Stormarn
Trendsport

Großenseer startet bei der Hyrox-WM

Andreas Zaun aus Großensee trainiert für die Hyrox-Weltmeisterschaft

Andreas Zaun aus Großensee trainiert für die Hyrox-Weltmeisterschaft

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

In Berlin tritt Andreas Zaun im Doubles-Wettbewerb gemeinsam mit dem Erfinder der Trendsport an

Grossensee. Acht schweißtreibende Kraftausdauerübungen, dazwischen jeweils ein 1000-Meter-Lauf, während die Stoppuhr gnadenlos jede Sekunde zählt: Die neue Trendsportart Hyrox ist in der Fitness-Szene zurzeit der Renner. Doch was macht den Reiz aus, einen sechs Kilogramm schweren Wall-Ball – die moderne Version des Medizinballs – 100 Mal in drei Meter Höhe gegen die Wand zu schmettern? Worin liegt die Motivation, einen 125 Kilogramm schweren Schlitten 25 Meter über einen Filzboden hin und wieder zurück zu ziehen, oder Burpees – eine Kombination aus Kniebeuge, Strecksprung und Liegestütze – über 80 Meter durchzuhalten?

Zaun trainiert mehrmals pro Woche in Lütjensee

Der Großenseer Andreas Zaun überlegt kurz. „Weil es einfach Spaß bringt und ich den Wettkampf suche“, sagt der 45-Jährige, der als IT-Manager für die Hamburger Otto-Group tätig ist. Lächelnd fügt er hinzu: „Und weil ich die entsprechenden Leute im Freundeskreis habe, die mich für diverse Arten von Extremsport schnell begeistern können.“ Mehrmals in der Woche trainiert Zaun bei BeGreat Fitnesscourt Lütjensee. Dieser bietet Hyrox-Athleten die notwendigen Trainingsgeräte. Der Aufwand hat sich für Zaun ausgezahlt, das Ticket für die am 4. April in Berlin ausgetragenen Weltmeisterschaften im Hyrox hat er in der Tasche.

Ins Leben gerufen wurde die Trendsportart vor knapp drei Jahren von dem zweimaligen Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste und seinen Partnern Michael Trautmann und Christian Toetzke von der Hamburger Agentur Upsolut Sports. Bei der Premiere 2017 in der Hamburger Messehalle waren auf Anhieb rund 750 Sportler am Start.

Hyrox gibt es erst seit knapp drei Jahren

Bei den Weltmeisterschaften in Berlin geht Zaun gemeinsam mit Trautmann im Doubles-Wettbewerb an den Start. Die Idee reifte, als der Stormarner seinen guten Freund vor Kurzem bei einem in Hannover ausgetragenen Hyrox-Wettkampf über den Weg lief. „Michael war bereits für die Doubles-Weltmeisterschaft qualifiziert, aber auf der Suche nach einem neuen Partner“, sagt Zaun und schmunzelt. „Ich habe selbstverständlich sofort zugesagt, so eine Chance lässt man sich nicht entgehen.“

In der Disziplin Doubles müssen die beiden Athleten eines Teams lediglich die Laufeinheiten gemeinsam bestreiten. Die Einteilung an den einzelnen Stationen ist ihnen selbst überlassen. „Wir werden wohl nach der klassischen You-go-I-go-Strategie vorgehen“, sagt Zaun. „Sobald der eine mit seinen Kräften am Ende ist, übernimmt der andere.“

Seine Frau Tania startet im Jedermann-Wettbewerb

Die WM-Qualifikation für den Einzelwettbewerb hatte der 45-Jährige in Hannover mit einer Zeit von 1:25,50 Stunden als Zwölfter seiner Altersklasse (45-49) nur knapp verpasst. Die erzielte Zeit hätte ihm allerdings vergangenes Jahr in Hamburg bei einer Hyrox-Veranstaltung gereicht, um das begehrte WM-Ticket zu lösen. Nach Berlin reist der zweifache Familienvater mit Ehefrau Tania, die in der Hauptstadt bei einem anlässlich der Weltmeisterschaft angebotenen Jedermann-Wettbewerb startet.

Zaun lebte viele Jahre in Kiel. Daher resultiert seine Verbundenheit zum Wassersport, vor allem zum Segeln: Von 1992 bis 1998 zählte er zum Nationalkader der Deutschen Laserklasse. Heute fährt er immer noch ein bis zwei Regatten auf der im Jahr 1937 gebauten und mittlerweile aufwendig restaurierten 12MR Classic America’s Cup Yacht Trivia. Vor neun Jahren entdeckte der Großenseer eine weitere Leidenschaft: den Triathlonsport.

Der 45-Jährige liebt auch Wassersport und Triathlon

2012 bestritt er seinen ersten Wettkampf über die Sprint-Distanz (500 Meter Schwimmen/20 Kilometer Radfahren/fünf Kilometer Laufen). „Vorher musste ich mir allerdings von meinen Sportkollegen einiges anhören, von wegen ,Triathlon für Arme’ und so“, sagt Zaun und lacht. „Da habe ich nicht lange gefackelt und mich für den nächsten Tag für einen Wettkampf über die längere olympische Distanz angemeldet.“

Der nächste Schritt ließ nicht lange auf sich warten: Bis heute hat der 45-Jährige vier Ironmans über die Langstreckendistanz von 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen absolviert. Dreimal ging er über die Mitteldistanz – ein Format halb so lang wie ein Ironman – an den Start.

Dabei hatte Zaun Ende 2017 nach einem verpatzten Auftritt beim Ironman Hamburg kurz sogar ans Aufhören gedacht. „Nach einem anschließenden sechswöchigen Schottland-Urlaub fing es wieder an, im Bauch zu kribbeln“, sagt der Ausdauerathlet. „Als mir ein befreundeter Gefäßchirurg anschließend auf einer Feier den Ironman in Los Cabos schmackhaft machen wollte, war ich gleich wieder Feuer und Flamme.“ Zaun gibt zu, in Mexiko nach dem bisher letzten Auftritt bei einer Langdistanz seinen Seelenfrieden mit dem Ironman gemacht zu haben.

Neben der Hyrox-WM hat der 45-Jährige für dieses Jahr weitere vier Events in Hamburg fest vor Augen: Um den Titel Hamburg Activ City Hero zu tragen, will er alle vier Hamburger Ausdauerformate (Marathon, Triathlon, Ironman und Cyclassics) bewältigen.