fotograf, der hier die Kulturfinca Son Baulo betreibt (www.son-baulo.com).

Julián Castano zieht mit seinem Esel Sebastian von einem Strand zum anderen und bietet selbst bemalte Tonkrüge und Karaffen an. Julián ist ein Botijero, ein fliegender Krug-Händler. Offensichtlich ist er der Letzte seiner Art. Vor 40 Jahren gehörten Botijeros zum gewohnten Straßenbild in den Touristenzentren Mallorcas. Doch die Zeiten haben sich geändert. „Damals verdienten wir während der Sommersaison umgerechnet etwa 20.000 Euro und kamen gut über den Winter. Heute sind es knapp 3000 Euro“, sagt er. Das meiste verdient er heute als Fotomodell. Denn gern lassen sich die Touristen mit ihm und seinem Esel fotografieren.

Es ist wohl ein Projekt der Superlative: das Einkaufs- und Freizeitzentrum „Palma Springs“ im Feuchtgebiet Ses Fontanelles an der Playa de Palma mit 200 Ladenlokalen und 35 Restaurants. In diesem Herbst sollen die Bauarbeiten beginnen. Für Oktober 2016 ist die Fertigstellung des größten Shoppingzentrums Mallorcas vorgesehen. Jahrelang hatten Umweltschützer gegen das Mammutprojekt protestiert. Offensichtlich konnten ihre Bedenken zerstreut werden.