Schülerin aus Bargfeld

Das plant die Europameisterin im Rettungsschwimmen

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Arne Bachmann
Janka Krohn jubelt über ihre Bronzemedaille im Rettungstriathlon. Die Bargfelderin holte bei der Junioren-EM in Spanien insgesamt drei Medaillen.

Janka Krohn jubelt über ihre Bronzemedaille im Rettungstriathlon. Die Bargfelderin holte bei der Junioren-EM in Spanien insgesamt drei Medaillen.

Foto: Steph Dittschar / SDI

Die 17-jährige Janka Krohn holte in Spanien drei Medaillen. Nach dem Abi könnte sie nach Australien auswandern – um Profi zu werden.

Bargfeld-Stegen.  Wenige Tage, nachdem sie im und am Mittelmeer die größten Wettbewerbe ihrer sportlichen Laufbahn absolviert hatte, drückte Janka Krohn schon wieder die Schulbank im herbstlichen Stormarn. „Ich muss einiges nachholen, aber das bin ich als Sportlerin schon gewohnt.“ Drei Klausuren verpasste die 17-Jährige an der Anne-Frank-Schule in Bargteheide, holte währenddessen in Spanien bei der Junioren-EM im Rettungsschwimmen drei Medaillen. Klausur gegen Edelmetall – guter Tausch.

In Australien laufen Wettkämpfe live im TV

Rettungsschwimmen, das ist nicht nur die mitunter lebenserhaltende Hilfe an Badeseen oder bevölkerten Strandabschnitten. Rettungsschwimmen kann auch Leistungssport sein, der in seinen unterschiedlichen Disziplinen in vielen Ländern professionell betrieben wird. In Deutschland sind Wettbewerbe im Rettungsschwimmen eine Randerscheinung, in Australien wird Lifesaving live im Fernsehen übertragen, die besten Sportler sind Profis.

Wenn Janka Krohn in zwei Jahren ihr Abitur gebaut hat, wäre Australien ein möglicher Schritt. „Dort wird der Sport im Freiwasser viel ernster genommen, man kann deutlich mehr erreichen als in Europa“, sagt sie. „Ein Ziel wäre, dort einen großen Wettkampf mitzumachen und vielleicht sogar etwas zu reißen.“ Auch könne sie sich vorstellen, dort zu studieren. Sportpsychologie oder Veterinärmedizin soll es werden.

Schwimmerin hat Talent, Ehrgeiz und Stärke

Wie die Chancen stünden, sich auch in Australien durchzusetzen, ist von Europa aus schwierig zu beurteilen. Dass sie Talent, Ehrgeiz und mentale Stärke besitzt, um international zu bestehen, hat die Bargfelderin bei den Europameisterschaften bewiesen. Gleich am ersten Tag der EM holte sie in der Disziplin Simulated Emergency Response Competition (SERC) die Goldmedaille. Beim SERC-Wettbewerb geht es darum, in einer Schwimmhalle eine nachgestellte und zuvor unbekannte Notfallsituation möglichst klug und schnell zu lösen.

Als Kapitänin musste die Stormarnerin ihre drei Teamkollegen anweisen, dabei kühlen Kopf und die Übersicht wahren. „Ich konnte auch mit Zuschauern interagieren, um mir einen Überblick zu verschaffen“, erzählt sie. „Es gab insgesamt zehn Opfer, drei davon waren Puppen, die am Grund lagen und gerettet werden mussten. Sieben Opfer wurden von Menschen dargestellt, die selbst an Land schwimmen konnten. Denen mussten wir gut zusprechen.“

Sportlerin ist zufrieden mit eigener Taktik

Mit Gold im Gepäck ging es anschließend zu Jankas Spezialdisziplinen in den Ozean. Der Wettkampf Oceanman/Oceanwoman gilt als Königsdisziplin – und Janka holte ihre erste Einzelmedaille. In Castellon galt es, einen 800 Meter langen Parcours mit einem Rettungskajak abzufahren, beim Surf-Race 400 Meter zu schwimmen und abschließend einen 600 Meter langen Kurs mit dem Rettungsboard zurückzulegen. Verbunden waren die Disziplinen durch Laufpassagen am Strand.

Mit einem beherzten Rennen, bei dem Janka zwischenzeitlich sogar in Führung lag, sicherte sie sich die Bronzemedaille. „Im Einzel und in meiner Lieblingsdisziplin gleich bei meiner ersten EM eine Medaille zu holen, ist mega besonders und damit hätte ich nicht gerechnet. Meine Taktik war gut.“ Abschließend holte die Stormarnerin, die mittlerweile für die DLRG Uetersen startet, gleich noch mal Bronze in der Staffel. Am liebsten erinnere sie sich aber nicht an die zählbaren Erfolge zurück, sondern daran, „die Athleten aus den anderen Nationen und den Zusammenhalt zwischen den Ländern kennenzulernen. Abends haben wir mit den Italienern im Hotel gegessen oder Spiele gespielt, es war sehr harmonisch.“

Auch Krohns Eltern sind Ausdauersportler

Das Talent wurde Janka Krohn förmlich in die Wiege gelegt. Ihre Eltern Jens Krohn und Bettina Lange sind als Ausdauersportler überregional bekannt und führten ihre Tochter zunächst an den Triathlon heran. Lange war von 1989 bis 1996 auch selbst als Rettungsschwimmerin in der Nationalmannschaft der DLRG erfolgreich, wurde elfmal Weltmeisterin. „Der Sport hat sich aber sehr verändert, ist schneller und intensiver geworden und das Regelwerk ist anders“, sagt Lange. Die Ratschläge an ihre Tochter beschränken sich daher mittlerweile auf den mentalen Bereich.

Leistungsdruck habe sie von ihren sportlichen Eltern nie auferlegt bekommen, sagt Janka. „Sie stehen voll hinter mir, haben mich aber nie zum Leistungssport getrieben.“ Bettina Lange ergänzt: „Wir haben auf Wettkämpfen in unserem Leben so viele abschreckende Beispiele gesehen, dass für uns immer klar war: So wollen wir das nie im Leben machen.“ Schattenseiten birgt der zeitintensive Sport trotzdem, weiß auch Janka Krohn. „Am Wochenende seinen Freunden immer absagen zu müssen, ist schon hart. Aber ich denke, das wird alles belohnt – und wurde schon belohnt.“

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