Viele Fremdenverkehrsämter sparen bei Auskunft am Telefon

Informationen zum Urlaubsland gibt es fast nur noch im Internet

Im Zuge der Defizite in Staatshaushalten ist der Sparzwang auch bei den ausländischen Verkehrsbüros angekommen. Staatliche Verkehrsämter sind auf dem Rückzug. Die Urlauberinformation verlagert sich zusehends ins Internet, während die persönliche Beratung zurückgefahren wird.

Das Corps Touristique (CT), die Organisation ausländischer Verkehrsbüros in Deutschland, schweigt sich zum Online-Trend aus. Mehr als den Satz "die Bedeutung der über 100 Tourismusbüros für die Gästezufriedenheit ist groß", lässt sich CT-Präsident Andreas Sakkas nicht entlocken. Offener antwortet Holger Lenz, amtierender Europa-Direktor der britischen Tourismuszentrale: "Visit Britain hat im Dezember 2008 das Call-Center geschlossen und beantwortet seitdem keine individuellen Anfragen mehr. Informationen sind nur noch online verfügbar." Broschüren verteilen die Briten bereits seit 2009 nicht mehr.

Dies bestätigt der ADAC-Reisemonitor 2011, wo das Internet mit 65 Prozent inzwischen die Liste der Urlaubs-Informationsquellen anführt. "Die Staatshaushalte sind überschuldet, es wird gnadenlos gespart", analysiert ein Berater die aktuelle Entwicklung. Die Budgets seien um rund ein Fünftel geschrumpft, weil Tourismusministerien die Marketingetats "fast durchweg" gekürzt hätten. Damit einher geht der Rückzug aus teuren Innenstadtlagen, Auslagern des Prospektversands sowie stärkeres Engagement im Internet.

Fabienne Javault, Deutschland-Direktorin von Atout France, lässt Zahlen sprechen: Gingen bei der Französischen Tourismuszentrale im Jahr 2000 noch 420 015 Anfragen ein, waren es 2010 nur noch 33 765. In der Folge wurde die telefonische Beratung eingestellt. "Natürlich können sich Kunden, die über kein Internet verfügen, per Post oder Fax an uns wenden."

Die Österreich Werbung kompensiert weniger gedruckte Broschüren mit Prospekten aus dem Internet. Auch gingen deutlich mehr Anfragen per E-Mail ein, heißt es. Sämtliche Anfragen würden zentral in Wien beantwortet, wo aus Deutschland kostenlos angerufen werden kann. Schweiz Tourismus verzichtet ebenfalls auf persönliche Beratung im Deutschlandbüro, wartet aber mit Alternativen auf: "Es gibt gedruckte Broschüren als Basisinformation, ein umfassendes Angebot im Netz." Hingegen steht Spanien mit Büros in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München Besuchern weit offen. Zwar würden weniger Prospekte gedruckt, Anfragen jedoch individuell beantwortet. Auch kleinere Tourismusbüros wie die Dominikanische Republik oder Ungarn geben Besuchern und Anrufern im Rahmen des Möglichen weiter Auskunft über Ferien im jeweiligen Land.