Gethsemane

50 Jahre alte Kirche mit jungem Gesicht

Reinbek (sho). Als "Kirche im Dorf" versteht sich die Gethsemane-Gemeinde mit ihren 2174 Mitgliedern in Neuschönningstedt. Und das Dorf war gestern bei der Feier zum 50. Geburtstag nicht nur sprichwörtlich komplett auf den Beinen.

Rund um Kirche und Gemeindehaus hatten die Ehrenamtlichen aus der Gemeinde mit Unterstützung unter anderem vom Deutschen Roten Kreuz, der Siedlergemeinschaft Neuschönningstedt und der Feuerwehr Ohe ein richtiges Volksfest organisiert. Mit allem, was dazu gehört: Kuchen, Suppe aus der Gulaschkanone, Musikauftritten, Angeboten aus dem Eine-Welt-Laden.

Ein Gottesdienst hatte auf den Tag eingestimmt. "Die Kirche war so voll wie zu Weihnachten", freute sich Küsterin Elke Schaede. Ein weiterer Höhepunkt am Nachmittag war die offizielle Einweihung der Krippe "Spatzennest", die seit Anfang August in den Räumen neben dem Kindergarten insgesamt zehn Mädchen und Jungen im Alter von eins bis drei Jahren betreuen kann. "Die Kinder werden solange versorgt und gefüttert, bis sie flügge sind", brachte es Leiterin Marion Brungsbach scherzend auf den Punkt. Die Besucher waren von dem kleinen Anbau und der liebevollen Einrichtung der Betreuungseinrichtung begeistert.

Klein, gemütlich und persönlich - das mache den Charme der Kirchengemeinde in Neuschönningstedt aus, sind sich Anna-Karena Grimm (14) und Jana von Restorff (14) einig. Die beiden Schülerinnen sind der Gemeinde auch nach der Konfirmation treu, Jana macht derzeit ihre Jugendleiter-Card, darf danach Kinder- und Jugendgruppen leiten. "Wir sind irgendwie anders", sagt auch Stefanie Plessner (41), die gestern Bowle verkaufte. Denn die Gemeinde sei nicht nur bei Festen wie dem gestrigen gut besucht, sondern erfahre Zuspruch das ganze Jahr über. "Auch als Zugezogene findet man schnell Anschluss", weiß Birgit Bach. Als sie vor 32 Jahren nach Neuschönningstedt zog, sei die Kirche schon Anziehungspunkt und Kontaktbörse gewesen. Noch heute erkundigten sich ihre Kinder nach dem Leben an der Kirchenallee.

Worte die Pastor Michael Paul gern hört. Er erklärt sich den Trubel rund um sein Gotteshaus ganz einfach: "Wir sind keine hochchristliche Gemeinde, sondern eine Gemeinschaft, in der jeder ein Teil des Ganzen ist. Wir haben keine Selbstdarsteller in unseren Reihen, sondern jeder bringt etwas in das Miteinander ein. Wir akzeptieren jeden so, wie er ist", sagt Paul. Er ist sicher, dass die Kirche auch in den kommenden 50 Jahren das bleiben wird, was sie sein möchte: Die Kirche im Dorf! Ein Anziehungspunkt von Menschen für Menschen.