Baustellenärger

Verkehrschaos auf der Schlossstraße in Reinbek

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Ann-Kathrin Schweers
Die Schlossstraße ist seit Mai 2018 einseitig gesperrt. Lkw schwerer als 7,5 Tonnen sind aufgrund der Einsturzgefahr der Ufermauer nicht erlaubt.

Die Schlossstraße ist seit Mai 2018 einseitig gesperrt. Lkw schwerer als 7,5 Tonnen sind aufgrund der Einsturzgefahr der Ufermauer nicht erlaubt.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Haltelinie wird missachtet, Hinweisschilder für Lkw-Verbot fehlen auf Wentorfer Seite. Die Zuständigkeit ist weiterhin unklar.

Reinbek. Der gelbe Haltestrich vor der Ampel am Reinbeker Weg ist zwar halb abgefahren, aber er existiert noch. Augenscheinlich aber nicht in den Köpfen von einigen wartenden Autofahrern, die über die einseitig befahrbare Schlossstraße in Richtung Stadtmitte unterwegs sind. „Einige rollen drüber, andere sogar direkt vor bis zur Ampel. Und manche fahren sogar über Rot“, schilderte eine 34 Jahre alte Wentorferin gestern. Ihr Arbeitsweg führt sie täglich vorbei an der Ufermauer-Baustelle. „Als Fußgänger ist es hier gefährlich“, erklärte die Frau, die anonym bleiben möchte. Auch die Reinbeker Tierärztin Dr. Ute Baron bestätigte, dass sie gefährliche Situationen beobachtet hat, mit Fahrzeugen, die bis über die Ampel gefahren sind. Ein weiteres Ärgernis: Trotz Verbot brettern weiterhin Lkw über die Straße.

Winfried Schneider hat wohl am meisten unter der Baustelle zu leiden. Sein Grundstück gehört quasi dazu, ist von Zäunen umzingelt und nur schwer erreichbar. „Glücklicherweise habe ich Schallschutzfenster“, sagt der Senior. Doch der Ausblick aus dem Fenster verrät ihm das Chaos, das hier tagtäglich zu beobachten ist. „Regelmäßig fahren hier auch Lidl-Laster durch, also 40-Tonner“, sagt Schneider. Die Polizei kontrolliere hier wohl nicht, so seine Wahrnehmung. „Ich denke, das hat sich herumgesprochen.“

Schilder nur auf Reinbeker Seite

Schilder weisen auf Reinbeker Seite beispielsweise an der Hamburger Straße sowie am Landhausplatz daraufhin, dass Lkw schwerer als 7,5 Tonnen nicht über die Brücke fahren dürfen. Fahrer, die das missachten, begehen eine Ordnungswidrigkeit. Ebenso jene, die die Haltelinie missachten. „Ab und an sind auch bei uns Beschwerden bezüglich des Lkw-Verkehrs eingegangen, daraufhin haben wir dann die Polizei informiert und um Kontrolle gebeten“, sagt Lennart Fey aus dem Amt für Inneres der Stadt. Denn die Polizei ist in Reinbek für den rollenden Verkehr zuständig. „Wir fahren hier regelmäßig Streife“, erklärte ein Polizeibeamter gestern auf Nachfrage. Von Verstößen durch Lkw-Fahrer wisse man auf der Reinbeker Wache nichts. „Wir haben auch keine Beschwerden erhalten. Sollte es zu Verstößen kommen, werden diese auch geahndet.“

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Auf dem Weg von Bergedorf nach Wentorf und bis zum Reinbeker Weg war vor der Ampel kein Schild zu finden, das auf das Lkw-Verbot hinweist. Aus dem Reinbeker Rathaus hieß es dazu, die „verkehrsrechtliche Anordnung“ müsse aus Wentorf kommen. Entsprechende Schilder habe die Stadt gestellt. Der Wentorfer Ordnungsamtsleiter Sascha Kröger erklärte: „Das ist nicht unsere Baustelle. Die Beschilderung haben wir vollständig an die anordnende Behörde abgegeben. Das ist in diesem Fall die Reinbeker Verkehrsaufsicht.“ Aus Reinbek gestern am späten Nachmittag keine Antwort mehr zu hören.

Uferwand drohte einzustürzen

Die historische Uferwand drohte im Mai 2018 einzustürzen. Seitdem ist die Straße halbseitig gesperrt und Lkw ab 7,5 Tonnen dürfen sie nicht mehr befahren. Eine stählerne Spundwand soll Stabilität schaffen und das alte Gemäuer aus dem Jahre 1741 schützen. Ende Juli soll die Sperrung aufgehoben werden. Das Volumen des Großprojektes liegt bei 1,15 Millionen Euro. Große Hoffnungen, dass die Baustelle demnächst passé ist, hat Winfried Schneider nicht: „Zuerst nannte man mir als Termin den 31. März, dann den 31. Mai. Nun den 31. Juli.“

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