Personennahverkehr

Gutachten liegt vor – Kommt jetzt die Taktverdichtung?

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Ann-Kathrin Schweers
Seit Jahren ist die Taktverdichtung der S21 ein Thema.

Seit Jahren ist die Taktverdichtung der S21 ein Thema.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Noch gibt es keine Zusagen. Die Maßnahmen werden zunächst im Landtag bewertet und priorisiert.

Reinbek. Das Verkehrsgutachten für den Schienenpersonenverkehr in Schleswig-Holstein ist da. Wie berichtet, macht es Geesthachtern Hoffnung auf eine Reaktivierung der Bahnstrecke nach Bergedorf. Einwohner aus Reinbek, Wohltorf und Aumühle schauen jedoch gespannt auf die Entwicklung der Taktverdichtung der S-Bahnlinie 21. Zusagen sind dem lange erwarteten Gutachten aber nicht zu entnehmen. Die Maßnahmen werden zunächst im Landtag bewertet und priorisiert.

Die Gutachter sehen für die S21 ein Potenzial von 2250 zusätzlichen täglichen Fahrgästen und empfehlen einen durchgängigen Zehn-Minuten-Takt. Ein positives Signal, findet der Reinbeker SPD-Landtagsabgeordnete Martin Habersaat. Aber: „Wir wissen nur, was wir vorher schon wussten. Dafür hätten wir keine 250.000 Euro ausgeben müssen.“ Zudem bemängelt er „zu wenig Transparenz und eine Hinhaltetaktik“. Man halte die Studie unter Verschluss, im Wirtschaftsausschuss habe man lediglich eine PowerPoint-Präsentation gezeigt bekommen.

Taktverdichtungen für das ganze Land empfohlen

Der CDU-Landtagsabgeordnete Lukas Kilian setzt sich im Wirtschaftsausschuss für die Taktverdichtung ein und sagt eine zeitnahe Veröffentlichung der Studie zu. Es gebe noch redaktionelle Änderungen. Habersaats Kritik, das Gutachten sei nicht umfänglich genug, weist er zurück. Es habe die gesamte Entwicklung des Schienennetzes bis 2035 im Blick und sieht eine Elektrifizierung der Strecken von jetzt 30 auf 91 Prozent vor. „So können über 55.000 Tonnen CO2 eingespart werden“, sagt er.

Für das ganze Land seien Taktverdichtungen empfohlen, etliche Schienenprojekte durchgerechnet worden. Neben Geesthacht–Bergedorf betrifft dies auch einen zweigleisigen Ausbau der Strecke Neumünster–Bad Oldesloe. „Das trägt erheblich zur Robustheit des Netzes bei“, so Kilian.

Kosten dürften sich verdoppeln

Wie teuer eine Wiedereinführung des Zehn-Minuten-Taktes bis Aumühle für das Land wäre, ist unklar. 2007 hatte man die Taktung unter der schwarz-roten Koalition ausgedünnt, um jährlich 250.000 Euro zu sparen. Die Kosten für eine Ausdehnung, die das Land sich mit Hamburg teilen müsste, wären heute mindestens doppelt so hoch.

So hatte sich jedenfalls S-Bahnchef Kay Uwe Arnecke 2019 beim Besuch in Reinbek geäußert. Ungewiss auch, wie schnell die S-Bahn die Angebotsausweitung umsetzen könnte. „Das kann ich auch nicht beantworten. Es hängt beispielsweise am Personal“, meint Lukas Kilian.

Antrag als Signal nach Kiel

Der Reinbeker Grünen-Fraktionschef Günther Herder-Alpen ist optimistisch: „Die Taktverdichtung der S21 ist ein ,Quick Win’. Wir hatten den Zehn-Minuten-Takt schon mal, ihn wieder einzuführen ist relativ leicht umsetzbar. Anders etwa, als ein neues Gleis aufzumachen. Die Chancen, in die Priorisierung zu kommen, sind hoch.“ Die Kommunen müssten jetzt ihr Interesse kundtun. Für den nächsten Umweltausschuss in Reinbek bereitet Herder-Alpen als Signal nach Kiel einen Antrag vor.

Spätestens im Herbst soll die Priorisierung vorliegen. Sie wird in den landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) eingehen. Dieser wird für fünf Jahre aufgestellt. Eine Neuauflage ist seit 2017 fällig. Die Politik wartete das Verkehrsgutachten ab.

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