Stormarn
Kampfkunst

Kung-Fu-Talent aus Oststeinbek ist Deutscher Meister

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Der erst achtjährige Micha Abarbanel gewinnt in Hamburg bei den nationalen Titelkämpfen vier Goldmedaillen.

Oststeinbek.  Ein fester Händedruck, ein offener Blick, ein gewinnendes Lächeln – gleich zu Beginn des Gesprächs mit dem Hamburger Abendblatt macht Micha Abarbanel einen guten Eindruck. Und schon nach wenigen Sätzen wird deutlich: Der acht Jahre alte Kung-Fu-Sportler des Oststeinbeker SV hat klare Vorstellungen. Er weiß genau, was er will.

„2018 möchte ich mindestens einen Titel mehr holen als in diesem Jahr“, antwortet Micha auf die Frage nach seinen sportlichen Zielen für die anstehende Saison. Vier waren es in diesem Jahr. Bei den in Hamburg ausgetragenen Deutschen Meisterschaften im Seven-Star-Mantis-Kung-Fu räumte der junge Oststeinbeker vor Kurzem bei den Kindern bis neun Jahren die Titel in den Kategorien Kampf, Handformen, Waffenformen und Schwertkampf ab. Mit vier gewonnenen Kategorien wurde Micha in Hamburg zudem Gesamtsieger aller Jugendlichen unter 16 Jahren – dafür wurde er mit einem silbernen Pokal belohnt.

Für die Goldmedaillen fand der Achtjährige ukrainischer Abstammung in seinem Kinderzimmer schnell einen angemessenen Platz „Sie hängen an der Wand direkt neben dem großen Foto von Si Gung Lee Kam Wing und mir“, erzählt Micha stolz.

Die Abbildung des Großmeisters und des jungen Kung-Fu-Schülers entstand im vergangenen Jahr, als der aus Hongkong angereiste Lee Kam Wing in Hamburg einen Lehrgang leitete. Bedenken, dass Micha der Erfolg zu Kopf steigt, hat Sascha Strehlow nicht.

Im Alter von fünf Jahren begann Micha mit Kung Fu

„Micha schätzt die Erfolge richtig ein und weiß, dass der Weg nach oben sehr steinig ist. Er ist für sein Alter sehr diszipliniert und fokussiert“, sagt der Kung-Fu-Trainer des Oststeinbeker SV und fügt hinzu: „Nicht umsonst bedeutet Kung Fu soviel wie ,etwas durch harte, geduldige Arbeit erreichen’.“ Dass Micha bereits im Alter von fünf Jahren überhaupt mit Kung Fu beginnen durfte, verdankte er ebenso einem außergewöhnlichen Talent wie einem starken Willen.

„Eigentlich ist ein Fünfjähriger noch gar nicht in der Lage, ernsthaft in einer Gruppe mit zu trainieren“, sagt Strehlow und lacht. „Micha hat uns alle aber solange genervt, bis ich ihm eine Chance gegeben habe, die er dann auch prompt genutzt hat. Ohne Probleme hat er sich in die Gruppe eingefügt und diszipliniert trainiert.“

Die Kampfkunst Kung Fu hält der 26 Jahre alte Hamburger und Träger des 4. schwarzen Gürtels für Kinder und Jugendliche als besonders geeignet. „Kung Fu ist allumfassend. Es fördert neben der Fitness die Koordination, die Beweglichkeit und die Körperspannung“, sagt Strehlow. „Zudem lernen gerade Kinder und Jugendliche Selbstdisziplin, den respektvollen Umgang mit den Mitmenschen und die Fähigkeit, die gelernten Techniken im Ernstfall durch moderate Intensität einzusetzen.“

Dabei sei die buddhistische Friedfertigkeit stets oberstes Gebot. „Schläger haben bei uns nichts zu suchen“, so Strehlow. „Seven Star Mantis Kung Fu darf nur im Notfall angewendet werden, um sich oder andere zu schützen.“ Beim Seven Star Mantis Kung Fu stehen nicht die Wettkämpfe im Vordergrund. „Wichtiger ist die Fähigkeit, in allen Lebensbereichen an seine Grenzen gehen zu können und den Biss zu bekommen, dass man weiter am Ball bleibt, auch wenn etwas nicht gleich im ersten Anlauf klappt“, sagt der Trainer.

Seven Star Mantis Kung Fu gilt als eine der wirkungsvollsten Kampfkünste überhaupt. Ein Angreifer soll dabei nicht nur kontrolliert, sondern durch ein in sich geschlossenes System an unterschiedlichen Techniken zügig außer Gefecht gesetzt werden.

Mantis Kung Fu zählt zu den effektivsten Kampfkünsten

Neben der Kampfkunst zählt der Angelsport zu Michas großen Leidenschaften. Gemeinsam mit Vater Vyacheslav verbringt der Achtjährige, der in Hamburg lebt, Stunden an einem nahegelegenen Brassenteich. Stolz ist er immer noch auf einen Lachs, den er einmal am Haken hatte.

„Der Fisch war mindestens so groß“, sagt Micha schmunzelnd, während dabei seine Hände immer weiter auseinander gehen.