Ein Zuhause für Globetrotter

Hospitality Club: Die Idee eines Studenten setzt sich weltweit durch. Mitglieder verhelfen sich zu kostenlosen Schlafplätzen.

Als Veit Kühne vor einigen Jahren nach Südamerika aufbrach, hatte er einen Traum, den mittlerweile mehr als 100 000 Menschen teilen - und täglich werden es mehr. Der Student hatte die Vision, durch alle Herren Länder zu reisen und in jedem noch so entlegenen Ort der Erde von einem freundlichen Gastgeber empfangen und für ein paar Tage aufgenommen zu werden.

Kühne gründete den Hospitality Club, den Club der Gastfreundschaft. Als Treffpunkt entwarf er die Web-Seite www. hospitalityclub.org. Dort kann sich jeder Reiselustige anmelden und andere Nutzer nach Reisetips oder einer Unterkunft fragen. Niemand ist verpflichtet, andere Mitglieder bei sich aufzunehmen; wer gerade keinen Platz oder keine Lust auf Gäste hat, sagt einfach ab.

Schon bald nachdem Kühne den Club im Juli 2000 gegründet hatte, erreichten ihn die ersten Rückmeldungen; nach sechs Monaten zählte er 300 Mitglieder. Kühne brach auf nach Südamerika, um den von ihm ins Leben gerufenen Hospitality Club in der Praxis zu testen. "Es war super, die ersten Clubmitglieder in Chile zu treffen", erinnert er sich heute. Eine davon war Anna Harkko, sie nahm Kühne damals bei sich in Santiago auf und ist seitdem zu einer Hospitality-Club-Größe geworden: "In den letzten Jahren haben fast 300 Leute aus mehr als 50 Ländern bei mir übernachtet", erzählt sie. "Außerdem organisiere ich immer wieder Treffen für Club-Mitglieder in Santiago."

Das Netz an Teilnehmern reicht heute über fast 200 Länder und umspannt den Globus. Vielen Clubmitgliedern geht es in erster Linie um einen kostenlosen Schlafplatz. Manche suchen auch ein Visum oder einen Partner, aber derartige E-Mails landen meist im elektronischen Papierkorb. Für einige ist der Hospitality Club jedochschon zu etwas mehr geworden. So zum Beispiel für Pierre Marais, der im vergangenen Juli im französischen Dorf Monnai in der Normandie ein Sommerfest für 450 Angehörige der Hospitality- Gemeinde organisierte. "Für mich ist der Club eine besondere Art der Völkerverständigung", sagt Monnai.

Clubgründer Kühne hofft, mit solchen Treffen auch einen Beitrag zum Frieden zu leisten. "Jemand, der Freunde auf der ganzen Welt hat, wird auch keinen Krieg mehr führen", sagt er, "denn gegen Freunde führt man keinen Krieg."

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