Kleine Fluchten: Hotel "Zum Heidkrug" in Lüneburg

Altstadt-Treff für Gourmets

Mitten in der Altstadt von Lüneburg, in der Straße Am Berge, befindet sich das Hotel und Restaurant "Zum Heidkrug". Der Straßenname weist auf den früheren Stadtwall hin, auf dem die Stadtmauer verlief.

Vor 550 Jahren wurde das beeindruckende Backsteingebäude hier errichtet. Damals gehörte das mit zahlreichen Spitzbogenblenden und gekuppelten Nischen verzierte Haus zum Kloster Heiligenthal. Um 1857 dann eröffnete der Kornhändler und Brauer Jürgen Benecke in der großen Diele mit gotischem Grundriss eine Schenke. Seitdem beherbergt das Haus gastronomische Betriebe.

Heute betreibt Michael Röhm gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Thomas Bicheler erfolgreich das Hotel und Restaurant "Zum Heidkrug". Der in Neuenkirchen an der Saar geborene Röhm hat nach seiner Ausbildung zum Koch in verschiedenen Städten sein Können verfeinert. Als er im Nachbarort Reinstorf arbeitete, hat er sich in Lüneburg verliebt. "In eine Großstadt wollte ich nicht", sagt er, obwohl er regelmäßig nach Hamburg fährt. "Denn als eingefleischter St. Pauli-Fan bin ich bei jedem Spiel dabei, sofern es die Zeit erlaubt."

Der Mann mit der energischen Stimme weiß, was er will: seinen Gästen gute Speisen zu einem angemessenen Preis bieten. "Wir machen eine spontane deutsche Küche mit mediterranen und regionalen Einschlägen", erklärt Röhm. Und das immer auf hohem Niveau. Bereits seit 1995 wird seine Kochkunst alljährlich mit einem Michelin-Stern belohnt.

Alle zwei bis drei Wochen gibt es eine neue Karte. "Genießen, aufsaugen und das Gute mitnehmen" ist seine Devise. Das Vier-Gänge-Überraschungsmenü überzeugt mit folgenden Köstlichkeiten: Jakobsmuscheln mit Olivenmeersalz, Avocado und Curryschaum, Steinbutt mit Avruga-Kaviar in Pommery-Senfsauce und Schnittlauch-Kartoffelpüree, Hirschfilet mit Rotkohl und Selleriepüree sowie eine Auswahl an französischem Rohmilchkäse. Zu jedem Gang gibt es einen hervorragenden Wein. Selbstverständlich kann auch à la carte ausgewählt werden.

Mehr als 50 Gäste finden in dem Restaurant, das sich über zwei Ebenen erstreckt, Platz. Die alten Backsteinwände mit dezenter Wandbeleuchtung und der dunkle Holzfußboden vermitteln eine heimelige Atmosphäre. 70 Prozent der Gäste kommen regelmäßig hierher, zudem beherbergt das Haus den "Round Table 70", eine Runde junger Männer, die sich im Rahmen von "Service-Projekten" für andere engagiert.

Wer im "Heidkrug" übernachten möchte, sollte rechtzeitig reservieren, denn die nur sieben Zimmer sind oft ausgebucht. Man erreicht sie über eine verwinkelte, schön verzierte Treppe. Der Boden knarrt, die Wände sind etwas schräg und die Deckenbalken hängen tief. Die kleinen, gemütlichen Zimmer sind alle im selben Stil möbliert - auf großen Luxus wird bei der Ausstattung allerdings kein Wert gelegt. Gut schlafen kann man hier aber dennoch. Bevor sich der Gast zur Nachtruhe begibt, kann er sich noch in das turbulente Nachtleben der aufstrebenden Universitätsstadt stürzen.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.