Stormarn
Slalomspezialist

Profi-Windsurfer aus Bargteheide arbeitet am Comeback

Michele Becker ist wieder nah dran an seiner Bestform. Zurzeit bereitet er sich der zweifache Deutsche Meister in Spanien auf die kommende Saison vor.

Michele Becker ist wieder nah dran an seiner Bestform. Zurzeit bereitet er sich der zweifache Deutsche Meister in Spanien auf die kommende Saison vor.

Foto: Privat

Der lange Zeit verletzte Slalomspezialist Michele Becker will sich in der deutschen Elite der Männer etablieren.

Bargteheide.  Hinter dem sogenannten Plan B, wie Michele Becker die schon Jahre zuvor angestrebte kaufmännische Ausbildung immer bezeichnete, durfte der 21 Jahre alte Profi-Windsurfer aus Bargteheide vor wenigen Tagen einen dicken Haken machen. Becker hatte die Sache sehr ernst genommen. In nur eineinhalb anstelle von drei Jahren absolvierte er im elterlichen Betrieb – Vater Marcus ist Inhaber einer Bargteheider Firma für Maschinen- und Anlagetechnik – die Ausbildung zum Industriekaufmann.

Auf Teneriffa holt Becker den Trainingsrückstand auf

„Eine abgeschlossene Berufsausbildung zu haben, gibt mir ein gutes Gefühl“, sagt der 21-Jährige dem Hamburger Abendblatt am Telefon und lacht. „Nun kann ich mich wieder voll und ganz auf den Sport konzentrieren.“ Sein Arbeitsplatz ist nun wieder das grün-blaue Wasser des Atlantischen Ozeans vor El Medano im Süden Teneriffas. Die kanarische Insel ist jedes Jahr Treffpunkt der Elite der deutschen Windsurfer, um sich unter besten Bedingungen auf die kommende Saison vorzubereiten.

Becker nutzte jede freie Minute, um hart zu trainieren und den Trainingsrückstand aufzuholen. Dass der zweifache deutsche U20-Meister im Slalom zurzeit noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist, hat gute Gründe. Bereits Ende 2018 musste der dunkelhaarige Bargteheider aufgrund von Schmerzen an beiden Fußrücken eine zweimonatige Pause einlegen. Die allerdings brachte keine Besserung.

„Im Januar vergangenen Jahres haben die Ärzte eine Sehnenscheidenentzündung an beiden Füßen diagnostiziert“, sagt Becker, der eine spezielle Fahrtechnik dafür verantwortlich macht. „Für mehr Geschwindigkeit auf dem Wasser ziehe ich in den Schlaufen die Füße an, das hat wohl zu der Überbelastung geführt.“

Becker ist Stormarns Sportler des Jahres 2017

Eine Schockwellentherapie brachte schnelle Genesung. Im Spätsommer folgte die zweite schlechte Nachricht: Der Bargteheider hatte Pfeiffersches Drüsenfieber.

Wie schon bei der ersten nutzte der Windsurf-Profi auch die erneute Zwangspause, um sich auf die berufliche Ausbildung zu konzentrieren. „Irgendwie hat so manche negative Situation auch ihre positiven Seiten“, sagt er.

Becker, der nach den beiden U20-Meistertiteln von den Lesern der regionalen Zeitungen sowie einer aus Funktionären des Kreissportverbands Stormarn und Sportjournalisten zusammengesetzten Jury zu Stormarns Sportler des Jahres 2017 gekürt wurde, will sich so schnell wie möglich in der Spitze der deutschen Surfer etablieren.

Um dieses Ziel zu erreichen, wird er in Zukunft einige Dinge ändern. Nach dem Wechsel in die Erwachsenenklasse fuhr Michele Becker eher zurückhaltend, um eine mittlere Platzierung nicht zu gefährden. „Nun bin ich bereit, volles Risiko zu gehen“, sagt er, „auch während der Startphase.“ Diese gilt als die größte Herausforderung bei Slalom-Wettbewerben. Die Fahrer müssen, um sich überhaupt eine Chance auf einen der vorderen Plätze zu wahren, die Startlinie schon mit Höchstgeschwindigkeit überqueren.

Der Bargteheider startet auch bei FoilWindsurf-Rennen

Bei einem Slalom-Wettbewerb gleiten die Teilnehmer mit Geschwindigkeiten von mehr als 60 Kilometer pro Stunde über das Wasser. Dabei müssen sie möglichst schnell einen Kurs, der mit Bojen abgesteckt ist, bewältigen und – anders als in der Disziplin Racing – dabei nicht gegen den Wind ankreuzen, sondern den Raumwindkurs nutzen, also jene Kraft, die von schräg hinten kommt.

Eine weitere Windsurfvariante stößt auch bei dem jungen Stormarner auf immer größeres Interesse. „Foilsurfen ist die perfekte Ergänzung zum normalen Windsurfen, wenn es um frühes Gleiten bei wenig Wind geht“, sagt Becker. Durch einen Tragflügel unter dem Board – den sogenannte Foil – hebt sich das Windsurfboard schon bei geringer Geschwindigkeit vollends aus dem Wasser und gleitet mit hoher Geschwindigkeit über die Oberfläche.

Der Bargteheider startet seit knapp zwei Jahren gleichzeitig auch bei FoilWindsurf-Rennen. Becker: „Ein rund 15 minütiges Kursrennen ist dabei im Vergleich zum Slalom wesentlich stärker von der Taktik geprägt, aber genau das macht den Reiz aus.“