Möllner Landstraße

250 Demonstranten für 17 Bäume

Reinbek. 17 Linden haben gestern an der Möllner Landstraße in Neuschönningstedt rund 250 Menschen mobilisiert. Diese bildeten vom Heideweg bis zur Königsberger Straße eine Menschenkette und demonstrierten so auf 250 Meter Länge für den Erhalt der Bäume.

Die Polizei hatte dafür die Straße ab 11 Uhr einseitig in Fahrtrichtung Trittau für rund 30 Minuten gesperrt.

Die Siedlergemeinschaft Neuschönningstedt hatte zur Protestaktion aufgerufen, nachdem das Reinbeker Bauamt seine Pläne für die dortigen Straßenbaumaßnahmen vorgestellt hatte. Für den Neubau einer Regenentwässerung sollen die Linden weichen. Ein Unding, meinen viele in Reinbeks nördlichem Stadtteil.

"Die Bäume sind kerngesund, prägen das Ortsbild, sorgen für den Klimaschutz und sind Lebenswelt für viele Tiere", fasste Heidrun Tacke, Vorsitzende des Siedlerbundes, die Kritik der Demonstranten zusammen. Mit Sprüchen wie "Bäume sind prima fürs Klima", "Die MöLa ist zu allen Jahreszeiten schön, lasst die Bäume stehen" und "Ein Baum ist in 30 Minuten gefällt und in einem Jahrhundert gewachsen" stimmte sie bei der Kundgebung die Teilnehmer auf die Menschenkette ein.

An der nahmen auch Reinbeker teil, die gar nicht aus Neuschönningstedt kommen, sich aber für die aus ihrer Sicht gute Sache einsetzen wollten. "Wir möchten ein Zeichen setzen. Fallen die Bäume, fehlt hier an der Straße der Alleecharakter", sagt Lukas Wader (27), der mit Partnerin Karoline Kratz (26) am Ladenzentrum in Alt-Reinbek wohnt. Die beiden waren auch deshalb nach Reinbek gezogen, weil die Stadt so viel Grün habe. "Wir wandern viel, sind gern in der Natur", sagt der Ergotherapeut, der gestern erstmals seine Meinung auf einer Demonstration kundtat.

Eine Landstraße ohne Bäume möchte sich auch Anwohner Jonas Meister nicht vorstellen. "Die haben schon vor unserer Haustür am Allensteiner Weg so viel abgeholzt", erklärt der Elfjährige sein Engagement für die 17 Linden.

Otto Martin (71) hat mit seiner Teilnahme gestern auch an seine fleißigen Bienen gedacht. "Werden die Linden gefällt, gibt es weniger Honig", sagt er. Rund zehn Zentner des süßen Aufstrichs erwirtschaften seine Tiere, die er seit Mitte der 1980er-Jahre in 20 Stöcken betreut, jährlich. Linden werden gern angeflogen, weiß er.

Dass sich trotz des Regens 250 Menschen eingefunden hatten, überwältigte Organisatorin Heidrun Tacke. Ob sie weitere Aktionen dieser Art plant, werden die kommenden Wochen zeigen. Das Bauamt ist im letzten Bauausschuss von allen Parteien dazu aufgefordert worden, Planungen vorzulegen, bei denen die Bäume erhalten werden können. "Koste es, was es wolle", lautete die einhellige Meinung. 150 000 Euro teurer würde die Maßnahme, heißt es schon jetzt nach ersten Schätzungen aus dem Rathaus. Mehrkosten, die auf die Anlieger der Möllner Landstraße umgelegt werden würde. Ob alle Betroffenen diese Kostensteigerung auch mittragen würden, zeigt sich erstmals am heutigen Montagabend. Die Stadt lädt für 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in die Begegnungsstätte Neuschönningstedt, Querweg 13, ein.

Der Neuschönningstedter Ralf Schaefer und viele seiner Nachbarn sind schon jetzt sicher: "Da muss man jetzt dran bleiben und darf nicht locker lassen."