Körperkult

Appell: Frauen, liebt euch so wie ihr seid

Reinbek (hof). Was macht ein Maßband aus Papier auf einem liebevoll gedeckten Kaffee-Tisch?

Eine spannende Frage, die Autorin Christina Brudereck am Sonnabend im Rathaus-Saal beim Reinbeker Frauentreff schnell klärte. "Es darf kein bisschen weniger sein" nannte sie ihren provokativen Vortrag, organisiert von den Kirchengemeinden Reinbeks und der Gleichstellungsbeauftragten Edelgard Jenner. Wie immer waren liebevoll gedeckte Tische, leckerer Kuchen und ein spannendes Thema das Erfolgsrezept des Reinbeker Frauentreffs, der im nächsten Jahr seinen zehnten Geburtstag und das 20. Treffen feiert.

"Ständig machen wir uns Gedanken über unsere Hüften, Bäuche oder Oberschenkel und das auch noch freiwillig", kritisierte die 42-Jährige ihre Geschlechtsgenossinnen mit einem Augenzwinkern. Und gab zu, dass sie zu ihren Rundungen stehe und sich ausgesprochen wohl in ihrer Haut fühle. Das sei vor allem bei jungen Mädchen nicht immer so, die ihr Leben manchmal im wahrsten Sinne des Wortes "zum Kotzen" fänden. Dabei gehörten Körper und Geist, Leib und Seele doch zusammen.

"Wenn sich jemand die Beine rasiert und sich damit schöner findet, dann ist das nicht schlimm", sagte die Theologin. Wenn sich Frauen aber qualvollen Schönheitsoperationen unterziehen und nur Fehler und Mängel an ihrem Körper finden, dann seien sie krank. "Unser Selbstbild wird von außen gelenkt." Auch in der Sprache zeigen sich ihrer Meinung nach die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. "Wenn Männer viel essen, haben sie einen gesunden Appetit. Wenn wir Frauen das tun, heißt es gleich negativ, wir haben Heißhunger", zählte Brudereck auf. Ständig die eigenen Bedürfnisse zu beschneiden, das tue den Frauen nicht gut.

Ihre Sicht auf die Welt der Frauen hat die sympathische Referentin in Lyrik und Versen festgehalten, die sie in den Vortrag einfließen ließ. Immer wieder brachte sie das weibliche Publikum zum Lachen und Schmunzeln. "Hilfe, ich werde immer mehr wie meine Mutter" - das konnte wohl jede der etwa 120 Anwesenden nachempfinden. Aber sie machte den Frauen viel Mut, sagte etwa: "Wir wollen uns nicht nur lackieren und frisieren, sondern auch experimentieren und kritisieren."

Christina Brudereck, die in Essen als freie Autorin lebt, liebte als Kind Pippi Langstrumpf und rät Frauen heute: "Lieber After Eight statt Weight Watchers", schließlich reime sich Schokolade auf Gnade.