Stormarn
Reinbek

Sven Schneppel trifft auf seinen Vorgänger

Sonnabend spielen die Fußballer des FC Voran Ohe gegen den VfL Lohbrügge und Peter Martens. Beide Trainer verbindet eine intensive Vergangenheit

Reinbek. Sven Schneppel ist schon da, als Peter Martens am Treffpunkt an der Süderstraße in Hamburg erscheint. Per Handschlag begrüßen sich die beiden, wie Trainerkollegen eben, wie sehr gute Trainerkollegen. Zwischen ihren beruflichen Verpflichtungen konnten sich beide kurz Zeit nehmen, um für das Hamburger Abendblatt in die Kamera zu lächeln. Nach fünf Minuten haben Schneppel und Martens, der sich eigentlich ungern fotografieren lässt, den Termin hinter sich. Ein kurzes Treffen, das quasi der Prolog war für ein ganz besonderes Fußballspiel. Schon am morgigen Sonnabend sehen sich beide wieder. Wenn Schneppel mit seinem FC Voran Ohe beim VfL Lohbrügge gastiert, sind die Fußballlehrer, die eine lange und besondere gemeinsame Vergangenheit verbindet, für 90 Minuten ausnahmsweise Kontrahenten.

Die Liste der Fakten, die den 14. Spieltag der Landesliga Hansa für alle Beteiligten aus Lohbrügge und Ohe zu einem ganz speziellen Termin macht, ist ellenlang: Beide Trainer treffen auf ihren Ex-Verein. Schneppel wurde 2012 beim VfL Lohbrügge gefeuert. In Ohe kündigte Martens wenige Monate später seinen Rücktritt zum Sommer 2013 an, schlug Schneppel als seinen Nachfolger vor und stellte noch während seiner Abschiedssaison gemeinsam mit seinem jüngeren Kollegen die Weichen für die Oher Zukunft. Beide kennen sich aber schon viel länger, „seit hundert Jahren“, wie Martens es ausdrückt, in seiner manchmal laxen Art, mit der er auch gleich mal – lachend natürlich – klarstellt: „Wenn Sven während des Spiels dummes Zeug reinbrüllt, mecker ich ihn an.“ Als Martens in den Neunzigern die TuS Dassendorf trainierte, war Schneppel sogar sechs Jahre lang einer seiner Spieler.

Die Weise, in der während der Rückrunde 2013 der Übergang von Martens zu Schneppel verlief, war ungewöhnlich – und ein Glücksfall für den Verein. Hand in Hand drehten der scheidende und der werdende Chefcoach an den Stellschrauben des Kaders. Das angepeilte Ziel, in der Bezirksliga Ost Meister zu werden, war nach einer durchwachsenen Hinrunde in weite Ferne gerückt. Ein Jahr später holten die Stormarner, verstärkt durch viele Neuzugänge, mit furiosem Offensivfußball den Aufstieg in die Landesliga nach. „Auf diese Weise den Übergang von einem zum anderen Trainer zu gestalten, war wirklich total ungewöhnlich“, sagt Schneppel. „Daran hat man gesehen, dass Peters Herz an Ohe hing und hängt, und er die Mannschaft in gute Hände geben wollte.“

Martens’ Situation in Hamburg-Lohbrügge ist vergleichbar mit seinen letzten Monaten in Reinbek. Sein Rücktritt am Saisonende ist bereits beschlossene Sache. Schon nach seinem Abschied in Ohe hatte Martens eigentlich dazu tendiert, nie mehr ein Team zu trainieren. Er habe es einfach satt, im Winter bei Minusgraden auf dem Trainingsplatz zu stehen, sagte er damals. Doch dann kam ein Hilferuf aus Lohbrügge und fünf Wochen später noch einer. Martens ließ sich doch noch einmal überzeugen, seinem alten Verein zuliebe, den er schon Anfang dieses Jahrtausends trainiert hatte. Nach der Saison aber ist Schluss, „definitiv“, sagt der 56-Jährige – es sei denn, einer seiner absoluten Herzensvereine aus Dassendorf oder Barmbek-Uhlenhorst ruft.

Während sich die Übungsleiter kumpelhaft begegnen werden, könnte es auf dem Feld durchaus hitzig zugehen. Im Kader der Oher stehen gleich acht Spieler, die unter Schneppel in Lohbrügge aktiv waren. Nickeligkeiten sind vorprogrammiert. Zwischen Ohes Philipp Lang und dem Ex-Oher Jens Schenkenberg wiederum wird es garantiert immer fair zugehen – die beiden sind beste Freunde.

Dass es für Schneppel eine kleine Genugtuung wäre, den Verein zu besiegen, der ihn einst zu einem merkwürdigen Zeitpunkt, mitten in der Saisonvorbereitung nämlich, schasste, daraus macht der 41-Jährige keinen Hehl. Mittlerweile haben sich die Wogen aber wieder geglättet, Schneppel spielt wieder bei den Alten Herren des VfL.: „Der Ärger ist größtenteils verraucht“, sagt er, „und viele der damals handelnden Entscheidungsträger und Spieler, die mir nicht positiv gegenüber standen, sind nicht mehr in Lohbrügge.“ Außerdem gehe es in dem Spiel ja nicht um ihn.

Nicht zuletzt ist die Partie auch sportlich reizvoll, könnte für beide Clubs sogar richtungsweisend sein. Für Aufsteiger Ohe geht es darum, einen weiteren Schritt aus der schwierigsten Saisonphase zu machen und den Abstand auf die Abstiegsplätze auf bis zu acht Zähler auszubauen. Lohbrügge dagegen braucht drei Punkte, um die Abstiegsplätze zu verlassen. Sowohl Martens als auch Schneppel kündigen an: Es zählt nur ein Sieg.

90 Minuten also werden sich Sven Schneppel und sein ehemaliger Trainer und direkter Vorgänger als Kontrahenten gegenüberstehen. Ein Auswärtssieg ist wahrscheinlich, ein Heimsieg nicht undenkbar. Vielleicht wird es auf dem Spielfeld hitzig und, wer weiß, vielleicht wird der eine Trainer tatsächlich mal den anderen anmeckern. Ganz sicher aber ist nur eins: „Sobald der Abpfiff ertönt ist, werden wir uns die Hand geben und ein Bier trinken“, sagt Schneppel.