Konzept

Wie Stormarns Pferdesportler wieder durchstarten wollen

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Henrik Bagdassarian
Dressurreiterin Raika-Marie Rosch vom RV Ahrensburg-Ahrensfelde mit „Herzog“. Die 24-Jährige hofft auf Lockerungen für den Reitsport.

Dressurreiterin Raika-Marie Rosch vom RV Ahrensburg-Ahrensfelde mit „Herzog“. Die 24-Jährige hofft auf Lockerungen für den Reitsport.

Foto: Henrik Bagdassarian

Die Vorsitzende des Kreispferdesportverbandes Iris Genwo hofft auf Lockerungen auch für Ausbildungs- und Schulbetriebe.

Ahrensburg. Gespannt blicken Stormarns Pferdesportler auf kommenden Donnerstag, wenn Bund und Länder per Videokonferenz über weitere Schritte in der Coronakrise beraten. Iris Genwo hofft dabei auch auf Beschlüsse, die erste Lockerungen der Auflagen für Reiter und Reitanlagen ermöglichen. „Die Landesregierung will die bestehenden Maßnahmen neu bewerten“, sagt die Vorsitzende des Kreispferdesportverbandes (KPSV) Stormarn. „Deshalb hoffe ich für alle Ausbildungs- und Schulbetriebe, dass in näherer Zukunft der Einzelunterricht auf pferdegerechten Anlagen wieder möglich wird.“

Der Sicherheitsabstand könne eingehalten werden

Fest steht: Der Reit- und Wassersport, Golf oder Tennis zählen zu den Individualsportarten, die von einer Lockerung im Freizeitsport am ehesten profitieren. Klar ist aber auch, dass es für die Dressur-, Spring-, und Vielseitigkeitsreiter im Kreis bei einer schrittweisen Rückkehr in eine neue Normalität den Turniersport – wie sie ihn bisher kannten – auf längere Sicht nicht geben wird. Um die Vereine und Betriebe bundesweit auf eine mögliche Wiederbelebung des Reitunterrichts vorzubereiten, hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) auf ihrer Internetseite ein dreiseitiges Konzept veröffentlicht. Der Verband will damit von sich aus mit einer Reihe von Verhaltensmaßnahmen die Interessen des Reitsports mit den behördlichen Hygiene- und Infektionsschutzvorgaben vereinbaren. „Reiten ist keine Sportart, bei der ein direkter Kontakt zwischen Menschen notwendig ist. Der Sicherheitsabstand kann hier also gut eingehalten werden“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des FN-Generalsekretärs Soenke Lauterbach.

Genwo erwartet von den 3470 Pferdesportlern in Stormarn, die in 30 Reitvereinen und 42 Reitbetrieben organisiert sind, eine verantwortungsbewusste Umsetzung möglicher Lockerungen: „Die überwiegende Anzahl der Reiter und Pferdebesitzer ist bisher mit den strengen Auflagen vorbildlich umgegangen“, sagt die Verbandsvorsitzende. „Weitere Schritte erfordern eine angepasste Planung und Koordination, um den Bedürfnissen der Pferde und Reiter gerecht zu werden und gleichzeitig weitere Auflagen zu erfüllen. Aber auch das werden wir gemeinsam meistern.“ Obwohl die Einnahmen aus dem Reitunterricht für viele Trainer, Reitvereine und Pferdebetriebe von existenzieller Bedeutung sind, ist momentan lediglich die Notbewegung der Pferde unter Einhaltung der Tierschutzvorgaben erlaubt. Im Fall einer weiteren Lockerung der Auflagen für den Reitsport schlägt die FN vor, dass Reitlehrer pro 200 Quadratmeter Reitfläche einen Reitschüler unterrichten, wobei vorgegebene Abstände zwischen beiden einzuhalten sind.

Junge Pferde müssen viel Turniererfahrung sammeln

Das ist eine Maßnahme, die auch Raika-Marie Rosch für sinnvoll hält. „Während des Einzelunterrichts die vorgeschriebenen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen sogar in einer Reithalle einzuhalten, ist ohne Weiteres möglich“, sagt die 24 Jahre alte Dressurreiterin des RV Ahrensburg-Ahrensfelde gegenüber dem Abendblatt.

Ihr Studium auf Lehramt an der Universität Hamburg finanziert sich Rosch als Trainerin und Bereiterin in Ahrensfelde und dem Hof Hoisdorf. Bei S-Dressurprüfungen hat die junge Pferdesportlerin bisher zehn Siege und mehr als 70 weitere Platzierungen erzielt.

Dass auf absehbare Zeit keine Turniere ausgetragen werden, sieht sie mit gemischten Gefühlen. „Für ein junges Pferd ist es sehr wichtig, soviel wie möglich an Turniererfahrung zu sammeln“, sagt Rosch. Mit ihrem sieben Jahre alten Wallach Farabutto wollte sie dieses Jahr eigentlich in der M-Klasse durchstarten. „Nun bleibt mir ausreichend Zeit, mit meinem Pferd zwischendurch neue Lektionen einzustudieren.“

Schwierige Zeiten haben aber auch ihre guten Seiten

Alternativen Möglichkeiten sind übrigens während der Corona-Pandemie auch im Reitsport kaum Grenzen gesetzt: Sobald die Restriktionen vom Gesetzgeber weiter gelockert werden, will das Online-Portal Equi-League sowohl Dressur- als auch Springreiter unter turnierähnlichen Wettkampfbedingungen gegeneinander antreten lassen. Interessenten können sich, nachdem eine Prüfung online ausgeschrieben ist, anmelden und anschließend eine Video-Aufnahme ihrer Darbietung hochladen. Diese soll zeitnah von internationalen Richtern bewertet werden.

Schwierige Zeiten haben manchmal aber auch ihre guten Seiten: Rosch bleibt mit ihren Pferden nun mehr Muße für ausgiebige Spaziergänge zur nahe gelegene Weide. Nach Monaten in Box und Paddock fiebern die Tiere der bevorstehenden Weidesaison geradezu entgegen. „Pferde müssen aber erst behutsam an die Weide gewöhnt werden“, sagt Raika-Marie Rosch.

Um das frische Gras gut verdauen zu können, benötigen die Tiere spezielle Bakterien im Darm. Nach der Winterfütterung mit Heu, Stroh und Kraftfutter sind diese jedoch Anfang des Jahres nur in geringer Anzahl vorhanden.

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