Meldesoftware

Schneller zum Ausweis: Fotoautomat schickt Daten ins System

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Susanne Tamm
Gabriele Lange, Chefin des Bürgerbüros, testet die neue  Selfservice-Fotostation, die Passfotos direkt an die richtige Sachbearbeiterin schickt.

Gabriele Lange, Chefin des Bürgerbüros, testet die neue  Selfservice-Fotostation, die Passfotos direkt an die richtige Sachbearbeiterin schickt.

Foto: Susanne Tamm

Reinbeker Rathaus mit neuer Technik. Die Bilder landen direkt auf dem Bildschirm der Bearbeiter. Passantrag wird dadurch erleichtert.

Reinbek. Lange Wartezeiten sind im Reinbeker Bürgerhaus Geschichte: Seit der Einführung der digitalen Terminvergabe Frontdesk vor zwei Jahren hat das Rathaus seine alten Öffnungszeiten abgeschafft. Das System ist auch schon auf andere Abteilungen der Verwaltung ausgeweitet worden.

In jedem Stockwerk gibt es einen Bildschirm an dem sich Besucherinnen und Besucher per QR-Code zu ihrem Termin anmelden können. Vorteil für die Reinbekerinnen und Reinbeker: Ihre Wartezeiten sind auf wenige Minuten geschrumpft. Nun geht es im Reinbeker Rathaus einen Schritt weiter: Im Foyer steht jetzt eine Self-Service Fotostation der Firma Biometric Solutions für Passfotos.

Pro Jahr werden 5000 Dokumente beantragt

Das Besondere an dieser Fotostation ist vor allem, dass diese mit der Meldesoftware des Bürgerbüros verbunden ist. Auf diese Weise lassen sich bisherige Einzelschritte minimieren und somit die gesamte Antragstellung für Ausweisdokumente verkürzen: sowohl für die Bürgerinnen und Bürger als auch für die Mitarbeiterinnen. Denn pro Jahr werden rund 5000 Ausweisdokumente im Bürgerbüro beantragt.

„Seit 20 Jahren leite ich die Abteilung im Bürgerbüro. Meine Kolleginnen und ich haben in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt, dass wir Reinbekerinnen oder Reinbeker wieder nach Hause schicken mussten, weil die Bilder entweder veraltet waren oder nicht den biometrischen Anforderungen entsprachen“, berichtet Gabriele Lange, Abteilungsleiterin im Bürgerbüro.

Mitarbeiterinnen helfen gern

Das ist nun vorbei: Wer ein Passfoto braucht, stellt sich einfach auf die Markierung und erhält Anweisungen zur Ausrichtung vor der Kamera. Die Linse fährt automatisch auf die richtige Höhe und gleicht auch Spiegelungen der Brille aus. Außerdem stellt die Software sicher, dass die Lichtbilder den biometrischen Anforderungen entsprechen. Das heißt auch: Bitte nicht lächeln! Ist doch Unterstützung nötig, helfen die Mitarbeiterinnen des Bürgerbüros gern.

Stimmt alles, schickt das System das Foto direkt auf den Bildschirm der jeweiligen Sachbearbeiterin, bei der die Bürgerin oder der Bürger den Termin hat. Er oder sie wird dann auf dem Bildschirm über der Tür aufgerufen. Ausgedruckt werden die Fotos nicht mehr.

„Aber ehrlich gesagt: Diese Passfotos will doch auch niemand verschenken“, sagt Gabriele Lange. „Die Zeitersparnis ist allerdings enorm.“ Was sonst 20 Minuten gedauert habe, brauche jetzt nur noch etwa drei Minuten: biometrisches Foto und Fingerabdrücke, auf Wunsch auch für den Personalausweis, und Unterschrift. Dann prüft die Sachbearbeiterin noch die Daten und kann den Passantrag in Auftrag geben.

Cyberbehörde registriert zunehmendes Gefahrenpotenzial

Hintergrund ist auch, dass bis 2025 sämtliche Kommunen mit einer derartigen Technik ausgestattet sein müssen, damit die Ausweise sicherer vor Missbrauch werden. Denn die Cyberbehörde des Bundes registriert ein zunehmendes Gefahrenpotenzial für Betrügereien mit herkömmlichen Fotos. Durch sogenannte gemorphte Bilder in Passanträgen können mehrere Menschen denselben gültigen Pass nutzen.

So kann ein international gesuchter Krimineller einen bisher der Polizei nicht auffälligen Komplizen bitten, den Pass zu beantragen – mit einem manipulierten Passfoto, bei dem Fotos der beiden Gesichter übereinander kopiert werden. Fällt der Betrug bei der Behörde nicht auf, können beide das Dokument nutzen. Es geht dabei also nicht um Fälschungen, sondern um von Einwohnermeldeämtern ausgestellte Ausweise.

Nutzung der Fotostation kostet zusätzlich sechs Euro

Für die Nutzung der Fotostation werden zusätzlich zu den Gebühren für Personalausweis (22,80 Euro bis 24 Jahre/37 Euro) oder Reisepass (37,50/60 Euro) sechs Euro fällig. Diese gehen an die Aufstellerfirma, der Stadt Reinbek entstehen keine Investitionskosten. Die Reinbekerinnen und Reinbeker können bei der Terminbuchung entscheiden, ob sie ein digitales Passfoto im Bürgerbüro fertigen oder ein gedrucktes Foto zum Beispiel vom Fotografen mitbringen möchten.

„Wir sind die Türöffner für Firmen wie Frontdesk aus Dänemark oder Biometric Solutions“, sagt Bürgermeister Björn Warmer. „Wir sind die ersten Städte deutschlandweit, die deren Systeme etabliert haben und darauf sind wir mächtig stolz.“ Daher sei es auch dem gesamten Team klar, dass dies erst der Anfang sei. „Zum letzten Quartal wird es bei uns eine Abholstation für Dokumente mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung geben.“ Diese soll rund um die Uhr erreichbar sein.

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