Reise-Knigge Großbritannien: Schlangestehen bei den Briten

In Deutschland herrscht das Gesetz des Stärkeren - zumindest wenn es ums Schlangestehen geht. Da wird mit Ellenbogen gekämpft und vorgedrängelt. Ganz anders in Großbritannien: Schlangestehen ist dort eine hohe Kunst, die man als Ausländer möglichst schnell lernen sollte. Denn sie kommt nahezu überall zum Einsatz: an der Bushaltestelle, in Museen oder am Bankschalter.

Dabei folgt sie strengen Regeln. Die wichtigste: der richtige Abstand zum Vordermann. Lässt man zu viel Platz zum Vordermann, fragt der nächste Wartende unweigerlich: "Are you in the queue?" (Stehen Sie in der Schlange?). Das hört sich höflich an, heißt aber nur: "Wissen Sie Trottel noch nicht mal, wie man sich anstellt?"

Eine weitere wichtige Regel: Wird im Supermarkt eine neue Kasse aufgemacht, ist es undenkbar, dass alle Wartenden auf diese zustürzen. Stattdessen reihen sie sich entsprechend ihrer Position in der vorherigen Schlange ein. Eine Besonderheit ist auch die Ein-Mann-Schlange: Steht ein einzelner Engländer an der Bushaltestelle, ist er automatisch der Kopf einer Schlange. Kommt ein weiterer Fahrgast dazu, wird er freundlich, aber bestimmt gebeten, sich direkt dahinter zu stellen.

Ein absolutes No-go ist Vordrängeln. Es ist gesellschaftlich geächtet. Wer sich dennoch dazu erdreistet, wird zwar nicht daran gehindert werden, aber ein "Tstststs" zu hören bekommen.

Doch woher kommt das Queuing? Zum einen hat es wohl mit dem englischen Fair-Play-Gedanken zu tun. Eine andere Erklärung hängt mit der großen Bedeutung diskreten Verhaltens in Großbritannien zusammen.