Bildung

"Ganztagsbetreuung ist in Schulen die Zukunft"

Reinbek (voe). Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (54) eröffnete das 50. Kamingespräch der "Initiative gegen Sucht und Gewalt in Stormarn" mit einem Schwank.

Als Gymnasiast in Wentorf habe er als Neuntklässler in einer "Rüpeljungsecke" gesessen: "Da war im ersten Halbjahr meine Versetzung gefährdet. Ich setzte mich dann neben ein uncooles, fleißiges Mädchen und wurde tatsächlich besser."

Das uncoole Mädchen sei heute seine Frau. Diesen Lacher brauchte es im Festsaal des Schlosses. Denn was Rabe, der nach den noch nicht beendeten Koalitionsverhandlungen mit den Hamburger Grünen mit seiner Wiederberufung rechnet, den rund 40 Gästen sonst noch berichten konnte, sorgte weniger für Erheiterung im Publikum.

"Das Kultusministerforum zappelt sich bei der Inklusion leider immer noch einen ab", formulierte der Pädagoge und Ex-Journalist. Wie man Kinder mit Handicap in den Schulalltag integriere, bleibe umstritten. Keinen Königsweg sehe er derzeit für Schüler, die eine Schule im benachbarten Bundesland besuchen wollten. "Über die länderübergreifende Finanzierung muss ich mich in den kommenden Monaten erst mit Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst austauschen."

Rabe forderte eine bessere Lehrerausbildung und eine Imagekampagne für den Beruf. "Wir brauchen mehr männliche Lehrer, damit die Schüler nicht den Eindruck bekommen, Bildung und Erziehung seien nur Frauensache." Die Forderung von Moderatorin und Ex-Konrektorin Dagmar Rucys, mehr Geld in den Bildungsbereich zu investieren, teilte Rabe indes nicht.

Deutschland gebe im internationalen Vergleich genug Geld aus. Laut einer neuseeländischen Studie bedeuten mehr Lehrer und kleinere Klassen nicht zwangsläufig besseren Unterricht. "Entscheidend ist, ob der Lehrer sein Fach versteht." Für Rabe steht fest: Die Zukunft liegt im zweigliedrigen Schulsystem mit Ganztagsbetreuung.