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Ahrensburg und Michelson – das harmoniert

26 Jahre alte Centerspielerin verstärkt das Team der Twisters in der Zweiten Basketball-Regionalliga. In ihrem Leben dreht sich fast alles um den Sport

Ahrensburg. Carsten Schittkowski redet nicht lange um den heißen Brei herum. „Wann kann ich mit dir rechnen“, fragte der Coach der Basketballdamen des Ahrensburger TSV direkt im Anschluss des vereinbarten Probetrainings. „Ab sofort“, antwortete Nicole Michelson kurz und bündig. Der Trainer war äußerst zufrieden mit der Geradlinigkeit seines Neuzugangs. Nicht wissend, dass die endgültige Entscheidung der 26-Jährigen erst einige Minuten zuvor aus einem Bauchgefühl heraus gefallen war.

„Zurzeit wohne ich noch in Itzehoe“, sagt die hochgewachsene Centerspielerin, „deshalb war die BG Halstenbek/Pinneberg aufgrund der kürzeren Entfernung für mich eine ernsthafte Alternative.“ Letztendlich gab der menschliche Faktor den Ausschlag. „Ahrensburg hat eine sehr junge Mannschaft, die mich mit offenen Armen empfangen hat“, sagt Michelson. „Zudem hat das Team mit Carsten einen Coach, bei dem die Mischung aus Autorität und Menschlichkeit hundertprozentig stimmt.“

Im Leben der blonden Basketballspielerin dreht sich nicht nur auf dem Spielfeld alles um das Thema Sport. Vor einigen Jahren absolvierte sie in Hamburg ein duales Studium im Fach Fitnessökonomie. Anschließend studierte sie in Frankfurt/Main sechs Semester Sports Medical Training/Clinical Exercise Physiology (Sportmedizinisches Training/Leistungsphysiologie). Um die Zwischenzeit zu überbrücken, arbeitete Michelson in der Hansestadt ein Jahr lang als Personal Trainer, nebenbei ließ sie sich zur Kindererzieherin ausbilden.

Derzeit schreibt Michelson – vom Elternhaus in Itzehoe aus – an ihrer Masterarbeit für die Humboldt-Universität zu Berlin. „Für den Abschluss meines Master-Studiengangs habe ich mich nach interessanten Themen umgeschaut, die mir an der Universität in Frankfurt nicht angeboten wurden“, erzählt sie. Die 26-Jährige schrieb mehrere Hochschulen an. Die Resonanz enttäuschte allerdings, denn nur wenige Lehranstalten würdigten ihr Anliegen mit einer Antwort. Eine der wenigen Reaktionen kam aus der Hauptstadt. „Ich bekam das Angebot an einem Teil einer Doktorarbeit mitzuarbeiten“, sagt sie, „der für mich später als Masterarbeit anerkannt wird.“

Das Thema „Die Entwicklung der Muskelfunktion und Muskelmorphologie bei jugendlichen Athleten im Bereich Volleyball“ habe sie sofort brennend interessiert. „Bei Jugendlichen verläuft die Entwicklung der Muskelkraft und Sehneneigenschaften häufig nicht gleichmäßig, weshalb ein erhöhtes Risiko für Sehnenverletzungen vorliegt“, sagt Michelson. Ein Beispiel sei das unter Volleyballern berüchtigte jumper’s knee. „Beim sogenannten Springerknie handelt es sich um eine häufig auftretende Überlastung der Patellasehne.“

Je nach Stadium der Verletzung treten die Schmerzen vorwiegend während des Aufwärmens auf, lassen aber mit steigender Belastung nach. Nach der sportlichen Aktivität treten diese allerdings meist wieder auf. Wer den Symptomen keine Beachtung schenkt, riskiert chronische Beschwerden oder lange Trainingspausen.

Michelson plant, nach abgeschlossener Ausbildung im Gesundheitswesen mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. So liegt bereits der fertige Businessplan für ein Fitnessstudio nur für Kinder in ihrer Schreibtischschublade. „Dabei darf man aber keineswegs das breit gefächerte Angebot der vielen Sportvereine als unmittelbare Konkurrenz unterschätzen.“

Der Kontakt zu den Twisters – zurzeit Tabellensechster der Zweiten Regionalliga Nord – kam über die ebenfalls auf der Centerposition spielenden Sabrina Lange zustande. „Sabrina ist eine meiner besten Freundinnen und bemühte sich schon länger, mich nach Ahrensburg zu locken“, sagt Michelson, die mit dem Walddörfer SV und dem VfL Stade bereits Regionalliga-Erfahrung sammelte. Schittkowski hat die Qualitäten seines Neuzugangs, auch abseits des Spielfelds, erkannt. „Immer gut gelaunt strahlt Nicole durchgehend eine gewisse Souveränität aus“, sagt Ahrensburgs Coach. „Sie ist in kürzester Zeit zu einer Führungsspielerin herangereift, die unseren jungen Teammitgliedern in puncto Einsatz und Einstellung als Vorbild dient.“

Kommenden Sonntag, 2. November, wollen die Twisters bei der BG Rotenburg/Scheeßel nahtlos an die gezeigte Leistung beim 97:64-Kantersiegs gegen den SC Kirch- und Westerweyhe anknüpfen. Schittkowski: „Wir gehen als klarer Favorit in die Partie, alles andere als ein Sieg wäre eine große Enttäuschung.“