Standortdiskussion

Rätselraten um die Zukunft der DRK-Kleiderkammer

Reinbek (st). Damit hatte beim DRK niemand gerechnet: Seit fast einem Jahr stand der neue Standort ihrer Kleiderkammer fest - nur 50 Meter weiter.

Mit Bürgermeister Axel Bärendorf als Vertreter des Vermieters, der Stadt Reinbek, und dem Nachbarn E-Werk Sachsenwald, das das aktuelle Areal für seine Erweiterung braucht, war alles durchgesprochen und besichtigt worden. Jetzt sollten die Stadtverordneten nur noch zustimmen, dass ein Haushaltsposten, der für die Sanierung der Container vorgesehen war, auf die Anschaffung neuer, gebrauchter Container umgebucht würde.

Doch CDU und SPD verwiesen den Antrag zurück an den Sozialausschuss. Hans-Helmut Enk, Fraktionschef der CDU, lobte zwar die ehrenamtliche Arbeit des DRK-Teams für die Kleiderkammer, stellte aber den Standort infrage: "Haben wir nicht an anderer Stelle, wo die Leute besser hinkommen, einen besseren Ort? Wäre es nicht günstiger, einen der vielen Leerstände anzumieten?" Er bat deshalb, das Thema in den Fachausschuss zurückzuverweisen. Auch Volker Müller, Fraktionsvorsitzender der SPD, sprach von einer Vertagung zugunsten einer "vernünftigen, dauerhaften Lösung".

Bei den anderen Fraktionen und bei der Verwaltung stieß das Ansinnen auf Unverständnis. Uwe Rasch lobte die Lösung, weil sie noch nicht einmal mit Mehrausgaben verbunden sei. Mit Unterstützung des E-Werks Sachsenwald reichen die eingestellten 31 000 Euro für neue Container. Diethard Joppich (FDP) betonte die Dringlichkeit der Angelegenheit: "Der Winter steht vor der Tür." Bärendorf erklärte, der Standort stehe nicht zur Disposition, es gebe keine freien Räume in Reinbek. Außerdem habe das DRK als Mieter einen Anspruch darauf, dass die Stadt nicht so mit ihm umspringe.

Allein, es half nichts: mit 17 Stimmen bei 14 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen aus der SPD-Fraktion landete das Thema wieder im Fachausschuss und somit bei Null. Erst nach dem Beschluss kam es den Politikern in den Sinn, nachzufragen, ob der Sozialausschuss nicht beschlussfähig wäre. Der Bürgermeister musste das verneinen: Frühestens am 17. Dezember nach der nächsten Stadtverordnetenversammlung steht fest, wie es mit der Kleiderkammer weitergeht.

"Mich macht das sehr betroffen", sagt Klaus-Peter Puls, Vorsitzender des DRK. "Wir und auch die Politiker können uns schnell eine dicke Winterjacke kaufen. Doch viele Menschen können sich das nicht leisten." Im Jahr 2011 gab die Kleiderkammer etwa 100 000 Kleidungsstücke an 3400 Menschen. 3300 Arbeitsstunden brachten die Ehrenämtler dafür auf. Puls mahnt: Zuständigkeitsirritationen in internen Verwaltungsverfahren dürfen nicht dazu führen, dass ehrenamtliche Arbeit und soziale Dienstleistungen gefährdet werden."