Gemeindevertretung

Jugend überzeugt mit Argumenten

Wentorf. Frenetischer Jubel in den Zuschauerreihen. Jugendliche fielen sich in die Arme. Selten endete eine Debatte mit solch rührenden Szenen. Gefeiert wurde der Verbleib von Straßensozialarbeiterin Linda Jeschke.

Mit 22 "Ja"-Stimmen, einer Gegenstimme und fünf Enthaltungen stimmte die Gemeindevertretung einem Antrag der FDP zu. Demnach wird der Vertrag zur Straßensozialarbeit, die sich Kreis und Gemeinde teilen, verlängert. Bürgermeister Matthias Heidelberg (CDU) soll lediglich versuchen, die Kosten zu deckeln.

Viel Wind hatte es im Vorfeld um eine Empfehlung des Bürgerausschusses gegeben, die Straßensozialarbeit in Wentorf abzuschaffen. Wie sich in der Sitzung herausstellte, zweifelte die Mehrheit von CDU und UWW an der Effektivität dieser Arbeit. "Wir müssen auch an das Finanzielle denken", mahnte Kristin Thode von der CDU. Wenig später bestritt sie, den Fokus auf die Finanzen gelenkt zu haben. Dabei hatte die CDU-Fraktion in ihrer Beschlussvorlage auf die jährlichen Kosten von 36 000 Euro verwiesen. "Die Effektivität der Arbeit lässt sich nicht messen", erklärte Thode zunächst. "Wir schlagen deshalb den 'Runden Tisch Sicherheit' vor." Damit sollten Polizei und Verwaltung in die Sozialarbeit eingebunden werden. Die CDU wollte die aufsuchende Sozialarbeit durch Mobile Jugendarbeit und Prävention an den Grundschulen ersetzen.

Widerspruch kam von der FDP, der SPD und den Grünen. "Sie müssen mal die betroffenen Jugendlichen fragen, wie effektiv die Sozialarbeit ist", sagte Sonja Kleipoedszus von der FDP. "Frau Jeschke hat ein unersetzliches Vertrauensverhältnis zu den Jugendlichen aufgebaut. Nur deshalb erfahren wir, wo der Schuh wirklich drückt. Wollen Sie das zerstören?" Ute Berns von den Grünen haute in dieselbe Kerbe: "Haben Sie, als Sie 17 waren, alles ihrer Mutter oder gar der Polizei erzählt?", fragte sie in die Runde. Berns machte weiterhin darauf aufmerksam, dass die Zuschüsse des Kreises beim Wegfall der Straßensozialarbeit ebenfalls entfallen würden.

Wolfgang Warmer von der SPD rechnete vor, dass sich selbst bei Fortführung des bestehenden Betrages die Ausgaben für die Gemeinde höchstens um 2,6 Prozent jährlich erhöhten. Andrea Hollweg (SPD): "Wir sind nicht gegen Präventionsarbeit an den Grundschulen. Aber die Arbeit von Frau Jeschke richtet sich doch gerade an Jugendliche, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht zur Schule gehen."

Der CDU gingen die Argumente aus. Zumal die Jugendlichen in der Einwohnerfragestunde wissen wollten, warum sie nicht gemäß § 47 f der Wentorfer Gemeindeordnung über den geplanten Abbau der Stelle informiert worden waren. Bürgermeister Heidelberg fand darauf keine plausible Antwort. Die UWW beantragte eine Sitzungsunterbrechung. Nach der Pause gaben sowohl UWW als CDU bekannt, dass für die Abstimmung der Fraktionszwang aufgehoben sei. "Weil ihre Argumente uns nachdenklich gemacht haben", sagten Hans-Joachim Hass, Fraktionsvorsitzender der UWW, und Kristin Thode (CDU) unisono.

Das Abstimmungsergebnis war danach keine Überraschung mehr. Die Grünen verteilten eine bereits vorgefertigte Presseerklärung: "Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass die Gemeindevertretung der Verlängerung des Vertrages zur Straßensozialarbeit mit dem Kreis zugestimmt hat", war dort zu lesen. "Wir verschleudern Geld für einen überflüssigen Kreisel am Petersilienberg und schaffen stattdessen dringend notwendige Straßensozialarbeit ab", argumentierte Dirk Petersen.