Das "fränkische Jerusalem" wird demnächst 1000 Jahre alt

Über den Spott der Nachbarn, die ihre Stadt schon mal abschätzig als "Hinterhof Nürnbergs" bezeichnen, können die Fürther nur lächeln. Denn während Nürnberg erst auf wenig mehr als 950 Jahre zurückblickt, feiert Fürth in diesem Jahr immerhin schon sein 1000-jähriges Bestehen.

Eingeläutet wurde der Festreigen der "Kleeblattstadt"- so benannt wegen des entsprechenden Grüns im Wappen - mit einer großen Silvesterparty am Rathaus. Das Jubiläum der 100 000 Einwohner zählenden Stadt an der Pegnitz bezieht sich auf ihre erste schriftliche Erwähnung: Nach einer Urkunde aus dem Jahr 1007 schenkte Kaiser Heinrich II. "locum Furti" dem Domkapitel Bamberg. In Fürth entwickelte sich ein ungewöhnlich freiheitliches und tolerantes Klima. Diese Liberalität ließ Fürth zu einer Hochburg des jüdischen Lebens werden und sich als "fränkisches Jerusalem" einen Namen machen. Noch heute zeugen Baudenkmäler wie das Berolzheimerianum - 1904 gestiftet von dem Bleistiftfabrikanten Heinrich Berolzheimer - vom Kunst- und Bürgersinn der jüdischen Mitbürger. Zu diesen zählte auch die Familie des heute wohl bekanntesten Fürthers, des Friedensnobelpreisträgers und früheren US-Außenministers Henry Kissinger.

Auch das renommierte "Jüdische Museum Franken" ist in Fürth angesiedelt. Das Haus beherbergt bemerkenswerte religiöse Einrichtungen wie eine historische Laubhütte und ein gut erhaltenes Ritualbad, eine Mikwe. Vom 24. April bis zum 2. September ist hier die Ausstellung "Fürth - das fränkische Jerusalem" zu sehen.

Fürth präsentiert sich heute auch als "Denkmalstadt". Im Zweiten Weltkrieg ist es - im Gegensatz zu Nürnberg - nur wenig zerstört worden. Noch heute können die Besucher deshalb auf Prachtstraßen aus der Gründerzeit wie der Hornschuchpromenade oder der Königswarterstraße flanieren. Das Leben und Wohnen der Mittel- und Unterschicht spiegeln die geschlossenen Straßenzüge des Klassizismus und Historismus im Viertel hinter dem Rathaus wider.

Italienisches Flair dagegen verströmt das Wahrzeichen der Stadt, der 55 Meter hohe Rathausturm, der an den Turm des Palazzo Vecchio in Florenz erinnert. Dieses "italienische Thema" wird das Fürth-Festival vom 13. bis 15. Juli aufgreifen.

Dazu sieht sich die Stadt als lebendigen Wirtschaftsstandort. Nicht von ungefähr fuhr am 7. Dezember 1835 die erste deutsche Eisenbahn von Nürnberg zur Fürther Freiheit. Vom 14. bis 16. September 2007 gibt es hier darum ein Eisenbahnfestival. Und voller Stolz rühmt man sich seiner "großen Söhne", des früheren Bundeskanzlers und "Vaters des Wirtschaftswunders" Ludwig Erhard, des Industriellen Max Grundig und des "Quelle"-Versandhausgründers Gustav Schickedanz. Bis heute ist Fürth auch ein wichtiges Zentrum der deutschen Spielwarenindustrie. Solcherlei Fakten zur wirtschaftliche Bedeutung dokumentiert die Ausstellung "Aus den Hinterhöfen zur Weltspitze" vom 9. Februar bis zum 29. Juli im Neuen Stadtmuseum.

Informationen: Tourist-Information Fürth, Bahnhofplatz 2, 90762 Fürth, Tel. 0911/740 66 15, Fax: /740 66 17, E-Mail: tourist- info@fuerth.de, Internet: www.1000-jahre-fuerth.de

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