Stormarn
FUSSBALL

Eicheder Debakel an der Förde

„Sitzfußball“ von Eichedes Mats Facklam (r.) und Gegenspieler  Leon  Pascal Kroiß (ETSV Weiche Flensburg)

„Sitzfußball“ von Eichedes Mats Facklam (r.) und Gegenspieler Leon Pascal Kroiß (ETSV Weiche Flensburg)

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Regionalligafußballer des SV Eichede verlieren beim ETSV Weiche Flensburg hochverdient mit 0:5. Alle Tore fallen in erster Halbzeit.

Steinburg.  Als der Abpfiff einer bemerkenswerten ersten Halbzeit ertönte, blieb Jörn Großkopf erst mal sitzen. Die Aussicht, seiner Mannschaft irgendetwas Konstruktives zu ihrer Leistung mitzuteilen, war für den Trainer des SV Eichede offensichtlich nicht gerade reizvoll. Erst die nach einer Minute einsetzende Schlagermusik schien den 50-Jährigen von der Bank zu vertreiben. Während das Lied „Die immer lacht“ eine Geschmackssache ist, konnte es über den Auftritt der Stormarner Regionalligafußballer in den ersten 45 Minuten des Auswärtsspiels gegen Weiche Flensburg keine zwei Meinungen geben: Es war ein Debakel. 0:5 verlor der hoffnungslos überforderte Aufsteiger an der Förde, alle fünf Treffer fielen in den ersten 28 Minuten.

Später, nachdem wenigstens die zweite Halbzeit vor 522 Zuschauern ohne weitere Rückschläge überstanden war, spielte Großkopf die Demütigung noch ein wenig weiter. „Herzlichen Glückwunsch zu den drei Punkten“, sagte er auf der Pressekonferenz zum gegnerischen Trainer – wie derzeit jede Woche. Neu aber war der Zusatz „und vielen Dank, dass ihr in der zweiten Halbzeit drei Gänge zurückgeschaltet habt.“ Denn auch darüber, dass es weniger der dezenten Eicheder Leistungssteigerung als vielmehr der Flensburger Tempodrosselung zu verdanken war, dass am Ende nicht die höchste Regionalliga-Niederlage der Eicheder Vereinsgeschichte stand, herrschte wohl bei allen Beobachtern Einigkeit.

0:5, auswärts, gegen einen der Topclubs der Liga – das kann einem Aufsteiger schon mal passieren. Die Art und Weise, wie sich die Steinburger bei der fünften Pleite in Folge selbst ihrem Schicksal zuführten, wirft aber Fragen auf. „Wir dürfen uns in der Startelf keinen Ausfall erlauben“, hatte Großkopf vor der Partie betont. Hinterher fiel es schwer, überhaupt einen Spieler zu benennen, der sich in der Nähe seiner Normalform bewegt hatte. „Die erste Halbzeit war peinlich, ein Kollektiv-Versagen“, sagte Kapitän Nico Fischer. Lucas Lohmann, der zur Pause ausgewechselt worden war, wählte ebenfalls deutliche Worte: „Wir hätten als Team zusammenhalten müssen, aber haben uns abschießen lassen.“

Neben Lohmann, bei dem Großkopf „Körpersprache und Emotionen“ vermisst hatte, musste auch Jonathan Marschner nach 45 Minuten draußen bleiben. Die Höchststrafe, schon nach 30 Minuten ausgewechselt zu werden, blieb dem Innenverteidiger nur knapp erspart, Gerrit Schubring stand eigentlich schon bereit. „Das war indiskutabel“, sagte Großkopf. „Sein Gegenspieler durfte machen, was er wollte.“ Und auch Torwart Arvid Schenk, dem der Coach zum zweiten Mal den Vorzug gegenüber Julian Barkmann gegeben hatte, leistete sich einige Fehler.

In der Offensive, wo Neuzugang Boris Shtarbev sein Debüt gab, ließ der SVE jegliche Gefahr vermissen, schoss erst in der 62. Minute erstmals aufs Tor. Da war die Partie längst entschieden. Binnen kürzester Zeit hatten im ersten Durchgang Tim Wulff (11., 29. Minute), Jannick Ostermann (14., 18.) und René Guder (19.) die Aussetzer von Marschner und Co zum vorzeitigen Kantersieg genutzt.

Großkopf sprach seinem Team bezogen auf die Partie in der Fördestadt essenzielle Voraussetzungen für einen aussichtsvollen Abstiegskampf ab, nämlich „Herz und Leidenschaft“. Noch habe er keine Erklärung. „Man fragt sich auch, was in einer Woche passiert ist“, sagte er mit Blick auf die deutlich weniger schlechte Leistung sieben Tage zuvor gegen Eintracht Braunschweig II (0:1), nach der Spieler und Trainer noch Fortschritte betont und Teamgeist beschworen hatten. Nun muss in einer Woche wieder viel passieren – sonst folgt am Sonntag gegen Schwarz-Weiß Rehden die nächste bittere Pleite.

SV Eichede: Schenk – Fischer, Petzschke, Marschner (46. G. Schubring), Wachowski – Bojarinow – Oldag, Lohmann (46. Facklam), Maltzahn, Shtarbev (68. Mankumbani) – Lysiak.