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Reinbeks Bürgermeister gibt Politikstunde auf der Terrasse

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Luisa (Mitte) will es genau wissen und fragt Bürgermeister Björn Warmer, wie die neuen Häuser aussehen dürfen. Milla schaut zu.

Luisa (Mitte) will es genau wissen und fragt Bürgermeister Björn Warmer, wie die neuen Häuser aussehen dürfen. Milla schaut zu.

Foto: Susanne Tamm

An der Tannenallee mussten sie weichen, doch insgesamt sind in Reinbek mehr Bäume nachgepflanzt als gefällt geworden.

Reinbek. Wieso dürfen Menschen einfach so Bäume fällen und wer bestimmt eigentlich, was wo gebaut werden darf? Diese Fragen führen auch unter Erwachsenen immer wieder zu Diskussionen. Bürgermeister Björn Warmer hat sich jetzt eine halbe Stunde Zeit genommen, um den beiden Grundschülerinnen Luisa Langbehn (9) und Milla Buske (7) die Hintergründe zu erklären. Wie berichtet, hatten die beiden sich mit einer Unterschriftensammlung an ihn gewandt, um gegen die Baumfällungen an ihrer Straße Tannenallee und geplante Neubauten zu protestieren.

Wer bestimmt, was wo gebaut werden darf?

Neben der gesetzlichen Grundlage, dem Baugesetzbuch gibt es auch noch städtische Baugesetze, die Bebauungspläne (B-Pläne). In ihnen ist beispielsweise festgelegt, ob Einzelhäuser oder Mietshäuser vorherrschen, wie hoch die Häuser sein dürfen, wie groß sie sein dürfen und wie viele Etagen sie haben können und wie viele Parkplätze es pro Haushalt geben muss. Festgelegt werden sie von den Politikern. Das Bauamt im Rathaus wacht darüber, dass die Bestimmungen der Bebauungs- oder auch B-Pläne eingehalten werden und genehmigt den Bau.

Gibt es in der gesamten Stadt Bebauungspläne?

Björn Warmer ist zwar Verwaltungschef, kennt aber auch nicht alle B-Pläne auswendig. Deshalb hat er sich vorher bei seinen Kollegen im Bauamt über die Lage an der Tannenallee erkundigt. In Reinbek gibt es auch Stadtviertel ohne B-Pläne, wie beispielsweise in Prahlsdorf, in Hinschendorf, im Villenviertel um die Bismarckstraße herum oder eben an der Tannenallee in Neuschönningstedt. Für einige dieser Viertel wollen die Politiker jetzt B-Pläne beschließen, weil es in der Nachbarschaft immer wieder Proteste gab. Nun haben sich bereits einige Bauherren dort beschwert.

„Hier an der Tannenallee gibt es keinen Plan, nach dem gebaut werden darf. Daher orientiert man sich in der Nachbarschaft und schaut, was dort noch so gebaut worden ist“, erläutert Warmer. Die Tannenallee ist eine grüne Straße, hier stehen viele Einfamilienhäuser mit Gärten und hohen Bäumen. Das heißt nach dem Baugesetzbuch müssen Neubauten, die an das Ortsbild angepasst sind, in diesem Innenbereich der Stadt genehmigt werden.

„Aber warum sehen einige Häuser dann so anders aus?“

Das will Luisa wissen. Offenbar gibt es einen Interpretationsspielraum, was die Anpassung an das Ortsbild betrifft. „Wie die Dächer aussehen, ist da nicht so wichtig“, erklärt Björn Warmer. „Ausschlaggebend sind die Maße der Häuser, die nicht überschritten werden dürfen. Hier stehen allerdings auch einige Häuser, über die sich die Kollegen im Bauamt etwas gewundert haben, dass sie genehmigt wurden.“ Dies sei jedoch vor seiner Zeit gewesen. Folgen für die Größe eines Neubaus haben allerdings die Grundstückpreise. Sie sorgen dafür, dass die Bauherren ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen – gerade, wenn es als Geldanlage dient. In der Vergangenheit haben die Investoren dies nicht unbedingt getan: Ihre Häuser waren kleiner und die Gärten größer.

Dürfen die Bauherren denn einfach die Bäume fällen?

Wenn die Bäume auf einem Privatgrundstück wachsen und einem Neubau im Wege stehen, schon. „Wenn jemand auf seinem Grundstück ein Wohnhaus bauen will, hat dies Vorrang vor der Baumschutzsatzung“, erläutert der Bürgermeister. „Er braucht diese Bäume auch nicht nachzupflanzen.“ Dies würde eher für größere Bauvorhaben vereinbart werden, bei dem dann auch schon mal eine größere Zahl an Bäumen im Weg steht.

Die Baumschutzsatzung, die Reinbeks Politiker beschlossen haben, schützt die Bäume nur, wenn ein Hausherr sie vielleicht fällen will, weil er keine Lust mehr hat, Laub zu fegen. Oder weil sie ihm Licht wegnehmen. Auf diese Bäume passt Reinbeks Umweltamt auf. „Die gute Nachricht ist aber, dass ein Kollege, der schon seit 35 Jahren im Umweltamt arbeitet, gesagt hat, Reinbek wird immer grüner: Wir haben mehr nachgepflanzt als gefällt“, erzählt Björn Warmer.

Was ist mit dem Naturschutz?

Während der Brutzeit zwischen 1. März und 30. September sind Fällungen verboten. Sehr alte Bäume, die das Ortsbild prägen, können von der Umweltbehörde des Landes unter Naturschutz gestellt und dürfen nicht gefällt werden.

( st )

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