Stormarn
Leichtathletik

Vier Stormarner, ein Ziel: die Special Olympics

Ulf Zwikirsch (v.l.), Sarah Heiser, Svenja Frobel, Jan-Marek Otto Stormarner Werkstätten

Ulf Zwikirsch (v.l.), Sarah Heiser, Svenja Frobel, Jan-Marek Otto Stormarner Werkstätten

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Ulf Zwikirsch, Sarah Heiser, Svenja Frobel, und Jan-Marek Otto fahren 2016 zu den nationalen Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung.

Ahrensburg.  Ulf Zwikirsch ist ein Bär von einem Mann – wenn man ihn aus dem Blickwinkel der eher zierlich gebauten Anke Rath betrachtet. „Auf Ulf bin ich das erste Mal vor drei Jahren beim Landessportfest für Menschen mit Behinderung aufmerksam geworden“, erzählt die 46 Jahre alte Sportlehrerin der Stormarner Werkstätten und lacht. „Eine Schnauze bis zum Himmel, aber in Lübeck war er beim Ballwurf der Einzige, der über die 70-Meter-Marke warf.“

Die Bedenken, dass der Leichtathlet, zugleich aber auch Lebemann und Kettenraucher (bis zu drei Schachtel täglich), sich von einer Frau als Trainerin nichts sagen lässt, waren bei Rath groß. „Dennoch war ich sicher, ihm vermitteln zu können, was ich in ihm sehe, was ich von ihm will und dass ich an sein großes Potenzial glaube“, sagt Rath zum Abendblatt.

Drei Jahre später sollte der Erfolg ihr Recht geben: Zwikirsch hat sich – wie auch Sarah Heiser, Svenja Frobel und Jan-Marek Otto vom Team der Stormarner Werkstätten – für die Special Olympics Deutschland in Hannover im kommenden Jahr (6. bis 10. Juni) qualifiziert. Der 30 Jahre alte Friedhofsgärtner tritt bei den nationalen Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung über 100 Meter und im Weitsprung an.

Stolz zeigt Zwikirsch seine beiden von Tätowierungen geschmückten Unterarme. „Hier habe ich die Namen meiner beiden Kinder verewigt“, sagt er, „meine Tochter Jamies-Lee ist vier Jahre, mein Sohn Fynn Luca ein Jahr alt.“ Die ausgiebige Feierei hat der zweifache Vater längst eingestellt, seinen Zigarettenkonsum auf eine Schachtel in drei Tagen hinunter geschraubt. „Der Sport hat mir den richtigen Weg gezeigt, aus alten Mustern auszubrechen und sie hinter mir zu lassen“, sagt Zwikirsch. Heiser und Frobel werfen sich ein fragenden Blick zu. Ein ausschweifender Lebensstil ist ihnen fremd. Heiser, die in Hannover ebenfalls über 100 Meter und im Weitsprung antritt, gab vergangenes Jahr in Düsseldorf ihr Debüt bei den Special Olympics Deutschland. „Es war ein tolles Erlebnis, aber ziemlich anstrengend und aufregend“, sagt die 22-Jährige.

Vor lauter Nervosität kam sie über 100 Meter nicht rechtzeitig aus dem Startblock. Wutentbrannt wollte sie die Laufschuhe in die Ecke schmeißen und die Heimreise antreten, was Rath dank sseiner Überredungskünste glücklicherweise zu verhindern wusste. Denn kurz darauf holte Heiser im Weitsprung mit 3,77 Metern die Goldmedaille. „Ohne die volle Unterstützung des Trainers läuft bei Sarah nur wenig zusammen“, sagt Rath, die bei nationalen Titelkämpfen auf der Tribüne Platz nehmen muss.

Otto hat sich für Hannover auch über 100 Meter und für den Weitsprung-Wettbewerb qualifiziert. Erst vor gut vier Monaten begann der 19-Jährige mit der Leichtathletik. Rath: „Jan-Marek besitzt eine enorme Grundschnelligkeit, was ihm manchmal noch zum Verhängnis wird.“ Wie beim Qualifikationswettkampf in Meldorf, als er bei sechs Versuchen fünfmal das Brett nicht traf und durchlief. Einmal jedoch traf Otto die weiße Markierung – und gewann mit 4,76 Metern nicht nur Bronze, sondern übertraf zugleich die Norm für Hannover. „Jan-Marek fehlt noch jede Menge Technik, was für mich wiederum bedeutet, dass noch viel Luft nach oben ist“, sagt Rath.

Frobel ist die Einzige im Bunde, die das Schwimmbecken der Tartanbahn oder der Sprunggrube vorzieht. Die 27-Jährige tritt in Hannover über 25 und 100 Meter Brust sowie über 25 Meter Freistil an. Frobel verfügt bereits über ausreichend Wettkampferfahrung, da sie mehrfach in Flensburg bei Landesmeisterschaften an den Start ging und dieses Jahr über 25 Meter Freistil sogar den Titel gewann. Ihre Vorliebe für modische Outfits wäre ihr vergangenes Jahr bei den Titelkämpfen in Düsseldorf fast zum Verhängnis geworden.

Als Vorlaufschnellste über 25 Meter Freistil wurde die 27-Jährige disqualifiziert. Der Grund: Sie trug einen Tankini (Mischung aus Badeanzug und Bikini). Rath pochte auf Unwissenheit und legte Einspruch ein, dem auch stattgegeben wurde. Das Finale bestritt Frobel ordnungsgemäß im Badeanzug – und gewann die Goldmedaille.