Gästekarten: Kostenfalle oder Zusatzangebot?

Gratis ins Schwimmbad gehen oder golfen - am Ende tragen aber alle Urlauber die Kosten

Bayern ist bei Touristen beliebt wie nie. Um sich im Wettbewerb um die Besucher durchzusetzen, bieten einige bayerische Regionen seit einiger Zeit sogenannte Gästekarten an. Damit können die Touristen beispielsweise kostenlos mit der Seilbahn fahren, golfen, ins Schwimmbad oder in einen Freizeitpark gehen. Die Karten bekommen die Touristen gratis vom Vermieter ihres Hotelzimmers oder der Ferienwohnung. Auf den ersten Blick ein attraktives Angebot, die Kosten dafür müssen allerdings die Vermieter tragen - und damit letztlich doch die Reisenden.

Die Touristen freuen sich über das zusätzliche Angebot. "Wir bekommen viel Lob für die Karte", sagt Katharina Schweiger, Pressereferentin der Tourist-Info von Ruhpolding. Dort gibt es seit 2010 eine Gästekarte. "Kleine Häuser tun sich schwer, Schwimmbäder und ähnliche Attraktionen anzubieten. Da ist die Karte eine gute Alternative."

Frank-Ulrich John, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes, sieht das Modell allerdings kritisch. Denn die Kosten für die Karte müssen die Vermieter tragen - und sie wieder erwirtschaften: "Jeder Preis, den der Hotelier ausgibt, muss er weitergeben." So müssten am Ende die Gäste die Kosten tragen, selbst wenn sie das Angebot gar nicht nutzten. "Vielleicht will ich ja gar nicht raus und golfen gehen, vielleicht will ich ja lieber mit meiner Frau ein paar schöne Tage im Hotel verbringen", gibt John zu bedenken.

Allerdings könnten die Karten für die Touristen auch den Ausschlag geben, überhaupt in diese Region zu fahren, sagt Jens Huwald, Geschäftsführer des Dachverbandes Bayern Tourismus Marketing. Gerade Familien und Menschen, die im Urlaub gern aktiv seien, griffen gerne auf das Angebot zurück. Ursprünglich stammt das Modell aus den Nachbarländern Schweiz und Österreich, wo Touristen beispielsweise gratis Skipässe bekommen.