EncroChat

Millionenschwerer Drogenhandel in Reinbek aufgedeckt

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Isabella Sauer
EncroChat-Ermittlungen: Im Februar 2021 konnten Ermittler 100 Kilogramm Marihuana auf dem Geländer einer Firma in Barsbüttel sicherstellen. Eine ähnliche Menge fanden Beamte nun bei einer Firma in Reinbek.

EncroChat-Ermittlungen: Im Februar 2021 konnten Ermittler 100 Kilogramm Marihuana auf dem Geländer einer Firma in Barsbüttel sicherstellen. Eine ähnliche Menge fanden Beamte nun bei einer Firma in Reinbek.

Foto: PD Ratzeburg

Drogendealer sollen Hunderte Kilo Marihuana aus Spanien bezogen haben. Wie eine Hamburger Spedition unwissend zum Mittäter wurde.

Reinbek/Hamburg. Riesenerfolg für Drogenermittler aus Hamburg und Schleswig-Holstein: Sie haben einen millionenschweren Rauschgifthandel aufgedeckt, der aus einer Scheinfirma in Reinbek heraus betrieben wurde.

Eine große Drogenlieferung mit mehr als 100 Kilogramm Marihuana konnte in einer Kiste auf einem Firmengelände in Reinbek sichergestellt werden. Einer von zwei Verdächtigen sitzt nun in Untersuchungshaft, der andere wird von der Polizei noch gesucht.

EncroChat: Reinbeker schmuggelte Drogen nach Deutschland

Seit Längerem, so heißt es von der federführenden Staatsanwaltschaft Lübeck, stand ein 42 Jahre alter Mann aus Reinbek im Visier der Beamten. Seit Anfang des Jahres hatte es ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge gegeben.

"Ausgelöst wurde das Verfahren durch Abschöpfung von Daten aus dem Netzwerk EncroChat, eine Art WhatsApp für Kriminelle", erklärte Ulla Hingst, Sprecherin der Lübecker Staatsanwaltschaft. Ermittlern aus Frankreich war es 2020 gelungen, das Netzwerk zu knacken. So konnten kriminelle Aktivitäten mitverfolgt werden.

Aus diesen Daten ging laut Hingst hervor, dass der Reinbeker größere Mengen Drogen aus Spanien bezog und gewinnbringend verkauft. Fahnder der gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER), bestehend aus Ermittlern der Bezirkskriminalinspektion Lübeck und des Zollfahndungsamtes Hamburg, konnten nun am Freitag vor einer Woche eine Drogenlieferung lokalisieren und sicherstellen. Hingst: "In den Kisten sollte sich eigentlich technisches Equipment befinden. Tatsächlich kamen jedoch rund 104,5 Kilogramm Marihuana und Haschisch zum Vorschein."

Hamburger Spedition unwissentlich in Drogenhandel verwickelt

Für sein Drogengeschäft soll der 42-Jährige eine Scheinfirma in einem Gewerbeobjekt in Reinbek eingerichtet haben. "Der in den Lieferpapieren angegebene Versender aus Spanien existierte nicht, ebenso die Firma", so Hingst weiter.

Mittlerweile ist auch klar, wie bei diesem Drogengeschäft das Geld geflossen ist: Hierfür wurde eine gutgläubige Spedition aus Hamburg ausgenutzt. Sie brachte nicht nur unwissentlich die Kisten voller Drogen von Spanien nach Deutschland, sondern auch das Geld. Somit konnte auch während der Razzia am 10. September eine Kiste mit knapp 90.000 Euro sichergestellt werden.

Hausdurchsuchungen in Hamburg und Schleswig-Holstein

Die Ermittler gehen davon aus, dass diese Masche schon seit längerer Zeit angewendet wurde, um Drogen von Spanien nach Deutschland zu schmuggeln. Der 42-jährige Reinbeker und zwei weitere Tatverdächtige sollten also mehrere hundert Kilogramm Marihuana und Haschisch aus Spanien erhalten haben", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lübeck.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Lübeck hat das Amtsgericht Lübeck am 13. September Haftbefehl gegen den 42-Jährige sowie einen 26 Jahre alten Mittäter erlassen. Am selben Tag wurden fünf Wohnungen in Stormarn und Hamburg-Jenfeld durchsucht. Es wurden weitere Beweismittel sichergestellt.

26 Jahre alter Mittäter sitzt bereits in Untersuchungshaft

Der 26 Jahre alte Tatverdächtige konnte an seiner Wohnanschrift in Hamburg-Jenfeld verhaftet werden und ist in Untersuchungshaft. Von dem 42-jährigen Haupttäter fehlt jede Spur. Die Fahndung dauert an.

Die Beschuldigten dürften nach Einschätzung der Ermittler erhebliche Gewinne erzielt haben. Damit diese Werte vorläufig gesichert werden, hat das Amtsgericht Lübeck auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Einziehung von Vermögenswerten in Höhe von 1,2 Millionen Euro verfügt.

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