Stormarn
Oststeinbek

Oststeinbeks neuer Spielertrainer

Timo Mäkelmann übernimmt die Kreisligafußballer zunächst bis Ende des Jahres. Der 33-Jährige lief schon für 13 Vereine auf

Oststeinbek. Es gibt diesen einen Satz, den Timo Mäkelmann gehört hat, als er beim VfB Lübeck ganz am Anfang seiner Fußballkarriere stand. Vor 14 Jahren muss das gewesen sein, als Uwe Erkenbrecher dem jungen Mittelfeldspieler sagte: „Du bist so sozial, du solltest Lehrer werden.“ Mäkelmann hat diesen Satz nie vergessen. War es reine Anerkennung, die aus seinem damaligen Coach sprach? Oder gar leise Kritik? Nun jedenfalls, mit 33 Jahren, ist Mäkelmann Lehrer geworden. Fußballlehrer. Er ist der neue Spielertrainer des Oststeinbeker SV, beerbt den nach nur zwei Monaten zurückgetretenen Mohet Wadhwa (siehe Text unten).

Sein Geld verdient Mäkelmann als Postbote. Seit er 27 Jahre alt ist. Bis dahin lief er einer Profikarriere hinterher – und in fast jeder Saison für einen neuen Verein auf. „Ich habe bis zum bitteren Ende probiert, mich durchzusetzen“, sagt Mäkelmann und fügt mit einem Blick auf die Liste seiner Vereinswechsel hinzu: „Wie man sieht.“ Mäkelmann stand seit seiner Jugendzeit bei 13 Vereinen unter Vertrag, darunter Namen wie der damalige Zweitligist VfB Lübeck oder Fortuna Köln. Später versuchte er es bei unbekannten aber ambitionierten Clubs wie FC Junkersdorf und SF Troisdorf. Und immer, so scheint es heute, war es der falsche Ort, um seine Karriere voranzutreiben.

In Lübeck saß er nur auf der Bank, damals genossen Talente noch nicht das Vertrauen und die Wertschätzung, wie es heute überall der Fall ist. Beim Bonner SC gab es nach drei Monaten kein Geld mehr. Bei TuS Koblenz begrüßte Trainer Milan Sasic den direkt nach der Vertragsunterzeichnung ins Trainingslager nachgereisten Mäkelmann mit den Worten „ich wollte doch den anderen“. Und als sich der Blondschopf mit dem irischen Erstligisten Sligo Rovers einig war, verzockte sich sein Berater und der Wechsel platzte. Seine beste Zeit verbrachte Mäkelmann von 2008 bis 2010 in seiner Heimat beim SV Henstedt-Ulzburg, wo er in 108 Spielen in der Schleswig-Holstein-Liga 63 Tore erzielte. Dann folgten wieder chaotische Zeiten beim FC Sylt und FC Elmshorn.

„Ich habe keine Lust mehr auf Eskapaden-Vereine“, sagte Mäkelmann im vergangenen Winter, als Torwart René Peim ihn zu einem Wechsel zum Oststeinbeker SV überreden wollte – und letztlich überredete. „Ich war vom ersten Training an hellauf begeistert“, erinnert sich „Mäkel“ heute und schwärmt noch immer von dem Team, das sich als Aufsteiger in der Oberliga Hamburg problemlos behauptete. „Fußball macht wieder richtig Spaß“, sagte er zu seiner Freundin Dana, 34, als er eines Abends vom Training nach Hause kam. Oststeinbek schien der perfekte Ort für harmonische letzte Jahre seiner Laufbahn. „Und dann habe ich das Unglück doch wieder angezogen.“ Denn was im Sommer folgte, ist bekannt: „Die Abmeldung der Mannschaft durch den Vereinsvorstand und der damit verbundene Sturz in die drei Klassen tiefere Kreisliga. Und nun auch noch das Chaos um den Jugendförderverein und der Rücktritt von Mohet Wadhwa als Chefcoach.

Den Aufstieg in die Bezirksliga hat Mäkelmann abgehakt

Während alle anderen Spieler flüchteten, hielt der vermeintliche Wandervogel Mäkelmann dem OSV die Treue. Und jetzt, nach Wadhwas Rücktritt, wolle er die neue, junge Mannschaft nicht im Stich lassen, sagt der lauf- und schussstarke Mittelfeldmann, der locker noch in der Landesliga mithalten könnte, auch wenn ihm nach der Teilnahme am Hamburg-Marathon derzeit noch die Spritzigkeit fehlt. Mäkelmann ist sesshaft geworden. Beim OSV und auch privat. Vor zwei Monaten hat er seine Dana geheiratet. Gemeinsam mit ihrem gemeinsamen Sohn Mika, neun Monate, und der achtjährigen Amelie, die Dana mit in die Beziehung brachte, bewohnt das Paar eine Wohnung in Hamburg-Hamm mit Blick auf den Thörls Park. Doch in Bezug auf den am Boden liegenden Leistungsfußball in Oststeinbek muss man auch realistisch sein. „Vom Aufstieg reden wir nicht“, stellt Mäkelmann klar. Seine Amtszeit ist zunächst auf vier Monate beschränkt. „Dann müssen wir mal sehen, ob und wie das funktioniert und die Situation neu bewerten.“ Erneuter Vereinswechsel nicht ausgeschlossen.

Es bleiben Erinnerungen an Jan Schlaudraff und Robert Hoyzer

Mäkelmann blickt noch mal auf die Liste. VfB Lübeck, Fortuna Köln – Kreisliga. „Irgendwann fragt man sich schon, was man eigentlich falsch gemacht hat“, sagt er. „Aber wenn es mir so gut geht wie heute, kann ich eigentlich nichts falsch gemacht haben. Und obwohl es zur Profikarriere nicht ganz gereicht hat habe ich so viele Geschichten erlebt, die andere nie erleben.“ Geschichten wie diese wird er Mika und Amelie irgendwann erzählen: „In Bonn haben sich mal beide Torhüter im Abschlusstraining verletzt, da musste ich gegen die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach ins Tor. Zum Glück haben die erst in der 60. Minute gemerkt, dass da ein Feldspieler im Kasten steht.“ Die Partie ging verloren, der spätere Nationalstürmer Jan Schlaudraff traf zweimal. Und dann wären da noch Begegnungen mit Jörg Berger, Friedhelm Funkel und Robert Hoyzer. „Ich habe schon überlegt, ein Buch über meine Fußballkarriere zu schreiben.“

„Im Profigeschäft hast du keine Freunde mehr“, weiß Timo Mäkelmann heute. Sich selbst bezeichnet er als „Teamplayer durch und durch“. Oft musste er sich anhören, dass er zu freundlich sei. Vielleicht auch deswegen hat er den 14 Jahre alten Satz von Uwe Erkenbrecher nicht vergessen.